WorldWine Blog

23. März 2011

Deutscher Weinexport: Trau keiner Statistik ...

von Eckhard Supp - Nein, die Zahlen der deutschen Weinbranche waren im letzten Jahr wirklich nicht berauschend. Egal wie man sie dreht und wendet! Jedenfalls geht das aus den Statistiken hervor, die das DWI Anfang des Jahres veröffentlichte, und über die wir in der letzten Ausgabe der WorldWine News berichteten. Aber das DWI wäre nicht das DWI und der März nicht der Monat der ProWein, wenn man nicht doch noch versucht hätte, aus den tristen Zahlen eine Jubelbotschaft zu zimmern. Und man hat es geschaft! (Fast) Alle sind darauf reingefallen.

Geschickt waren sie dabei wirklich, die vom DWI! "Qualitätseinexporte im Plus" hieß die Überschrift des Artikels auf der Homepage des DWI, und diese Exporte, so der Artikel, seien im vergangenen Jahr mengenmäßig um 8 Prozent auf 1,25 Mio. hl gestiegen. So weit, so gut, und so ganz verschämt wird dann auch noch eingeräumt, dass der Umsatz nur um 6 Prozent gestiegen sei, was - rechnet man eine kleine Inflationsrate hinzu - immerhin einen nicht unbeträchtlichen Wertverlust des deutschen Qualitätsweins auf den Auslandsmärkten bedeutet.

Aber immerhin! Mengenplus, Umsatzplus! Was will man mehr? Natürlich haben sie beim DWI üüüüüüüüberhaupt nicht, nicht einmal aaaaansatzweise daran gedacht, dass das Gros der ach! so gut informierten und aufmerksamen (Wein)Journalisten diese Meldung vielleicht nicht richtig verstehen könnte. Dass die aus "Qualitätswein" schlicht "Wein" machen könnten. Genau das war aber, was passierte. "Wein-Export gestiegen" konnte man allenthalben lesen, und: "Die deutschen Winzer exportieren wieder mehr Wein."

Dass es nur beim Qualitätswein einen Zuwachs gab, dass dieser Qualitätswein nur etwa 80 % des gesamten deutschen Weinumsatzes im Ausland ausmachte, war in der DWI Mitteilung dann tatsächlich noch zu lesen, aber bis in die Meldungen der meisten Publikationen schaffte es dieses völlig unbedeutende Detail dann natürlich nicht mehr.

Übrigens! Für diejenigen, die es vielleicht nicht wissen: 80 Prozent im Umsatz bedeuten einen wesentlich geringeren Anteil am Gesamtexportvolumen, da Qualitätswein deutlich teurer ist als Landwein oder Wein ohne geografische Angabe. Weshalb die DWI-Meldung, hätte man wirklich gewollt, dass sie in ihrer wahren Bedeutung verstanden wird, eigentlich hätte lauten müssen: "50 (oder 60 oder 70) Prozent der deutschen Weinexporte sind 2010 wieder um 8 Prozent (im Volumen) gestiegen." Und deshalb ist das, was wir im Februar schrieben, dass nämlich der deutsche Weinexport seit Jahren stagniert, eben immer noch richtig. Trotz oder vielleicht gerade wegen all der Jubelmeldungen des DWI.

Schaut man sich die einzelnen Märkte ein wenig genauer an, so wird das Bild übrigens noch gruseliger. Das schreibt das DWI sogar selbst: "In Großbritannien (immerhin drittwichtigster Markt der Deutschen) mussten die deutschen Weinexporteure Umsatzverluste von 16 Prozent und Absatzrückgänge von 7 Prozent ... hinnehmen", oder "Im Vergleich zu 2009 stiegen die ausgeführten Mengen in das Nachbarland (Niederlande) um sechs Prozent ...., der Umsatz ging leicht um drei Prozent zurück", was wiederum einen enormen Wertverlust pro Einheit bedeutet. Neben diesen beiden Ländern sah es hinsichtlich der Wertentwicklung deutscher Qualitätsweine auch in Russland, in der Schweiz und in Finnland mehr als düster aus, in den USA, in Schweden, Japan und Belgien auch nicht wirklich erfreulich, und nur über Kanada und China konnten sich die Deutschen ein wenig freuen.

Aber das alles kann den Jubel des DWI natürlich nicht trüben. Zumal ja der kleine Trick mit der Statistik so gut geklappt hat. Wie hatten doch (fast) alle geschrieben? "Deutscher Weinexport wieder gestiegen ..." oder so ähnlich! Na gut, wird jetzt sicher der eine oder andere sagen. Das Herauspicken von Rosinen (hier: die Qualitätsweine) ist ja in allen Ländern üblich. Auch die Italiener oder Franzosen machen das immer wieder. Richtig! und deshalb heißt unser nächster Bundeskanzler auch Berlusconi und der Deutschen Lieblingsbeschäftigung wird Bunga-Bunga!


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