WorldWine Blog

25. Januar 2011

Frankreich: Pestizide töten Winzer

Zum ersten Mal wurde jetzt in Frankreich der Tod eines Winzers und Landwirts offiziell auf den Gebrauch von Pestiziden zurückgeführt, wie der britische The Telegraph dieser Tage schreibt. Yannick Chenet, der mit 43 Jahren verstarb, war dabei nur einer von aktuell 40, schwer erkrankten französischen Landwirten, die auch nach offizieller Lesart an einer Spritzmittelvergiftung leiden. Wie viele Schicksale wirklich auf das Konto der Pestizide gehen, weiß niemand.

Chenet hatte sich im Jahr 2004 vergiftet, als er sich versehentlich ohne Atemschutz den giftigen Nebeln aussetzte. Direkt ins Krankenhaus eingeliefert, fiel er ein erstes Mal ins Koma. Schädigungen am Nervensystem und den Nieren sowie ein aggressiver Blutkrebs waren die Folgen, an denen er schließlich starb.


Ohne Mundschutz lebensgefährlich: Ausbringen von Pestiziden im Weinberg (Foto: E. Supp)

Dass diese Art von Pestizidvergiftungen ebenso wie die immer wieder bekannt gewordenen Fälle von Pestizidrückständen in Weinen ausgerechnet in Frankreich so gehäuft auftreten, ist dabei kein Zufall: Obwohl das Land mit seinen 24,5 Mio. ha (Deutschland 16,9 Mio. ha, Zahlen von 2007, Quelle APCA) nur über etwa 16 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (440 Mio. ha) der 27er-EU verfügt, wird hier fast ein Drittel der jährlich in Europa ausgebrachten 220.000 to Pestizide gesprüht, also mehr als doppelt so viel pro Hektar wie im Durchschnitt der übrigen EU-Länder.

Auch wenn es Liebhabern der französischen (kulinarischen) Lebensart nicht passen mag, muss man sich angesichts dieser wirklich skandalösen Zahlen ernsthaft die Frage stellen, ob man französische Produkte, die nicht aus biologischer Landwirtschaft oder dem Bioweinbau stammen, überhaupt noch kaufen kann.

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