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11. Februar 2012

Quo vadis, Austria?

von Eckhard Supp - Heftig, teilweise sogar sehr heftig waren die Angriffe, und manch einer hatte sogar persönliche Motive und eine Schmutzkampagne unterstellt. Was war geschehen? Der Hamburger Weinjournalist Mario Scheuermann und ich selbst hatten im Juli vergangenen Jahres im Rahmen zweier unterschiedlicher Betrachtungen (Schwere Zeiten für Veltliner & Co. und Weinimport: Deutschland sortiert sich neu) die österreichischen Exportzahlen unter die Lupe genommen und festgehalten, dass der deutsche Markt, traditionell der mit großem Abstand wichtigste für die Winzer von Donau und Neusiedlersee, regelrecht zusammengebrochen war.

Jüngste Äußerungen des Chefs der Österreich Wein Marketing, Willi Klinger, lassen jetzt aber vermuten, dass Scheuermann und ich selbst mit unserer Interpretation der Zahlen näher bei der Wahrheit waren als die lautstarken Kritiker, und dass in sich diese Erkenntnis selbst auch in Österreich langsam durchsetzt. Klinger soll laut drinksbusiness.com erklärt haben, auf dem britischen Markt in Zukunft verstärkt untere Preissegmente attackieren zu wollen, da ihm der dortige Durchschnittspreis für österreichischen Wein von 7.50 £ zu hoch erscheine.

"Wir haben auch in den unteren Preisschienen etwas zu bieten und müssen es (den Zugang zu österreichischem Wein, E. S.) dem Verbraucher leichter machen", wird Klinger zitiert, was auf seiten der Berichterstatter, die nicht ganz zu Unrecht feststellen, dass andere Weinmarketing-Organisationen der Welt eigentlich immer mehr daran interessiert seien, ihre Weine in höherpreisigen Segmenten zu positionieren, zu einigem Erstaunen führte.

Was also führt Klinger jetzt dazu, so deutlich und klar die unteren Preissegmente ausgerechnet auf dem britischen Markt ins Visier zu nehmen, der nach Aussagen der meisten Marktteilnehmer und -beobachter in den letzten Jahren zu einer (Preis)Hölle geworden ist, gegen den der preisbewusste deutsche Markt schon fast wieder paradiesisch wirkt. Ich kann mir diese Stellungnahme nur so erklären, dass die Verluste auf dem deutschen Markt - sie betrafen vor allem, aber nicht nur, das Preiseinstiegssegment und den Fassweinmarkt - wohl doch nicht so unproblematisch für Österreichs Exporte waren und sind, wie man es uns in den letzten eineinhalb Jahren (und heute noch) glauben machen wollte und will. Die Einbrüche hierzulande seien ausschließlich den geringen Erntemengen von 2010 geschuldet und man sei sich sicher, dass der deutsche Markt die gewohnten Volumina wieder abnehmen könne, sobald die Erntemengen wieder Normalniveau erreichten, lautete das Standardargument.

Nun ignorierte diese Erklärung nicht nur die Tatsache, dass die Exporteinbrüche in Richtung Deutschland schon Monate vor dem Einbringen des mengenschwachen Jahrgangs 2010 eingesetzt hatten. Sie musste auch deshalb blauäugig erscheinen, weil einmal verlorene Marktanteile im Preiseinstiegsbereich ja nicht quasi freigehalten werden, bis die Österreicher wieder Lust oder Mengen haben, das Segment ausreichend zu bedienen, sondern dass die Positionen von anderen Lieferanten besetzt wurden. Es kann keine leichte Aufgabe sein, diese Konkurrenten wieder zu verdrängen, wenn die Mengen sich wieder im Normalbereich eingependelt haben.

Vor allem aber beantwortet das Argument die Frage nicht, was denn aus den WeinQUALITÄTEN geworden ist, die einst das Preiseinstiegssegment in Deutschland bedienten. Dass in einem mengenschwachen Jahr die unterste Qualitätsschiene, die zuvor dieses Segment bediente, einfach nicht mehr produziert worden sei, wird wohl niemand mit auch nur einem Funken Verstand behaupten wollen. Das hieße also, dass die einfachen Qualitäten - von Plörre wollen wir einmal fairerweise hier gar nicht sprechen - zwischenzeitlich in höherpreisigen Marktsegmenten gelandet sind, was auch nicht unbedingt ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell sein kann, da es riskiert, diese Segmente mittelfristig auch noch zu beschädigen.

