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30. August 2012

Muss teurer Wein so teuer sein?

von Eckhard Supp - Weinpreise sind unter Weinfreunden eines der leidigsten und meist diskutierten Themen überhaupt. Es reicht, sich die entsprechenden Diskussionen in den sozialen Netzwerken anzuschauen, um zu verstehen, wie viel Leidenschaft dabei meist im Spiel ist. Im Wein liegt Wahrheit? Mag sein, aber in welchem Wein liegt die Wahrheit? In dem für 1,99 EUR oder in dem für 1.500,00? Wie viel müssen die sehr guten, großen Weine der Welt wirklich kosten? 10, 50, 100 Euro? Noch mehr? Und welcher Teil des Preises ist echten Kosten geschuldet, welcher nur ein Resultat von Knappheit und Marketing?

Eine interessante Betrachtung zu dieser Frage hat thedrinksbusiness.com dieser Tage veröffentlicht. In seinem Artikel referiert Patrick Schmitt die Rechnungen von Jean-Michel Valette, MW, dem Chef der Online-Weinhandelsfirma Vinfolio. Der hatte sich bei einem Vortrag in Wien mit dem Vorurteil auseinandergesetzt, Sauternes sei der Wein mit den höchsten Produktionskosten in Bordeaux. Stimmt nicht, behauptete Valette und lieferte auch gleich die Begründung. Nach Aufrechnung der Kapitalosten für das Land, der Kosten für die Arbeit in Weinberg und Keller sowie der Kosten für Abfüllung bzw. Ausstattung, und unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Hektarerträge ergab sich für einen Spitzen-Sauternes ein Gestehungspreis von 17 EUR pro Flasche, für einen zum Vergleich herangezogenen Topwein aus Pauillac dagegen die Summe von 29 EUR pro Flasche.


Die Weine von der Route des Châteaux zwischen St. Julien und Pauillac im Bordeauxgebiet (hier Château Pichon Comtesse de Lalande) gehören zu den teuersten der Welt. (Foto E. Supp)

Den Großteil dieses Unterschieds sah Valette in den unterschiedlichen Preisen für Weinbergsland begründet, die in Pauillac bei 1,8 Mio EUR / ha, in Sauternes dagegen nur bei 300.000 EUR lägen. Nun soll uns an dieser Stelle gar nicht interessieren, ob der Vergleich richtig gerechnet wurde oder ob es vielleicht andernorts Weine mit noch höheren Produktionskosten gibt. Interessant sind viel eher die absoluten Zahlen, die das weit verbreitete Vorurteil demontieren, auch die großen Weine der Welt kosteten in der Produktion nur wenig mehr als die billigen Massenweine, allenfalls könne man etwa 10 EUR pro Flasche an Produktionskosten ansetzen, ein solcher Wein dürfe dann selbst unter Berücksichtigung von Marketingausgaben eigentlich nicht über 20 oder 25 EUR kosten, und was darüber liege sei rein spekulativ oder exzessiver Liebhaberei geschuldet.


Kühle Morgennebel sind das Geheimnis der Süßweine von Sauteres (Foto: E. Supp)

Rechnet man zu diesen Produktionskosten noch Marketing, Vertrieb, Transport, Gewinnmargen von Erzeuger und Handel hinzu, dürfte auch dem in Wirtschaftsfragen Unbedarftesten schnell klar werden, dass solche Weine kaum zu Preisen unter 100 EUR die Flasche beim Endverbraucher ankommen können. Bei noch teureren Weinen kommen natürlich noch weitere Faktoren hinzu, die den Preis treiben: die außergewöhnliche geschmackliche Qualität, das besonders geschickte Marketing, der Kultstatus, die Knappheit. Wobei es zwischen diesen Faktoren und dem Basispreis natürlich eine Rückkopplung gibt. Ein Weinberg, ein Château, das einen dieser besonders begehrten Weine hervorbringt, steigt natürlich auch in seinem Verkaufswert, der Grund und Boden wird teurer, ergo werden auch die Produktionskosten höher, wenn man sie wirklich realistisch berechnet.

Aber, so fragt der normale Konsument instinktiv, sind so teure Weine wirklich besser? Kann man den Unterschied tatsächlich schmecken? Und gibt es nicht auch billige Weine, die genauso gut sind, wie die großen Namen? Nun, wenn es denn möglich wäre, große Weine zu kleinen Kosten zu erzeugen, dann müssten die Erzeuger solcher Gewächse mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie ihr Geld bei der Produktion sinnlos aus dem Fenster würfen, anstatt eine höhere Gewinnmarge einzustreichen. Man kann also getrost davon ausgehen, dass sich die höheren Gestehungskosten tatsächlich auch in höherer Qualität niederschlagen. Alles andere wäre Magie, nicht Ökonomie. Und, wenn ich das aus meiner fast vierzigjährigen Erfahrung so resümieren darf, auch der unerfahrenste Konsument wird, selbst wenn man ihm das Etikett des Weines nicht zeigt, in der Regel - Ausnahmen bestätigen die, wie immer - auch die höhere Qualität erkennen, wenn er dem Wein ein wenig Aufmerksamkeit schenkt und ihn nicht als Durstlöscher runterkippt.

