WorldWine Blog

01. Juni 2013

Malle sozial - ein Weinprojekt

von Eckhard Supp - Ich habe auf diesen Seiten wiederholt über soziale Projekte in der Weinbranche geschrieben, über die Fundis in Südafrika beispielsweise oder über Weine, die in Sizilien auf beschlagnahmten Mafia-Ländereien entstehen, aber auch über die sozialen Probleme, mit denen die südafrikanische Weinwirtschaft kämpft. Da lag es nahe, auch über eine Initiative zu berichten, auf die ich dieser Tage in den Social Media - ich glaube, es war Google + - stieß, Mallorcas Finca e Sympatico. 


Mallorca, eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Nicht alles hier ist Ballermann, wie das Projekt der Finca el Sympatico beweist. (Foto: E. Supp)

"Wir schaffen eine Umgebung, weit ab von ihrem gewohnten Umfeld, in der Jugendliche unter fachmännischer Anleitung strukturiertes Arbeiten lernen und gleichzeitig Spaß dabei entwickeln, neue Perspektiven schaffen und gleichzeitig ihr Selbstvertrauen stärken" und "... sprechen wir deutsche Jugendliche an, die aus sozial schwachen Familien kommen," stand in dem kleinen Prospekt zu lesen, den man mir auf Nachfrage zuschickte.

Sympatisch klang das allemal - so sympatisch mindestens, wie der Name des Landguts, das die Initiatoren, die Sozialwirting Anja Müller und ihr Partner Dieter Wiebking, gelernter Schlosser und Erzeuger von Wein auf einem ca. 5 ha großen Weingut auf der Ferieninsel. Für ihre Initiative suchen die beiden derzeit Investoren, denen sie ein ungewöhnliches Beteiligungsmodell vorschlagen. Wer eine bestimmte Summe zur Verfügung stellt - die Spanne reicht von einmalig 500,00 bis 10.000,00 Euro - erhält im Gegenzug zehn Jahre lang zwischen 10 und 240 Flaschen der Weine, die im Rahmen des Projekts erzeugt werden sollen. Minutiös wird die Verwendung der erwünschten Investitionen aufgelistet: Ausgaben für weiteren Landkauf, für den Bau von mehr Unterbringungsmöglichkeiten für die Jugendlichen, für das Auspflanzen weiterer Reben, den Kauf von Unterrichtsmaterial und schließlich Kosten für die Unterbringung der Jugendlichen selbst stehen auf der Liste.

Insgesamt werden ca. 100.000 bis 150.000 Euro gesucht, die in den kommenden beiden Jahren fließen sollten. Dass dazu - nimmt man den Anspruch der Initiatoren Ernst, qualitativ hochwertige Weine erzeugen zu wollen - die derzeit ausgepflanzten 600 Stöcke Cabernet Sauvignon reichen, die 2014 den ersten Wein geben sollen, darf man getrost bezweifeln, und insofern müssten Investoren wohl noch eine Weile auf den "return" ihrer Investition warten. Auch die Frage, ob die Weine wirklich so "hochwertig" sein werden, wie derzeit versprochen, wird noch zu beantworten sein.

Ein wenig unklar ist auch die Frage, wie die Jugendlichen, die in den Genuss eines solchen erzieherischen Auslandsaufenthalts kommen, ausgewählt werden sollen. Auf staatliche Institutionen will man sich offenbar nicht verlassen: "Nicht erst lange Formulare schreiben und dann durch den Staat entscheiden lassen, welcher Jugendliche unterstützt wird und welcher nicht," heißt es im Prospekt in "sympathisch" liberalem Ton, wobei ich auf Nachfrage erfuhr, dass die Kandidaten durch die Kirchen ausgewählt werden sollen. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob mir die Auswahl durch kirchliche Institutionen wirklich sympatischer ist als die durch staatliche, und transparenter dürfte sie auf keinen Fall sein.

Wie dem auch sei: Wer mehr über das Projekt erfahren oder sogar investieren will, findet weitere Informationen auf der Website der Finca: www.fincaelsympatico.es.

Sie können unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

 

Lesen Sie auch:
Schwarz und Weiß: Südafrikas Weinbau im Kreuzfeuer
WorldWine Aktion - Fundi für Südafrika
Wein und Mafia - Nicht nur in Sizilien!


Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.