WorldWine Blog

30. September 2010

Robert Joseph: Der Tod der Weinkritik

Von Eckhard Supp - Das Virus greift um sich! Konnte man sich vor zwei, drei Jahren noch einbilden, nur deutsche Weinkritiker seien an unheilbarem Selbstmitleid erkrankt und zu notorischen Schwarzmalern geworden, so ist jetzt klar: Das Sterben der Weinpresse hat (fast) alle wichtigen Weinmärkte der Welt erfasst. Wer noch einen Beweis brauchte, dem sei der Artikel von Robert Joseph in Wine Business International 3/10 empfohlen.

Joseph notiert, dass die Protagonisten der Weinindustrie zunehmend der Meinung sind, sich die enormen Ausgaben für Weinpräsentationen, traditioneller Treff mit Weinjournalisten, für Hochglanzmaterial und Pressemappen, die ohnehin nur im Papierkorb landen - zu Recht, in vielen Fällen! -, sparen zu können. Statt dessen greifen sie gerne nach dem Mittel der direkten Kommunikation mit dem Kunden, das ihnen vor allem die neuen Social Media bieten, und das zu gegenüber früher fast lächerlich geringen Kosten - so jedenfalls glauben viele Erzeuger und Händler - zu bekommen ist.

Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass sich die Leser in den letzten Jahren zunehmend von den etablierten Weinmedien abgewandt haben, was wiederum den Verlegern keine andere Wahl ließ, als diese Veröffentlichungen einzustellen. Grund dafür war oft, so Joseph, die oberlehrerhafte Haltung der Weinkritiker, die weniger für ihr Publikum und seinen Geschmack schrieben, sondern glaubten, sie müssten ihre Leser erst zum "richtigen Geschmack" erziehen.

Man kann im Detail Einiges von Josephs Thesen in Frage stellen, aber ich bin sicher, dass er einen zentralen Zusammenhang richtig analysiert hat: Der inhaltliche Niedergang der Weinpresse, d. h. die zunehmende Entfernung der Schreiber von ihren Lesern, und das gleichzeitige Aufkommen des Internets neuer Prägung (Stichwort: billige Social Media) hat die Grundlagen der jahrzehntelang funktionierenden Symbiose zwischen Weinbranche und Weinpublizistik zerstört, einer Symbiose, die sich vor allem darin äußerte, dass sich die meisten Weinpublikationen hauptsächlich mithilfe des Anzeigengeschäfts und des Hefteverkaufs an die Weinbranche selbst über Wasser gehalten hatten.

Wer will das Ende der Weinkritik?

Aber will die Weinbranche das Ende des Weinjournalismus wirklich? Ich wage das zu bezweifeln. Nicht nur, dass die Social Media, nimmt man sie wirklich Ernst, letztlich nicht so billig sind, wie mancher im Überschwang der Gründerjahre vielleicht glaubte. Ein Internet, in dem jeder seine eigenen, oft wohlweislich nicht klar deklarierten Interessen verbreiten und vertreten kann, führt auch dazu, dass sich das Risiko exponentiell erhöht, nicht von Kritikern und Verbrauchern, sondern von den Konkurrenten der eigenen Branche "niedergemacht" zu werden.

Was soll, in Zeiten, in denen vergleichende Werbung ausdrücklich erlaubt ist, den Händler denn daran hindern, den Wein eines Winzers, der nicht zu seinen Lieferanten gehört, vernichtend zu "verkosten"? Was soll den Erzeuger daran hindern, dem Händler, der ihn gerade ausgelistet hat, einmal so richtig eins auszuwischen?

Auch für die Verbraucher ist das neue Internet nicht eitel Freud und Sonnenschein, denn die neuen Medien erlauben es ihm häufig nicht, die Interessenlage derer, die sich in ihnen als "follower", "Freunde" oder "Kontakte" präsentieren, zu durchschauen. Zu erkennen, dass sich hinter dem flott formulierenden Captain Cork ein (u. a.) toskanischer Winzer verbirgt, der mit den Weinen seiner direkten Konkurrenten auffällig kritisch - fast ist das schon unter der Gürtellinie - umgeht. Zu erkennen, dass den Weinmacher aus Rheinhessen, der den benachbarten Rheingau niedermacht vielleicht ganz andere Interessen umtreiben, als nur die, seine Leser nur lustig und aktuell zu informieren.