Tatsache ist, dass in bestimmten, für den deutschen Markt essenzielle Vertriebsschienen auch heute noch kaum österreichische Weine zu finden sind. Weder im Discount, noch im LEH findet man selbst bei Sortimenten von 100, 150 Etiketten heutzutage mehr als nur ein, zwei oder drei österreichische Weine, wie ich selbst bei Storechecks in Hamburg feststellen konnte.

Und so wirken die jüngsten Äußerungen Klingers auch eher so, als habe man die Situation auf dem deutschen Markt nun doch zur Kenntnis genommen und versuche, die zu erwartenden Mengen aus der Ernte 2011 eben auf anderen Märkten unterzubringen. Unter anderem im Preiseinstiegssegment. Die Situation für den österreichischen Wein ist vielleicht doch wesentlich schwieriger, als es die ÖWM glauben machen möchte. Das bestätigen auch die Eindrücke vom US-Markt, die Falstaff-Chefredakteurs Peter Moser kürzlich auf Facebook schilderte.

Wenn die Österreicher Recht hätten, müsste die deutsche Markt spätestens mit den Zahlen dieses Jahresanfangs wieder die Werte von vor 2010 darstellen. Das wird man dann spätestens auf der VieVinum im Juni feststellen können - eine Gelegenheit bei der wir der gesamten Problematik auch weiter nachgehen.

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Sehr geehrter Hr Supp, Bin

Sehr geehrter Hr Supp,

Bin ein Kleinstwinzer in Österreich, relativ neu im Markt, da ich erst seit 3 Jahren österr. Wein produziere.
Bin aber seit 15 jahren als Lektor für die Weinakademie Österreich und auch als Lektor für die österr. Wein Marketing tätig, vor allem in Deutschland. Bitte aber diese Stellungnahme als persönliche Stellungnahme als Kleinstwinzer mit Export zu sehen die in keinster Weise in verbindugn mit meiner externen Tätigkeit bei der österr. Weinmarketing Gmbh bzw. Weinakademie steht.
Eigentlich möchte ich mich in diese vermarktungstechn. Dinge auch nicht wirklich einmischen aber es reizt mich doch ein paar Dinge anzumerken, da ich ja selbst stark im Export tätig bin und auch in der Menge nicht mehr ganz klein bin.
Ja, es stimmt sicherlich, dass wir einen Einbruch hatten der schon 2010 begonnen hat.
Aber zu dieser Zeit war ich schon im Geschäft- auch mit Traubenzukauf- und 2009 war die Erntemenge auch nicht wirklich sehr groß.
So ist es nicht verwunderlich, dass wir gemessen am 2008er Jahrgang einen Einbruch hatten der schon 2010 sichtbar geworden ist.
Da führt kein Weg daran vorbei: Kleinere Erntemenge- höhere Traubenpreise.
Wenn ich dies richtig in Erinnerung habe so wurde noch ein 2008er Grüner Veltliner Kamptal Dac bei Aldi? um 2,99 € angeboten. Dies war mit dem 2009er, ganz zu schweigen vom 2010, nicht möglich und wird auch beim 2011er nicht passieren.
Klar verkaufen sich hier im Discount oder generell im LEH große Mengen und wenn dann diese Angebote nicht möglich sind wird man Mengenanteile verlieren.
Was die Aussage betrifft, die einfacheren Weine 2010 (vor allem Grüner Veltliner) wurden in höherpreisigen Weinen "versteckt" so kann ich von meine subjektiven Sicht nur sagen, dass schon aufgrund des extrem geringen Ertrages die Durchschnittsqualität sehr hoch warö
Klingt wie ein "Werbeschmäh" um etwas "österreichisch" zu bleiben aber jeder der in der Weinproduktion tätig ist weiss was ich hier meine.
Die Extraktwerte waren unglaublich hoch in 2010 und generell gab es aufgrund des kühlen Jahrganges einen niedrigen ph und somit sehr wenige Fehltöne und Probleme. Ausgenommen die Alkoholwerte waren niedrig und die Säure wurde korrigiert. Ich kann Ihnen aber trotzdem reinen Gewissens und ohne hier zu übertreiben sagen, dass ein Jahr wie 2010 qualitativ- in der Breite- zumindest bei Grünem Veltliner ein Jahr ist, welches sich viele Winzer wieder wünschen würden. Natürlich nicht auf die Menge bezogen.
Also bleibt meine subjektive Einschätzung als Winzer, dass 2010 gar nicht so schlecht war und die sogenannten "einfachen Qualitäten" wohl sogar etwas besser waren?? als in den warmen Jahrgängen.
Zudem bleibt immer die Frage was ist einfache Qualität?
Wenn Sie davon ausgehen- und dies sehe ich auch in einem intern. Zusammenhang- das wir selbst bei Tafelwein (nunmehr Wein ohne Herkunft...usw) eine ha- Höchstertragsgrenze von 9000 kg oder 6750 Liter haben wenn wir die Sorte auf das Etikett schreiben möchten dann glaube ich doch, dass wir im Schnitt nicht so schlechte Weine erzeugen, wenngleich die Menge nicht immer der ganz entscheidende und alleinige Faktor ist.
Und fragen Sie einen Einkäufer ob er selbst bei einer Literware akzeptiert, dass Grüner Veltliner und der Jahrgang unbenannt bleiben?
Das ist dann eine echte Herausforderung für uns Winzer, günstig zu produzieren mit geringen ha Erträgen.
Und wie sollen wir da z.B. mit den Kollegen aus Spanien mithalten können?
In La Mancha kann ich jerderzeit einen sauberen Liter Verdejo- noch dazu eine fruchtige und somit beim Konsumenten beliebte Sorte- um 0,6 Cent einkaufen und selbst wenn ich um 0,8 Cent einkaufe schaffe ich einen Produktionspreis von unter 1 € wenn ich billig bei einer Coop. in Spanien fülle.
Daher auch hier die Frage, ob wir überhaupt mithalten wollen?
Was soll das für ein Geschäft sein, wenn es keinen Gewinn gibt?
diese Frage ist die zentrale Frage. Sollen wir wirklich Menge machen und weiterhin billigste Trauben produzieren?

