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24. September 2010

Bordeaux: Erdbeben bei den Crus Bourgeois

Von Eckhard Supp - Jetzt ist die Katze aus dem Sack! Im Rahmen von drei Pressekonferenzen, die gestern und vorgestern in Paris, London und Brüssel - klar, dass der vollkommen unwichtige deutsche Markt wieder nicht dabei war - stattfanden, hat die Alliance des Crus Bourgeois nach langen Jahren der Auseinandersetzungen, der vergeblichen Versuche, der Streitereien vor Gericht (wir berichteten wiederholt, z. B. hier ... und hier ... und hier ... und hier ...) jetzt endlich die offizielle Liste derjenigen Châteaux veröffentlicht, deren Weine des Jahrgangs 2008 den prestigeträchtigen Namenszusatz "Cru Bourgeois" tragen dürfen.

Wer die Liste aufmerksam studiert, wird feststellen, dass viele bekannte Namen aus der Vergangenheit fehlen - darunter einige der prestigeträchtigsten wie Chasse Spleen, Citran, Clarke, Coufran, Phélan-Ségur, Siran oder Tronquoy-Lalande sowie die gesamte Fourcas-Gruppe (Hosten, Dupré, Loubanney) aus Listrac. Einige von ihnen hatten bereits bei Beginn der aufwändigen Auswahlprozedur mit Blindverkostungen und jeder Menge externer Gutachter angekündigt, ihre Weine nicht anstellen zu wollen und waren sogar aus der Alliance ausgetreten. Bei anderen wiederum darf man vermuten, dass ihre Weine zu schwach abschnitten und dass ihnen die Anerkennung als Crus Bourgeois verwehrt wurde.


Herbsstimmung bei den Crus Bourgeois? (Foto: E. Supp)

Von den von uns in den letzten Jahren gut oder sogar sehr gut bewerteten Weinen fehlten neben den bereits erwähnten Renommiernamen auch Château Cornélie, Lanessan, Meyney und Puy-Castéra. Auch eine Reihe sehr populärer Weine wie die der Châteaus Ormes de Pez, Tour de By sucht man auf der Liste vergeblich.

Ob die Abwesenheit dieser zugkräftigen Namen dem Renomée der Crus Bourgeois insgesamt gut tun wird, darf man bezweifeln. Jetzt rächt es sich, dass die Vereinigung so lange brauchte, um sich auf einen Auswahlmodus zu einigen. Offenbar haben viele der bekannten Namen des Médoc in all den Jahren verstanden, dass sie ohne das einst so begehrte Etikett genauso gut, wenn nicht besser zurecht kamen.

Zu den Verkostungsnotizen der Crus Bourgeois in unserem Weinarchiv geht es hier ...


Offenbar sind ja eine ganze

Offenbar sind ja eine ganze Reihe Châteaux der Meinung, dass die Kombi Appellation-Eigener Name für die Vermarktung reicht und es des Zusatzes Cru Bourgeois nicht mehr bedarf. Das ist schade, aber das hat sich die Vereinigung mit ihren wirren Manövern auch selbst zuzuschreiben. Für einen Riesen-Verlust hinsichtlich der Vermarktung halte ich es, dass die so beliebte Coupe des Crus Bourgeois - ein Weinwettbewerb im Stil eines Ausscheidungsturniers - der 90er Jahre abgeschafft wurde. Die hatte enorm viel Aufmerksamkeit auf die Weine gezogen. Sicher ist es auch ein Vermarktungsproblem, wenn die Weine in einem Jahr den "Titel" tragen dürfen, im nächsten wieder nicht. Da müssten dringend längere Fristen her. Die konkrete Bewertung des einzelnen Jahrgangs kann man dagegen ruhig der Fachpresse überlassen.

(Kommentiert als "Mir gefällt

(Kommentiert als "Mir gefällt das") Nur der guten Ordnung halber: Mir gefällt Eckhards Artikel, *nicht* hingegen das Fehlen vieler Namen, dass beispielsweise die Bourgeois Exceptionnels schon im vorhinein angekündigt hatten, sich nicht zu beteiligen.

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