WorldWine Blog

06. Juni 2011

Südafrikas Export unter Druck

Südafrikas Weinexport, der im letzten Jahrzehnt praktisch nur Steigerungsraten gekannt hatte, ist seit der Fussball-WM in ernsthaften Schwierigkeiten. Die Weinausfuhren, die im Jahresvergleich letzten Oktober bereits um 3,3 %, zum Jahresende dann um 7 % rückläufig waren, verzeichnen Ende April (immer im Jahresvergleich) sogar ein Minus von insgesamt 8 %, glaubt man den offiziellen südafrikanischen Statistiken (SAWIS). Großbritannien als immer noch wichtigster Exportmarkt brach in den 12 Monaten bis April regelrecht ein (-18,7 %), aber auch in Deutschland (-6 %), Schweden (-7 %) und den Niederlande (-8 %) verloren die Südafrikaner an Boden.

Da diese 4 Länder zusammen immer noch knapp 2/3 der Exportmengen vom Kap abnehmen, retteten auch die teilweise enormen Zuwachsraten auf Märkten wie Kanada, Russland oder Kenya die Gesamtbilanz nicht. Auf dem chinesischen Markt, auf den viele in der Weinbranche große Hoffnungen setzen, wurden nur 3 Prozent mehr Wein abgesetzt als im Vorjahr - von einem Boom ist da nicht viel zu spüren.

Dabei ist der deutsche Markt, traditionell der größte Fassweinmarkt der Südafrikaner, immerhin noch der einzige, bei dem der Absatzverlust nicht ausschließlich durch gefüllte Ware verursacht wurde, denn auch beim Fasswein importierten die Deutschen 2 % weniger. In Großbritannien, Schweden und den Niederlanden dagegen entwickelte sich der Fassweinabsatz sogar positiv, was bedeutet, dass gefüllte Ware noch deutlicher rückläufig war, als die Gesamtentwicklung - eine Tendenz, die jetzt schon an das australische Desaster im letzten Jahrzehnt erinnert. In England verloren die Südafrikaner beim gefüllten Wein sogar sage und schreibe 37 %.

Ob diese Entwicklung, wie die Südafrikaner behaupten, vor allem oder sogar ausschließlich durch den starken Rand ausgelöst wurde, möchte ich ausdrücklich in Frage stellen. Solche Behauptungen stellen ja auch die Australier seit einer ganzen Weile auf. Wahrscheinlich ist ein viel komplexeres Bündel an Ursachen für die Entwicklung verantwortlich, darunter auch Marketingfehler wie die massive Konzentration und Investition von Werbemitteln in die Fußball-WM, wie an dieser Stelle schon verschiedentlich vermutet.


Gleich vorweg zu den

Gleich vorweg zu den Vermutungen bzgl. der „massiven Konzentration und Investition von Werbemitteln in die Fußball-WM“. Hier erlaube ich mir, direkt an der Quelle sitzend, anzumerken, dass die Weinwerbung (namentlich WOSA) damit nicht gemeint sein kann. In der Budget-Bilanz der Weinländer hat Südafrika eines der kleinsten Werbebudgets zu verwalten. Und wir vertrauen maßgeblich auf unsere besten Mitarbeiter im Marketing-Team: Jede Flasche Wein, die in guter Erinnerung geblieben ist – nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. Nun, es ist und bleibt ein Dilemma des Marketings: Immer diejenigen, die nicht dafür verantwortlich sind, wissen es besser.

Als alleinige Ursache den erstarkten Rand anzuführen, entspricht auch nicht Südafrikas alleiniger Einschätzung. Dennoch verschärft sich die wirtschaftliche Lage der Südafrikaner durch saftige Kostensteigerungen aufgrund von Steuererhöhungen, der Verteuerung der Energie, Rohstoffe und Lebenshaltung verschärft. Und der Anspruch der „Nachhaltigkeit“, wie z.B. soziale Maßnahmen, Biodiversität etc. in Betrieben umzusetzen, fordert Investitionen. Die bis dato kontinuierlich gefallenen Preise auf dem Fassweinmarkt sind dauerhaft nicht rentabel. Inwieweit die derzeitige Verknappung des Angebotes auf dem Beschaffungsmarkt für Preissteigerungen sorgt, ist noch nicht absehbar.