Was also die Zukunft des österr. Weines auf den intern Märkten betrifft.
Natürlich wäre es schön, wenn wir auch die Discounter in allen wichtigen Märkten bedienen könnten.
Als Produzent muss man hier aber auch einmal ganz offen über die Preise sprechen und die Sinnfrage stellen, ob es überhaupt lohnend ist, sich in einen Billigschiene zu begeben.
Nehmen wir einen Preis von 2,49 bis 2,99 € Endverbraucher an.
Derzeit sind die Traubenpreise bei 1 bis 1,2 € pro kg/Grüner Veltliner, wohlgemerkt gute Trauben. Die Weinpreise pro Liter bewegen sich dann bei 1,5 bis 1,7 €
Nur wirklich einfachste Trauben sind in Liter gemessen klar unter 1 € zu haben.
Wenn man Abfüllkosten von 0,18 bis 0,2 im Schnitt als Basis nimmt, 0,08 für den Schraubverschluss, 0,06 bis 0,1 für ein gutes Etikett, 0,04 bis 0,06 für den Karton usw dann sieht man schnell, dass man unter 1,50 bis 2 € keine Flasche produzieren kann.
Dies ist aber schon eine Kalkulation auf Basis eine großen Betriebes.
Ganz zu schweigen also von der Kalkulation die ein mittelgroßes Weingut in Österreich hat.

Wenn nun solche günstigen? Weine am Markt verkauft stellt sich die Frage, wer nun daran verdient?
Und eines ist für mich als Produzent ganz sicher. Der Winzer, der das ganze Jahr im Weingarten arbeitet, sicher nicht.
Nur der Abfüller, Zwischenhändler und natürlich der Verkäufer der fertigen Ware.
Das ist auch der Grund, warum die Anzahl der Betriebe in Österreich seit 10 Jahren stark zurückgegangen ist.
Und hier bleibt dann die Sinnhaftigkeit einer Produktion auf der Strecke wenn man überlegt, Marktanteile zurückzuholen bzw im günstigen Segment zu verkaufen.
Warum sollte irgendein Gewerbetreibender auf Dauer versuchen, kein Einkommen zu erzielen?
Macht es Sinn, auf Dauer defizitär zu arbeiten?
Hier bin ich dann ganz bei Willi Klinger in der Grundpositionierung, der möchte, dass der Durchschnittspreis der vermarkteten Weine hoch ist, was für einen Kleinstproduzenten wie Österreich die einzige sinnvolle Lösung ist.

