WorldWine Blog

06. Oktober 2011

Die Brücke - Kein Drama! Kein deutsches jedenfalls!

von Eckhard Supp - Ich glaube nicht, dass ich mir bei meiner Biografie vorwerfen lassen muss, gegenüber Umweltbelangen insensibel zu sein. Und auch in der Angelegenheit der Hochmoselbrücke gingen meine Sympathien zunächst einmal ganz spontan in Richtung der Gegner dieser Brücke. Was mich allenfalls verwunderte, war die Tatsache, dass von der einheimischen Bevölkerung über die langen Jahre der Brückenplanung wirklich extrem geringer Widerstand kam. Auch die Tatsache, dass von den Winzern, mit denen ich über die Jahre "Brücke diskutierte", die übergroße Mehrheit entweder explizit für die Brücke war oder zumindest keine großen Bedenken hatte, konnte mich zum Nachdenken anregen.

Dass sich in der letzten Zeit verstärkt Widerstand gegen den Bau regte, war dann schon ein deutlicheres Zeichen, und immerhin waren gab es da ja auch deutliche Stellungnahmen einer kleinen Gruppe von Spitzenwinzern - von denen allerdings nicht einmal alle direkt vom Brücken- und Zufahrtsbau betroffen sind, wenn ich das richtig sehe - und vor allem von angelsächsischen Weinschreibern. Das alles konnte mich allerdings noch immer nicht veranlassen, mich für oder gegen die Brücke zu entscheiden, da sich mir die Sache aus der Ferne auch in ihren inhaltlichen Feinheiten zu wenig erschloss. Erst das, was ich heute lesen musste, hat mir dann das sprichwörtliche Messer in der Hosentasche aufgehen lassen. In einem Beitrag auf n24.de hieß es, amerikanische Weinfreunde und Blogger betrachteten die Hochmoselbrücke als "Gefahr für den deutschen Riesling". Nicht mehr und nicht weniger: Als Gefahr für den deutschen Riesling.

Leute, es reicht! Hört auf, Euch über uns lustig zu machen! Wir sind nicht so blöde, wie ihr denkt! Der deutsche Riesling bedeckt eine Rebfläche von - meine Zahlen sind nicht ganz auf dem neuesten Stand, aber das macht hier wohl nichts - etwas über 20.000 Hektar, das ist ein Drittel der weltweit mit dieser Sorte bestockten Fläche. Die Hochmoselbrücke betrifft direkt (Fläche für die Pfeiler) oder indirekt (Schattenwurf) bzw. doppelt indirekt (eventuelle, bislang aber noch keinesfalls bewiesene Beeinträchtigung der wasserführenden Schichten durch die südliche Zufahrtsstraße) eine Fläche von vielleicht zwei, drei Dutzend Hektar. Vielleicht noch etwas größer dürfte die Rebfläche sein, von der aus man die Brücke sehen wird - das wäre dann der Teil der Mosel, die man als "verschandelt" betrachten könnte.

Die angenommene "Zerstörung" von maximal einigen Dutzend Hektar Rebfläche also, stellt eine "Gefahr für den deutschen Riesling" schlechthin dar? Und das bei einer Fläche, die nur zum allergeringsten Teil überhaupt den Status von Renommierlagen, von "Grands Crus" trägt? Entschuldigung, dass ich es einmal so drastisch sage: Wer solches behauptet, sollte sich erst einmal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Und uns mit seinen Phantasien in Ruhe lassen. Mir für meinen Teil reicht es! Ich will erst wieder etwas von der Hochmoselbrücke hören, wenn diese intellektuellen Geisterfahrer sich beruhigt haben und die Debatte wieder zumindest ein Stück weit sachlich geworden ist. Sonst kommen uns diese politischen Hochseilakrobaten demnächst noch mit der Behauptung, wenn die Abgase der LKW, die sich jetzt noch durch die Moseldörfer quälen müssen, eines Tages ausblieben, könne sich das Geschmacksbild der Rieslinge von den Moselhängen nachteilig verändern


Danke Eckhard, Du hast mir

Danke Eckhard,
Du hast mir die Augen geöffnet! Endlich habe ich es begriffen. Die Winzer-Wortführer des Protests an der Mosel bangen um den Petrolton in ihren Weinen, um das Durchgangsverkehr-Terroir. Eine andere Deutung habe ich vorhin bei FB gelesen: Angst davor die Weintouristen aus den Benelux-Staaten würden dann schnurstracks über die Brücke an die Nahe und nach Rheinhessen fahren.

Hier steht was alle anderen

Hier steht was alle anderen Weinleute bis auf Supp und Scheuermann von der Brücke halten.
http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=298637263495371&id=1000...
Mit bestem Gruß!