Wie steht’s nun um Südafrikas Weine in Deutschland? Die Weinexporte sind seit 2001 bis 2010 auf 730.000 hl angestiegen, das ist ein stattliches Plus von 503 Prozent. Das hat in der Form kein anderes Weinland, vor allem nicht aus der Kategorie der Neuen Welt, geschafft! Südafrika hat sich hierzulande von 1 Prozent in 2001 auf 6,3 Prozent in 2010 einen respektablen vierten Platz, nach Spanien, erobert.

Fakt ist, in Deutschland ist Südafrika ist kein „exotischer Trend“ mehr, der mal für eine kurze Zeit durch die Medien bzw. die Weinregale weht und Staub aufwirbelt.
Südafrika ist auf dem Weg ein Klassiker zu werden und hat nun sein Image als „Qualitätsweinland“ zu polieren. Der gestiegene positive Bekanntheitsgrad (u.a. dank der erfolgreichen Fußballsaison 2010), die gute Distribution, die marktadäquaten Weinqualitäten, die zahlreichen passionierten Winzer und Händler sowie ein gemeinschaftliches Marketing, haben dazu beigetragen, dass Südafrika im Vergleich zum Wettbewerb, bzgl. Beliebtheit und Marktchancen ganz positiv bewertet wird.

Südafrika investiert in den deutschen Markt, wenn auch nicht viel, aber kontinuierlich; Das Weinland vom Kap zeigt Flagge – auch wenn der Wind von nun an etwas heftiger und vielleicht auch mehr von vorn weht. Aber Südafrika ist sturmerprobt und hat ausreichend Proviant: In Form von sehr interessanten Weinen, die immer mehr Tiefe und Unverwechselbarkeit zeigen, mit einem glaubwürdigen gemeinschaftlichen (!!) Engagement für Nachhaltigkeit, mit authentischen Geschichten, einer tollen weintouristischen Erlebniswelt und einem Heer an Menschen, die mit Passion das Weinland repräsentieren. Südafrika ist stolz auf seine jüngsten Erfolge mit WOW-Effekt – Bestes Beispiel: Die Chenin Blanc Verkostung (South Africa & Loire) von E. Supp und M. Scheuermann, dabei gab’s viele Pluspunkte für die Vertreter vom Kap. Oder die Pinotage Probe, bis zurück ins Jahr 1966 – hat klar gezeigt, die Beschäftigung mit dem Weinland Südafrika lohnt sich!

Hallo Petra, danke für die

Hallo Petra,

danke für die ausführliche Antwort. Vieles von dem, was Du schreibst, ist natürlich absolut richtig und wird auch von Niemandem in Frage gestellt, schon gar nicht von mir. Aber dass von den - vielleicht insgesamt geringen, wie Du schreibst - Budgets im vergangenen / den letzten beiden Jahren ein so großer Teil in die WM ging, dass nach eigener Aussage von Su Birch deshalb (!!) beispielsweise die Cape Wine ausfallen musste, ist wohl unbestreitbar. "Massiv" ist natürlich in einem solchen Kontext immer nur relativ (auf das verfügbare Gesamtbudget) zu verstehen. Und die Bemerkung, dass "immer diejenigen, die nicht dafür verantwortlich sind" es besser wüssten, lasse ich hier einmal unkommentiert, da sie kein wirkliches Verständnis von der Aufgabe kritischen Journalismus enthält.
Was die Qualität der Weine angeht, bin ich natürlich absolut bei Dir, aber ich habe in mehr als dreißig Jahren, in denen ich mich jetzt in der Weinszene herumtreibe, schon viele erlebt, die tolle Weine machten und doch am Ende auf einem Scherbenhaufen saßen, s. Australien, s. Elsass (auf dem deutschen Markt), in gewisser Hinsicht in jüngerer Zeit auch Burgund, Toskana, Piemont etc. etc. Die Ursachen dafür waren jeweils andere, aber sie waren immer auch sehr komplexer Natur.

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