Wie immer die Sache ausgeht, es gibt Exportmärkte wo unser Wein gefragt ist und wenn wir uns bemühen auch wirklich immer gute Qualitäten zu einem fairen Preis anzubieten, dann bin ich zuversichtlich, dass es dem österr. Wein auch in Zukunft gut gehen wird.
Aber man muss auch lernen auf eine Listung zu verzichten, wenn man die notwendigen Margen nicht bekommen kann.
Und ich möchte keine span. Verhältnisse in Österreich haben. (habe 10 Jahre in Spanien Wein gemacht)
Man kann sich ansehen wie die Großproduzenten die kleinen Bauern, selbst in einem Prestigegebiet wie Rioja, unter Druck setzen. Große Menge, große Bekanntheit, sehr guter Ruf usw. Aber wo verdienen die Traubenbauern dort wirklich Geld wenn Rioja unter 1,3 € an den Discount verkauft wird?
Ich konnte kürzlich nicht mal mit einem Preis von 1,28 € für einen suaberen Joven eine Listung erzielen. Und dies obwohl ich dies als Freundschaftsdienst gemacht habe und keinen Cent Kommission genommen hätte. Und es ging hier auch nur um 30.000 Fl. Ganz ehrlich, tun mir hier die Kollegen in der Rioja die die Trauben produzieren leid.

Meine Stellungnahme ist etwas länger gworden als gedacht- tut mir leid- und ich bin froh, wenn sich jemand offen und analytisch mit der Situation auseinandersetzt.
Denke aber, dass man die Dinge nach zwei mengenmäßig schwachen Jahrgängen 2009/2010 nehmen muss wie sie sind und das ist halt dann auch ein Minus in den günstigen Vertriebsschienen.
Die Frage wird sein, wie unsere Positionierung für die Zukunft aussieht und ob es möglich sein wird, in Zukunft sein Auskommen mit Weinanbau zu finden.
Eines ist in einem schwierigen Umfeld aber sicher. Einfach "ins Blaue" zu produzieren wird nicht funktionieren.

Mit besten Grüßen
Ferdinand Mayr

Lieber Herr Mayr, danke für

Lieber Herr Mayr,

danke für Ihre Bemerkungen, die ich sehr informativ und auch wichtig finde. Leider sind die offiziellen Stellungnahmen seit geraumer Zeit weder so detailliert noch so fundiert wie Ihre.

Natürlich haben Sie und Willi Klinger Recht, dass es wünschenswert wäre, wenn Österreich generell seine Weine in höheren Preisschienen vermarkten könnte, und ich gehöre zu denen, die das bereits seit mehr als 20 Jahren schreiben. Fragen Sie einfach mal diejenigen Ihrer Winzerkollegen, die mich besser kennen, die werden Ihnen das bestätigen können. Aber zwischen Wollen und Können klafft, wie so oft, doch eine mal kleine, mal große Lücke, und die Exportparameter der österreichischen Weins in den letzten 20 Jahren waren AUCH von dieser Lücke geprägt.

Ich bin natürlich kein Prophet, und so habe ich mir in diesem Artikel wie schon in den letzten beiden Jahren mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben. Die grundsätzlichste der Fragen, auf die auch Sie ausführlich eingehen, lautet: Was passiert, wenn Österreich wieder normale Jahrgänge produziert - normal hinsichtlich der Mengen und der Verteilung von sehr guten und weniger guten Qualitäten. Werden die Märkte die Weine dann wieder aufnehmen? Und wenn - zu welchem Preis?

Grundsätzlich glaube ich eher, dass eine Veränderung der Markt-/Preisstrukturen in dem von Ihnen skizzierten Sinne nicht die Folge einer ein-, zwei- oder dreijährigen geringeren Erntemenge sein kann. Ich bin nicht einmal sicher, ob Letzteres wirklich in der richtigen (von Ihnen gewünschten) Richtung wirkt. Ich könnte mir durchaus Szenarien vorstellen, die genau den gegenteiligen Effekt haben.

Es gab in der jüngeren Geschichte unzählige Beispiele von Ländern und Regionen, die irgendwann entschieden haben, dass der deutsche "Billigmarkt" für sie weniger interessant war, und sie sich lieber in Richtung profitablerer Länder orientieren wollten. Absolut verständlich, aber ich kenne kein einziges Beispiel, in dem diese Entscheidung mittel- und langfristig zu wirklich zufriedenstellenden Ergebnissen geführt hätte.