Mittelfristig wird das allerdings dazu führen, dass der "Persönlichkeitsbonus", der die Social Media so attraktiv macht, der den Meinungsäußerungen von "followern" und "Freunden" auf den ersten Blick so viel Authentizität verleiht, wieder verschwinden, vielleicht sogar einem neuen, viel tieferen Misstrauen gegen alles Veröffentlichte Platz machen könnte.

Im Interesse der professionellen Weinschreiber kann das alles natürlich auch nicht sein, aber, wie Robert Joseph richtig anmerkt, den Schreibern könnte die neue Konkurrenz der Social Media, der direkten Kommunikation zwischen Erzeugern/Händlern und Konsumenten, durchaus gut tun. Dann nämlich, wenn sie sie endlich wieder dazu bringt, ihre Arbeit Ernst zu nehmen und sich nicht darauf zu beschränken, ihre "Symbiosen" mit der Weinbranche zu pflegen.


Bitte um ein Beispiel, wo ich

Bitte um ein Beispiel, wo ich mit Weinen meiner direkten Konkurrenten äuffällig kritisch und fast schon unter der Gürtellinie umgehe. Meines Wissens nach, schreibe ich nie über direkte Konkurrenten der Region. Sassicaia, Ornellaia und andere Weine dieser Kategorie als "direkte Konkurrenten" zu bezeichnen, das ehrt mich natürlich, ist aber mitnichten wahr.

Meine Kritik am italienischen Wein fußt auf eigenen Erfahrungen mit Kelterungen verschiedener Produzenten. Noch schlimmer gehe ich mit Frankreich ins Gericht, ohne ein französisches Weingut zu besitzen. Zudem wird bei mir nie auf das eigene Weingut hingewiesen, das ja ein lächerliches Pimperl-Unternehmen ist (14000 Flaschen) und seine kleine Menge jedes Jahr ohne viel Aufwand reibungslos losschlägt. Ich habe es daher auch gar nicht notwendig, irgendwelche anderen Winzer zu diskreditieren, bzw. meine eigenen Weine zu loben. Sie werden so oder so verkauft. Mit oder ohne Cork. Ganz egal.

Deswegen weise ich das zurück, Herr Admiral..

Captain, ich denke nicht,

Captain,

ich denke nicht, dass sich Interessenkonflikte nach der subjektiven Wahrnehmung oder Befindlichkeit des Betroffenen, und schon gar nicht nach der "Größe" des Konflikts richten. Wer einerseits Weine anderer Erzeuger seines Gebiets niedermacht, aber andererseits nichts dagegen unternimmt, dass seine Wiederverkäufer mit dem Prestige genau dieser anderen Erzeuger die eigenen Weine an den Mann bringen, muss sich schon nach Interessenkonflikten fragen lassen.

Guten Tag die Herren! Das

Guten Tag die Herren!

Das würde ich jetzt aber auch genauer Wissen möchten:

....direkten Konkurrenten äuffällig kritisch und fast schon unter der Gürtellinie....

Bei so klarer Formulierung muss es ja leicht sein, "Roß und Reiter" zu nennen. Würde mich interessieren, "direkte Konkurrenten", na direkter! geht's doch nicht. "Auffällig kritisch", interessiert mich natürlich auch, wie das genau ging....und natürlich das "fast schon unter die Gürtellinie".

Bitte also um Erhellung mit zwei, drei konkreten Beispielen.
Vielen Dank im Voraus.

Mike Wood

(von unterwegs) ... einfach

(von unterwegs) ... einfach auf den Link klicken, da gibt es mehr Infos.

Das ist mit auch das Thema

Das ist mit auch das Thema von www.wein-bewertung.com

es gibt keine objektiven Meinungen beim Thema Wein.

Nur der Durchschnitt vieler subjektiver Meinungen bringt im Durchschnitt eine objektive Meinung zum Thema Wein.

Natürlich müssen verschiedene Kreise involviert sein. Weinhändler, Winzer, Weinliebhaber und auch die Weinkritiker dürfen für einen solchen Durchschnitt nicht fehlen.

In der Hotellerie war es auch nicht anders.

Erst waren es nur die Hotelsterne mit der Kernleistung eines jeden Betriebes.

Dann kamen die Hotelkritiker gefolgt von den Mystery Checkern.

Zuletzt haben die Portale erkannt, dass nur der Durchschnitt vieler subjektiver Meinungen eine objektive Durchschnittsmeinung ergeben kann.

Dietrich von Horst

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