WorldWine Blog

05. Dezember 2013

Noch ein Führer. Na und?

von Eckhard Supp - Im Vorfeld bereits kontrovers diskutiert, ist das jüngste Falstaff-Projekt jetzt auf dem Markt: der Wein Guide Deutschland 2014. Nein, bescheiden ist man in Wien nicht. Gott bewahre! Hans Mahr, sicher einer der renommiertesten und kompetentesten Herausgeber von Weinpublikationen weltweit, gibt sich denn auch selbstsicher: "Daher war es höchste Zeit, dass der Falstaff als führendes Weinmagazin den deutschen Wein ... unter die Lupe nimmt und einen Guide zusammenstellt, in dem man tatsächlich alles Wissenswerte über Deutschland und seine Weine erfährt."

"Höchste Zeit ..."? "Führendes Weinmagazin ..."? Nun, zumindest behauptet Mahr nicht, der Falstaff sei Deutschlands führendes Weinmagazin. Sonst hätte ihn wahrscheinlich auch ganz Deutschland nur ausgelacht. Aber sonst? "Führendes Weinmagazin" ...? Im deutschsprachigen Raum, in Europa, weltweit? Das bleibt offen. Immerhin lernen wir, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, maßlose Angeberei sei eine Zierde. Wieder was gelernt!

Dabei glänzt der Falstaff Wein Guide zunächst einmal durch seinen doch recht bescheidenen Umfang. Gerade mal 1.000 Weine haben seine Juroren - allesamt Sommeliers, Weinhändler oder PR-Leute mit ihrem sattsam bekannten Rucksack an Interessenkonflikten - verkostet, sagenhafte 300 Weingüter werden im Guide erwähnt. Ich nehme zum Vergleich nur mal eine der jüngeren Ausgaben des Gault Millau zur Hand, auf dessen Umschlag von 12.000 verkosteten Weinen und 938 beschriebenen Weingütern die Rede ist. Und Eichelmann kann mit ähnlichen Zahlen überzeugen. Das sieht zumindest schon mal deutlich gründlicher und umfassender aus. Es sieht nach Wein Guide aus, nicht nach heißer Luft. Aber sei's drum!

Auffällig ist schon beim ersten Durchblättern, dass vielleicht die Weine von 300 Weingütern verkostet wurden, dass aber nicht einmal die Hälfte dieser Güter tatsächlich einen eigenen Eintrag mit ausführlicher, textlicher Würdigung und weiteren bewerteten Weinen bekommen hat. In Baden werden von 38 Gütern jeweils 2 Weine bewertet, aber nur von 15 dieser 38 Betriebe bekommt der Leser mehr als diese 2 Weine geliefert, nur 15 werden etwas ausführlicher portraitiert.

Die, die da portraitiert werden, sind auch beileibe nicht die besten oder wichtigsten. Bleiben wir bei Baden: Hier finden wir zwar eine ausführliche Würdigung von Blankenhorn, dessen beste Weine 90 bzw. 89 Punkte bekommen, aber keine von Huber, Bercher oder Duijn, deren beste Weine 92, 93 und 94 Punkte erzielen. Das Geheimnis? Wer einen eigenen Textbeitrag im Falstaff Wein Guide wollte, musste dafür löhnen - dem Vernehmen nach 500 Euro. Dass diese Tatsache im Guide selbst nicht erklärt wird - jedenfalls habe ich keine solche Stelle gefunden -, macht diesen nicht eben glaubwürdiger. Alles also nur eine kommerzielle Operation, mit dem Ziel Erzeuger (und Anzeigenkunden) ein wenig zu schröpfen? Wenn ich mal überschlägig nachrechne, braucht Falstaff diesen Guide gar nicht mehr zu verkaufen. Die Gelder, die man schon im Vorfeld abgeschöpft hat, dürften dem Verleger auch ohne einen einzigen Verkauf ein sattes Sümmchen garantieren.

Much adoo about nothing, also? Oder ist der Falstaff Guide wenigstens origineller als seine Konkurrenten? Auch hier aber weit gefehlt: Auch dieser Guide bringt nur die sattsam bekannten Namen, die in allen anderen Weinführern hoch bewertet werden. Meyer-Näkel und Stodden an der Ahr? Wie überraschend! Egon Müller, J. J. Prüm, von Hövel an der Mosel? Nicht zu glauben! Nur 94 Punkte für Weil im Rheingau? Skandal, Skandal! Und die Neuentdeckungen? Mit Ausnahme von ein oder zwei Namen, die ich noch nicht kannte - was aber nichts heißen muss -, auch hier Fehlanzeige! Langeweile pur!

Der langen Rede kurzer Sinn: Wer für dieses großmäulige Konvolut 19,90 EUR ausgibt, ist wirklich selbst dran schuld. Punkt!


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