Sehr geehrter Hr Supp, Zuerst

Sehr geehrter Hr Supp,

Zuerst entschuldige ich mich für die vielen Tippfehler die wie Rechtschreibfehler aussehen. Ist mir peinlich, aber ich habe wohl zu wenig kontrolliert.

Zwei Kernaussagen in Ihrer Antwort die wirklich interessant sind und auf die ich noch kurz (das ist jetzt eine Gewohnheitslüge, da ich niemals kurz bin in meinen Ausführungen, tut mir leid) eingehen möchte, wenn Sie erlauben.
Erstens: Was passiert, wenn Österreich wieder eine normale Ernte einfährt?
Das werden wir 2012 sehen, ist meine Antwort, aber bisher haben sich die Trauben- und Weinpreise nicht wirklich stark verringert.
Und ich bringe Ihnen noch eine Aussage eines Kollegen zur Kenntnis mit dem ich zusammenarbeite und der Ende letzten Jahres meinte: "Wenn es mit den Traubenpreisen so weitergeht wie in den letzten 10 Jahren, dann werde ich mein Winzerleben an den Nagel hängen und im landwirtschaftlichen Bereich andere Dinge verstärkt anbauen"
Daher glaube ich nicht, dass wir bei einer Normalernte in den Billigstbereich zurückkehren sollten und müssen.
Es bleibt für mich dabei, dass wenn einfachste Trauben und Weine nicht kostendeckend verkauft werden können, diese bitte nicht produziert werden sollten. Ja, ich weiss, ein Langzeitprojekt, aber unumgänglich.
Sehen Sie sich das Beispiel Australien an. Zuviel Menge, schlechte Preise, keine Kostendeckung usw.
Nein, tut mir leid für manche Kollegen und für Händler von günstigen Weinen, aber auch ein Winzer muss!!! betriebswirtschaftlich denken und handeln.

Und damit zum zweiten Punkt, ob wir denn nicht auf Deutschland verzichten können oder gar wollen und ob dies langfristig erfolgreich sein sollte.
Ob Bordeaux langfristig die höheren Preise der Topweine am chinesischen Markt halten kann wird man sehen, da ja die Auktionspreise schon nach unten gehen. Aber ich behaupte, dass es immer noch einen gewaltigen positiven finanziellen Effekt gab und geben wird, seitdem Bordeaux viele seiner Weine nach China verkauft. Burgund wird folgen und tut dies schon und die Preise werden unweigerlich steigen.
Ja, jeder Vergleich hinkt aber hier wäre ein Beispiel einer Region, die mit der Verlagerung in der Vermarktung nicht so schlecht gefahren ist.
Obwohl- und das ist ja etwas, was wir in Österreich ebenfalls anstreben- es eigentlich ein erobern eines neuen Marktes war, was nicht zwangsweise zum vollständigen Lieferverzicht in bestehenden Märkten führen muss.

Kann Australien auf UK verzichten?
Wohl kaum und man wird dies in keinster Weise andenken, aber wenn man sich die Geschichte dort ansieht so wurde schon Ende der 90er Jahre vieles über BOGOF und andere Aktionen verkauft. Was dann kam, wissen wir alle.
Nunmehr kann man die aktuellen Zahlen von 2011 einsehen und sehr interessant ist hier, dass es ein kleines Mengenminus gab von 2010 auf 2011, aber einen Anstieg im Wert von 0,8%.
Der durchschnittliche Flaschenpreis australischer Weine hat sich um 3,5% verbessert auf 4,71 Pfund und dies ist um 0,1 Pfund mehr als der durchschnittliche Flaschenpreis generell in UK.

Sorry, wenn ich etwas "ausgeholt" habe um zu sagen was ich meine.
Was kann das kleine Österreich daraus lernen?

Ersten: Natürlich können und wollen wir nicht auf den deutschen Markt verzichten, die Frage stellt sich bei uns sowenig wie in Bezug auf Australien und UK.

Zweitens: Wir müssen auch versuchen, in den vorhandenen Märkten unsere Position zu stärken und ich behaupte daher, dass es viele Möglichkeiten gibt, auch außerhalb des LEH oder Discountbereiches, Weine zu vernünftigen kostendeckenden Preisen zu platzieren.
Wie bei Australien von 2010 auf 2011 wird es lohnender sein, etwas an Menge zu verlieren aber im Wert zu gewinnen. Weine um 1,49 € braucht kein Traubenproduzent.