Fakt ist, dass eine

Fakt ist, dass eine verkehrlich nicht benötigte Brücke in einer Zeit von knappen Kassen und gleichzeitig wieder erblühendem Deutschland-Tourismus in eine der schönsten Landschaften an eine der repräsentativsten Stellen gezwungen wird. Koste es was es wolle.
Dass auch Winzer sich am Protest beteiligen die nicht "betroffen" sind zeigt, dass einige Menschen doch über ihren Tellerrand hinausschauen. Dies ist aber offenbar beim Autor des obigen Artikels nicht der Fall, sonst würde er nicht seine Meinung auf "die paar" Rebflächen käme es nicht an so vehement vertreten.

Mein lieber

Mein lieber Weinfreund!

Einspruch! Zunächst ich bin Gründer und war über 15 Jahre hinweg Vorsitzender und Sprecher der heute noch aktiven BI. (Es gab davor schon einmal eine BI in den 70ziger Jahren, die sich dann aber verloren hat, nachdem der Staat über Jahre hinweg scheinbar jedes Interesse am Bau der Trasse verloren hatte, immerhin ist die Planungsphase schon deutlich >40 Jahre!)
Insofern verfüge ich über viel Wissen zu dem Projekt und über Insiderwissen a.G.v. Gesprächen in Ministerien, die der Öffentlichkeit nicht bekannt gemacht wurden! So unrecht haben die amerikanischen Freunde keinesfalls, auch wenn man in Amerika gerne mal zu Übertreibungen neigt, sollte man in die Bewertung der US-Aussage mit einfließen lassen.

Was wäre denn, wenn eines schönen Tages in der Bauphase der Trasse und/oder Brücke Wein aus der Bauregion einen überhöhten Wert an Schwermetallbelastung oder gar Radioaktivität ausweisen würde und die "BILD" macht eine Schlagzeile daraus: Moselriesling strahlt (plus Atomzeichen) oder Renter erkrankt an Moselriesling?

Klar, dann ist nur der Riesling aus der Bauregion gefährdet, denn der (internationale) Verbraucher kann die Region sehr genau unterteilen.

Frage mein Freund, glaubst Du daran oder willst Du lieber Deinen Text nochmals überarbeiten?

Karl-Gustav Kwasny
ddp - Bundesgeneralsekretär
www.ddp-partei.de/einzigartig

Sehr geehrter Herr Supp! Mit

Sehr geehrter Herr Supp!
Mit Verlaub: Ihre Empfehlung, daß sich die Gegner der Hochmoselbrücke auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen sollten, würde die Psychiatrie hierzulande in allergrößte Schwierigkeiten bringen - durch die schiere Masse der zu Untersuchenden. Und natürlich durch die Tatsache, daß es sich bei ihnen im Mittel um äußerst intelligente Zeitgenossen handelt, die scharf beobachten, scharf abwägen und die richtigen Schlüsse ziehen können - nichts, was für Psychiater zielführend wäre!. Da scheinen viele Befürworter, Herr Supp, dagegen eher als potentielle Patienten der Nervenheilanstalten geeignet! Wiese?
Pars pro toto: Es sind, weiß Gott, nicht nur die Schäden in den weltweit teuersten Rieslinglagen, die drohen. Da ist z.B. der Tourismus, der, gutachterlich bestätigt, schweren Schaden nehmen wird. Und da ist Gefahr für Leib und Leben der Anwohner. Wieso? Lesen Sie die Gutachten!
Mit vorzüglicher Hochachtung! Helmut Körlings

Hallo Herr Körling, hallo

Hallo Herr Körling, hallo alle anderen,

genau das ist es, was ich meinte: Mangelnde Sachlichkeit, deplazierte Polemik und Bildsprache, die letztlich IHRER Sache schadet und nicht nutzt.

Wo, bitte schön, habe ich geschrieben, "dass sich DIE GEGNER der Hochmoselbrücke auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen sollten"? Nirgends, und deshalb, lieber Herr Körling, sollten Sie vielleicht Ihrer eigenen Empfehlung folgen und erst lesen, dann polemisieren.

Und wo, lieber Herr Daniel, habe ich geschrieben, auf die paar "Rebflächen käme es nicht an"? Den Unterschied zwischen Ihrem Zitat und meiner Aussage, dass einige Hektar nicht für DEN DEUTSCHEN RIESLING stehen, können Sie aber doch verstehen? Oder soll ich ihn noch mal ausführlicher erläutern?

