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23. Juni 2011

Fast Food - Ja bitte, wenn's schmeckt!

von Eckhard Supp - Es war für viele Feinschmecker und Lebenskünstler fast so etwas wie eine persönliche Beleidigung, auf jeden Fall aber eine ausgewachsene Provokation, als der Fast-Food-Riese McDonald's Mitte der 1980er-Jahre seine Absicht öffentlich machte, auf der historischen Piazza di Spagna mitten in Rom eine Zweigstelle aufzumachen. Empörte Proteste und - mit kleiner Zeitverzögerung - die Gründung einer Vereinigung, die sich den Kampf gegen Fast Food auf die Fahnen schrieb, waren die Folge. Arcigola hieß diese im Dunstkreis der italienischen Kommunisten und Linksradikalen geborene Vereinigung zunächst - bis heute ist sie als Slow Food International bekannt und erfolgreich.

Obwohl ich Arcigola Slow Food praktisch von Anfang an angehörte und bei den verschiedenen Weinpublikationen der Vereinigung mitarbeitete, konnte ich damals wie heute weder mit dem Anlass ihrer Gründung - McDonald's auf der Piazza di Spagna -, noch mit der absoluten Verdammung von Fast Food, die zumindest in den Anfangsjahren Programm war, viel anfangen. Wer McDonald's im historischen Zentrum Roms verdammte, sollte den vielen Jugendlichen, die seine Plätze bevölkerten, doch bitte erst mal eine valide, preiswerte Alternative anbieten. Und die Idee, Fast Food in Bausch und Bogen zu verdammen, stand auch mit meinem eigenen, damals noch ziemlich hektischen Lebensentwurf im Konflikt. Gutes, gesundes Fast Food zu kreieren, anzubieten, erschien mir weit sinnvoller, als auschließlich auf die epischen Gelage zu setzen, die damals in Arcigola-Kreisen noch angesagt waren.

"Natürlich Fast Food" - der Untertitel des Buches von Henry Dimbleby und John Vincent, das der Dumont-Verlag vor einigen Monaten in deutscher Sprache herausgebracht hat, ist deshalb so etwas wie die Verwirklichung dessen, was mir seinerzeit vorschwebte. Natürlich ist ein Buch zweier britischer Autoren, mit Rezepten gespickt, die auf dem Kontinent nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen - so die Vorschläge für ein üppiges gekochtes Frühstück mit Würsten, Speck, Spiegelei etc. Aber ein Großteil der Tipps und sind durchaus "kontinentfähig" und die vorgeschlagenen Gerichte noch dazu ziemlich lecker.

Zu den Tipps gehören Abschnitte über die Grundausstattung eines richtigen Fast-Food-Gourmet-Kühlschranks, eine Liste von Kräutern und Gemüsesorten, die man auf dem Balkon, im Stadt- oder im Landkarten ziehen kann, oder auch Tipps für die richtige Zubereitung vegetarischer Gerichte. Schon die Gliederung des Buches zeigt, wo es lang geht: "Flottes Frühstück", "Schnelles Mittagessen", "Sommer-Quickies", "Kochen mit den Kids" oder "Party Food" heißen die Überschriften, und natürlich darf auch die englische "Teatime & Elevenses" nicht fehlen.

Dabei werden Gerichte, die längere Garzeiten erfordern, durchaus nicht ausgespart - nur die Vorbereitungszeit darf nicht zu lange sein. Das Ganze heißt dann "Slow Fast Food" und enthält zum Beispiel Rezepte für Schmorbraten oder Eintöpfe.

Probieren Sie es doch mal mit dem Schweinebauch mit Rüben und Backpflaumen (s. 235). Die Vorbereitungszeit beträgt nur 10 Minuten, und während das Gericht, wie gefordert, 3 Stunden schmort, können Sie lesen, fernsehen, spazierengehen oder ihre Nachbarn mit dem Rasenmäher ärgern (Tipp stammt von mir, nicht für Mieter von Etagenwohnungen geeignet). Oder verfeinern Sie Ihr Gemüse, Ihr Grillfleisch, Ihren Tomaten-Mozzarella-Salat mal mit der "Wundersauce mit Kapern und Sardellen" (S. 128). Auch dafür benötigen Sie nach Angabe der Autoren lediglich vier Minuten, und selbst wenn bei Ungeübten daraus fünf oder sechs Minuten werden, ist das ja wirklich kein Beinbruch.

Leon - Natürlich Fast Food. Ehrlich. Einfach. Gut, von Henry Dimbleby und John Vincent, DuMont Buchverlag, Köln 2011, 308 Seiten, 29,99 EUR bei Amazon.


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