Drittens: Es braucht gezielte Werbung, nicht nachlassendes Qualitätsmanagement und glaubwürdige unkomplizierte Botschaften- wie z.B. klar definierte Herkünfte- ganz grundsätzlich.

Viertens: Ich bekenne mich seit jeher zur Vertriebsschiene LEH und es gibt keinen grundsätzlichen Grund, diese wichtige erfolgreiche Vertiebsschiene als Winzer nicht zu bedienen.

Fünftens: (und das ist für uns Produzenten der wichtigste Punkt)
Aber nicht um jeden Preis. Das kann auf Dauer nicht funktionieren, unabhängig davon wie sich andere Märkte entwickeln.
Ich bin hier auf der Seite der Produzenten und meiner Kollegen.
Auch diese Kollegen haben Kinder und auch diese Kinder wollen studieren und auch diese Kollegen haben das moralische Recht, ein faires Einkommen in einem sicherlich nicht besonders leichten Job- stelle meine Rebschere gerne während der Eiszeit gratis zur Verfügung- zu bekommen.

Und auch wenn es manchmal mit den Preisen schwierig ist schließe ich mit einem Dank an unsere deutschen Vertriebspartner, welche sich oftmals für unsere Weine in sehr positiver Weise einsetzen und ganz sicher auch weiterhin mit guten und günstigen Weinen von uns beliefert werden.
Meine Vertriebspartner bezahlen einen fairen Preis und werden sicherlich niemals durch neue Distributeure ersetzt, sollten diese ein paar Cent mehr bezahlen.

Beste Grüße
Ferdinand Mayr (diesmal hoffentlich mit weniger Fehlern)

Sehr geehrte Damen und Herren

Sehr geehrte Damen und Herren !

Ich glaube Sie ALLE haben ein wenig Recht, Herr Supp weil er auf eine Problematik hinweist ( Rückkehr in den günstigen LEH Markt in Deutschland und Österreich nach möglichen starken Ernten ) und Herr Mayr weil er die gesteigerten Preise und Exporterfolge der Gegenwart sieht. In der Zwischenzeit gab es keine REKORDERNTE 2012 und das nächste Jahr bleibt ab zu warten.
Auch Willi Klinger hat Recht da er aus seiner Sicht der Dinge natürlich die Gesamtheit im Auge haben muss. Es wird auf Exportmärkten immer ein Auf und Ab geben aber in den letzten Jahren entwickelt sich etwas, dass es viele Jahrzehnte nicht gegeben hat es entsteht ein völlig neuer Markt in Asien. ( bis dato war mehr Verdrängung angesagt)

Ich beschäftige mich sehr mit China und verbrachte 2012 mehr als 200 Tage hier. Unser Ö-Wein Export nach China war im Jahr 2000 unter 30.000 Euro und im vergangen Jahr 1.500.000 Euro. Wobei der Anteil in den letzten 4 Jahren verdreifacht wurde.

Hier in Asien entstehen Märkte wie Indien, China, Korea, Singapur etc. die für eine Änderung unserer Exportmärkte sorgen werden.

China wird nach Deutschland als Exportmarkt für Österreich 2017 bereits die Nummer 2 oder max 3 sein.

PROWEIN goes China war kürzlich eine Schlagzeile in vielen Medien. Warum geht eine der besten Messegesellschaften der Welt mit ihrer Weinmesse nach China ( und nicht in die USA oder anderstwo hin) weil die Messe Düsseldorf den Trend bereits erkannt hat.

Ich mache mir keine Sorgen, die Winzer die ihre Hausaufgaben gemacht haben und weiter machen, werden auch mit Einbrüchen auf dem deutschen Märkten und einem Verlust auf dem deutschen LEH Markt weiter leben und vielleicht besser als vorher.

Abgesehen davon belieferte den LEH in Deutschland ohnedies nur LENZ MOSER, die DOMÄNE WACHAU, die WINZER KREMS, PÖTTELSDORF und die WG ANDAU, TOIFL, BAUMGARTNER und eine sehr limitierte Anzahl anderer Betriebe.

Ein Familienbetrieb der bis 300.000 Flaschen produziert hat mit dem deutschen LEH eh nicht viel zu tun. ( in Ö etwas anders)

Ich glaube man darf die Meinung von Hrn Supp auch nicht ausser acht lassen aber bis dahin benötigen wir nicht nur eine sondern 2 oder 3 starke Ernten denn MANN/FRAU darf auch nicht vergessen, dass die Keller leer sind und kaum ein Winzer Vorräte hat und bis dahin werden unsere Exporte nach Asien sehr stark wachsen.