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solange für Kultweine die

solange für Kultweine die allzu hohen Preise bezahlt werden rechnet sich das für die Produzenten, gerade auch bei Bordeauxweinen mit Kultstatus konnte man den stetigen Anstieg seit 1997 in utopische Höhen beobachten. Es gibt aber für alles ein Ende und eine Schmerzgrenze auch bei eingeschworenen Bordeauxliebhabern und mittlerweile merkt man auch das sich viele Weinshops von solchen Kultweinen verabschieden, weil die Nachfrage weg ist. Ich bin überzeugt das es Bordeauxweine für 30 EURO gibt, die einem für 150 EURO in nichts nachstehen, die muß man suchen und finden und Kult will und muß bezahlt werden möchte man einen Kultwein erstehen. Die Rechnung der hohen Preise geht nicht mehr lange auf, es wird die nächsten Jahre noch drastische Preissenkungen für Bordeaux Kultweine geben, die Chinesen und Russen machen dieses Spiel auch nicht mehr lange mit.

Die Behauptung, dass es

Die Behauptung, dass es Bordeauxweine für 30 Euro gäbe, die "einem" für 150 in Nichts nachstehen, halte ich für mehr als gewagt. Ich habe doch eine ganze Reihe Bordeaux verkostet, und vielleicht sogar den einen oder anderen zu 30 Euro, der besser als Rest seiner Preisklasse ist. Natürlich auch den einen oder anderen, der seinen hohen Preis nicht wert ist - ich halte z. B. nicht wirklich viel von Le Pin, wie man in meinen Verkostungsnotizen nachlesen kann -, aber in dieser Form verallgemeinert, ist ein solches Urteil recht fahrlässig und spricht nicht für seinen Autor.

Muss teurer Wein teuer sein?

Muss teurer Wein teuer sein? Nee, sicher nicht, wenn man auf die Produktionskosten schaut. Also jedenfalls dann nicht, wenn wir teuer mal als das definieren, was ein Premier Grand Cru Classe aus dem Bordelais so kostet. Die Frage ist aber: Darf guter Wein so teuer sein? Ja, darf er. Solange man nicht zum Kauf gezwungen wird, ists Marktwirtschaft. Außerdem: Viel schlimmer als guten teuren Wein finde ich schlechten teuren Wein.

Eckhard Supp , da empfehle

Eckhard Supp , da empfehle ich doch mal den Wein" La Croix" vom Château Lalande de Gravelongue aus dem Medoc, da wird man kaum glauben(Blindverkostung) das die Flasche 30 EURO kostet, ist eben kein Kultwein aber Grand Cru Classe Niveau. Danach bin ich dann mal gespannt ob das was ich bereits geschrieben habe, nicht zutreffend ist.

s. o.

s. o.

Ist nicht schwer einen Wein

Ist nicht schwer einen Wein für 150 Euro zu finden, der von einem Wein für 30 Euro geschlagen werden kann. Ist aber auch nicht schwer, einen Wein für 150 Euro zu finden, der von keinem Wein für 30 Euro geschlagen werden kann. So einfach ist das!

Exakt!

Exakt!

sehr philosophisch ;-)

sehr philosophisch ;-) Chapeau !

‎1.) bin ich kein Weinkenner.

‎1.) bin ich kein Weinkenner. 2.) mir schmeckt der Spätburgunder Weißherbst von aldi süd für 1,99 € gut. 3.) ich lebe in der Türkei. hätte evtl. jemand ein Link auf wirklich gute Weinproduzenten? 4.) danke für diese Hintergrundinformationen

War dieses Jahr in Istanbul

War dieses Jahr in Istanbul bei einer großartigen Weinverkostung.
Hier einige empfehlenswerte LINKS türkischer Weinproduzenten:
Chateau Kalpak, www.kalpak.net
Bioweingut Barbare, www.barbarewines.com
Weingut Umurbey, www.umurbeyvineyards.com
Weingut Suvla, www.suvla.com
Weingut Yazgan, www.yazganwine.com
Weingut Likya, www.likyawine.com
Weingut Arcadia, www.arcadiavineyards.com
Chateau Kalecik, www.satokalecik.com.tr

Danke für diese Infos, das

Danke für diese Infos, das ist wirklich eine beeindruckende Liste, wie ich sie bisher nicht mal von der türkischen Weinwerbung - trotz großartiger Versprechen bei einem Treffen mit deren Chef in Georgien - bekommen konnte.

... würde allerdings auch

... würde allerdings auch Corvus Vineyards hinzufügen wollen:

www.corvus.com.tr

Weinverkostung zum Zwecke des

Weinverkostung zum Zwecke des Vergleichs ist ohne Blindprobe absolut sinnfrei! Ich wette, dass keiner den Unterschied aus 100 Flachen zwischen 30 Euro-Weinen und 150 Euro Weinen mit Trefferquoten, die überzufällig sind erreichen kann. Ferner ist davon auszugehen, dass sich im überschaubaren Kreis der zertifizierenden Weinbeurteiler über die Jahre eine Dominanz bestimmter "Geschmacksrichtungen" ergeben hat. Weinbauern werden geneigt sein, diese "Vorgabe" nachzudesignen - der Spitzenwein ist längst zu einem Kunstprodukt ohne reale Bezüge geworden, wie wir es vom Kunstmarkt kennen. Ein Van-Gough von dem keiner weiß, dass er einer ist, wird nicht mit der gleichen Leidenschaft betrachtet, wie ein echter. Psychologie meine Herrn...Psychologie...!

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