Und Herr Kiegeland, finden Sie nicht, sie machen sich mit der Behauptung "ALLE anderen Weinleute bis auf Supp und Scheuermann" zumindest ein wenig angreifbar. ALLE? Da wäre ich doch mal auf die Beweisführung gespannt! Vielleicht meinten Sie ja Ihren Freundeskreis auf Facebook. Aber den gleich mit ALLEN WEINLEUTEN gleichzusetzen, kommt einer gewissen Form von Realitätsverlust doch ziemlich nahe. Finden Sie nicht?

Klar, Herr Kwasny, neigt man in Amerika zu Übertreibungen. Aber sind Sie sicher, dass das nur auf Amerika zutrifft? Lesen Sie einfach mal die anderen Kommentare hier und an anderer Stelle. Ach, und vielleicht lassen Sie sich auch noch mal über die Höflichkeitsform der deutschen Sprache aufklären.

Ich wiederhole mich ungern, muss es aber hier wohl doch mal tun: Wer glaubt, sein Recht - das ihm niemand, vor allem ich nicht, streitig macht - nur verteidigen zu können, indem er einen möglichst dicken Knüppel schwingt, indem er dem "Gegner" Dinge auf den Kopf haut, die dieser nie gesagt hat, der hat nach meiner Ansicht die Regeln des demokratischen Anstands nicht wirklich verstanden.

@Jan Kiegeland "Alle andere

@Jan Kiegeland "Alle andere Weinleute"? Den Beweis für diese kühne Behauptung werden Sie kaum antreten können. Ein Teil der Weingemeinde bei Facebook (vor allem im Umfeld eines gewissen Piratenschiffes) hat sich mit den Wortführern des Protestes solidarisiert, und einige angelsächsische Kollegen lassen sich bereitwillig instrumentalisieren. Das ist alles. Der Kollege Supp und ich stehen mit unserer Meinung keineswegs so allein wie Sie glauben machen wollen.

@Karl-Gustav Kwasny Was soll

@Karl-Gustav Kwasny Was soll denn jetzt diese alberne Argumentation aus ihrer politischen Mottenkiste? Kein Wunder, dass damals niemand auf die BI einging.

@Helmut Körlings Da muss ich dem Kollegen Supp beipflichten. Er hat nicht von "d e n Gegnern" der Brücke gesprochen sondern von einigen Leuten - vor allem amerikanischen Bloggern - gesprochen, die abenteuerliche Behauptungen in die Welt setzen. Ob diese absichtlich in die Welt gesetzt wurden oder nur mangelnden Geographiekenntnissen geschuldet sind, sei mal dahin gestellt.

Im übrigen geht es eigentlich um etwas ganz anderes. Die Brücke wird auf Grund einer umfänglichen demokratischen Entscheidung, der letztlich alle grossen Partein zugestimmt haben, gebaut. Alle juristischen und politischen Mittel dagegen wurden versucht und sind abschlägig beschieden worden. Nach meinem Verständnis von Demokratie sollte dann die unterlegene Seite, zumal sie in der Bevölkerung ganz eindeutig eine Minderheit ist, dies akzeptieren. Stattdessen wird mit Lügenmärchen weiter Stimmung gemacht und wenn es hier keiner mehr hören will, geht man halt den Weg über die USA. Für einige der prominenten Winzer, die dort dieses Feuer immer wieder schüren, ist dies im übrigen eine willkommene Möglichkeit der Eigen-PR. Das muss auch mal gesagt werden.

Ach, Herr Supp, wo, bitte

Ach, Herr Supp, wo, bitte schön, bleibt die Einsicht des Diskutanten in nicht abzustreitende Fakten? Zudem: Wer sprach vom Geisteszustand div. Brückengegner, der untersucht werden müßte? Wer vom Messer, das ihm in der Tasche aufgeht? Sie - oder ich? Wessen Sprache war also von Polemik durchtränkt? Ihre oder meine? Was ich sagte, war Ironie, allerdings bittere - vielleicht sogar Zynismus!
Mein Rat: Seien Sie vorsichtig mit Ihren aggressiven Argumenten! Und nehmen Sie Abstand von der Saga, daß es juristisch in bezug auf die B 50 neu mit rechten Dingen zugegangen ist! HEUTE würden die Urteile anders ausfallen - allein aufgrund der JETZT gültigen europäischen Rechtslage!
Schönen Tag! H. Körlings

Erneut, Herr Körlings, habe

Erneut, Herr Körlings, habe ich Schwierigkeiten, Ihnen zu folgen. Ich kenne gar keine Saga, derzufolge alles "juristisch in bezug auf die B 50 neu mit rechten Dingen zugegangen" sein soll. Verbreitet habe ich so etwas schon gar nicht. Also kann ich von der auch nur schlecht Abstand nehmen. Könnte es sein, dass Sie gar nicht mit mir, sondern mit ganz anderen Gegenübern diskutieren?

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