Eines darf man auch nicht ganz vergessen ! es wächst der grösste Weinproduzent der Erde heran -- CHINA -- auch chinesischer Wein wird auf den europäischen Markt drängen.

Daher gut vorbereiten denn die Karten werden neu verteilt !

Lg aus Shanghai

Hermann Mayer

Hallo Herr Mayer, danke für

Hallo Herr Mayer,

danke für Ihren Kommentar. Wir werden sicher alle in zwei, drei Jahren die Dinge noch etwas genauer sehen. Derzeit ist nur festzustellen, dass im deutschen Diskount wieder Weine auf der 2 EUR Schiene auftauchen. Und zwar Weine des Jahrgangs 2011. Wo die wohl plötzlich herkommen, wenn die Billigschiene in Deutschland im letzten Jahr MANGELS MASSE gar nicht beliefert werden konnte? Sehr wichtig ist mir Ihr Hinweis auf China, und zwar nicht als Markt, sondern als zukünftiger Mitbewerber auf den Weltmärkten. Was da auf uns alle zukommt, können wir noch gar nicht richtig einschätzen. Meine Befürchtung ist, dass wir uns da alle bald sehr warm anziehen müssen. Übrigens ein Punkt, an dem ich mich schon seit einigen Jahren so etwas wie der einsame Rufer in der Wüste fühle.

Lieber Hr Dr. Supp, Ich kann

Lieber Hr Dr. Supp,

Ich kann als kleiner Winzer nur sagen was sich auf dem Markt tatsächlich abspielt.
2010 war von der Menge her gesehen sehr schlecht und es hat nicht wirklich viele extrem günstige Weine- immer in Bezug auf Grüner Veltliner- von diesem Jahrgang gegeben. 2011 war eine größere Ernte und nun tauchen offensichtlich Restbestände auf?
Was sich allerdings 2012 zugetragen hat in Bezug auf Traubenpreise habe ich noch nie gesehen und auch von Kollegen wurde mir berichtet, dass man selten so hohe Preise wie in diesem Jahr für Grüner Veltlinertrauben bezahlen musste. Bin also gespannt, wieviele extrem günstige Weine um 2 € und darunter man von diesem Jahrgang in Bezug auf Grüner Veltliner in Deutschland im discount finden wird.
Meinem Namenskollegen Hr Mayer gebe ich Recht, dass China sich ganz sicher sehr stark entwickeln wird, auch wenn ich persönlich bisher noch keine Listung für meine österr. Weine bekommen habe. Bin aber als Lektor mit China befasst, habe schon Händler in China besucht und die Aussagen von Hr Mayer sind für mich sehr nachvollziehbar.

Auch bin ich als Winzer sehr froh, dass Willi Klinger eine vernünftige vielversprechende Gesamtstrategie verfolgt. Und das bedeutet, den österr. Wein so qualitativ hochwertig wie möglich zu vermarkten.
Wie immer dann unsere Chancen stehen wird man von Jahrgang zu Jahrgang und Markt zu Markt beurteilen müssen.
Aber ich bleibe bei meinen früher getätigten Aussagen, dass man unter allen Umständen von der Billigstschiene wegkommen muss.
Wir brauche die kleinen Zulieferbetriebe damit wir gute Trauben für größere Mengen bekommen und damit diese Trauben auch von gut versorgten Weingärten kommen und somit auch wirklich "gute Trauben" sind müssen wir auch etwas dafür bezahlen. Und zwar soviel, dass eine Winzerfamilie davon leben kann.
Alles andere macht keinen Sinn und ich bin hier ganz offen: Ich sehe die extrem tiefen Traubenpreise die noch 2008 bezahlt wurden sogar als unmoralisch an. Das sollte es nie mehr geben.
Dies betrifft aber nicht- und auch hier halte ich mich nicht zurück- schlechte Grundweine, die teilweise sogar schwer fehlerhaft sind. Weine mit schweren Fehlern haben am Markt nichts verloren. Hoffen wir also das Beste und freuen wir uns als österr. Winzer wenn es wirklich guten österr. Qualitätswein auf möglichst vielen Märkten zu kaufen und zu genießen gibt.
Beste Grüße (auch nach Shanghai)
Ferdinand Mayr

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