WorldWine Blog

04. November 2010

Weihnachten naht: Gute und weniger gute Bücher aus der Welt des Weins (Teil 1)

von Eckhard Supp - Dass ich Bernd Fritz schon seit ziemlich genau 30 Jahren kenne, sollte ich eigentlich niemandem erzählen. Es könnte Rückschlüsse darauf erlauben, unter welchen Umständen wir in der wilden 68er- und Nach-68er Zeit Bekanntschaft machten. Der Ort unseres Kennenlernens war das rheinhessische Worms, wobei wir damals noch weniger mit den Weinen der Region zu kämpfen hatten als vielmehr mit den großen Gläsern Cola rot (heute heißt das wohl Colaschoppen), die in den Dorfdiscos zwischen Osthofen, Abenheim und Obrigheim jeden Samstag spätestens ab Mitternacht zu mehr oder minder heftigen Prügeleien führten, denen man nur dann entkam, wenn man regelmäßig auf die Uhr schaute und sich kurz vor dem Glockenschlag zur ersten Runde aus dem Staub machte.

Dass Fritz sich zwischenzeitlich auch für Wein zu interessieren begonnen hatte, wusste ich schon, nicht aber, dass er aus einer Winzerfamilie stammte - oder zumindest hatte ich es wieder vergessen, so wie auch der Kontakt über die Jahre, in denen er bei FAZ und Titanic Karriere machte, abriss.

Umso mehr war ich jetzt überrascht, als mir seine Kurzgeschichten aus dem imaginären Winzerdorf Gau-Wackenheim (Bernd Fritz, Weingut - alles gut, Geschichten aus dem Winzerdorf, Atrium Verlag, Zürich, 144 S, 14,90 EUR) auf den Schreibtisch flatterten - wenn ein Buch denn flattern kann. Wie autobiografisch diese Geschichten wirklich sind, vermag ich nicht zu sagen - Bernd Fritz stammt ja weder aus Gau-Odernheim noch aus Wackernheim, die wohl als Namenspaten seines Winzerdorfes herhalten mussten, sondern aus "Bäächtem", wie die "Roihesse" sagen - aber dass eine gewisse persönliche (Kindheits-)Erfahrung dazu gehörte, sie schreiben zu können, liegt auf der Hand.

Denn nur mir einer solchen Erfahrung schafft man es, den Spagat zwischen dem tiefgründig schwarzen, manchmal auch sarkastischen Humor, den ich schon vor 30 Jahren schätzte (jedenfalls dann, wenn er sich nicht über mich selbst ausgoss), und der fast schon zärtlichen, zurückgenommenen Erzählweise dieses Bändchens ("Adolf ging es bei der >Evangelischen< so gut wie nie. Nicht nur, weil diese besser kochte und ihn mit Geschmack kleidete, sondern auch und ganz besonders, wenn sie sich nach dem Abendessen erhob, ihn in die Seite boxte und zärtlich sagte. >Kumm, mein Kneecht!>") hinzubekommen. Fazit: die ideale Alternative zum guten Glas Wein, wenn Öffentlich-Rechtliche und Private wieder mal ihre vereinte Niveaulosigkeit auf den Gipfel treiben.

Ein Weinbuch ganz anderer Art habe ich schon auf der VieVinum im vergangenen Juni entdeckt, komme aber leider erst jetzt dazu, es vorzustellen. Wein | Wine Genesis heißt der zweisprachige Band von Peter Oberleithner und Karl Mayer (Kulinarium Verlag, Wien, 59,90 EUR) in dem fachlich kompetent, detailreich bebildert und ausführlich die Entstehung des Weins in Weinberg und Keller dargestellt wird. Da werden in aller Ausführlichkeit das Propfen (von Edelreisern auf amerikanische Unterlagen) dargestellt, die Arbeitsschritte bei der Weinbergsanlage erklärt, der Vegetationszyklus der Rebe nachgezeichnet und die Kellerarbeit von der Gärung bis zum Fassausbau erklärt. [...]

Tag(s): Weinbücher

Vorweg gesagt, ich habe das

Vorweg gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen. Daher kann ich nicht kommentieren, ob die Rezension das Buch gut trifft, aber das Wuertz-Zitat gibt mir doch zu denken. Unpolitisch und Aktivitaeten der Nazi-Regierung, das geht schwer zusammen. Wie in der Rezension richtig herausgestellt, war die Nazi-Ideologie ja eine ganzheitliche, die eben auch alle Aspekte der Wirtschaft einbezog, und in der "deutscher Wein" auch ganz klar eine Rolle spielte. Das zeigt sich ja auch schon in Aktivitaeten wie der "invention" einer deutschen Weinkultur - wir hatten dazu schon einen Beitrag, siehe http://www.winerambler.net/blog/das-fest-der-deutschen-traube-und-des-we....

Es scheint wohl, dass ich mir das Buch auch einmal genauer ansehen sollte - sowohl wegen der Details, als auch wegen der Interpretation, wie es scheint.

Danke!

Sehr geehrter Herr Supp, Sie

Sehr geehrter Herr Supp,

Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, dass das was Sie da zitieren recht merkwürdig klingt. Wenn Sie mich allerdings zitieren, dann bitte richtig und nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Die wichtigen Sätze vor und... nach dem Zitat haben Sie einfach mal unterschlagen. Vor dem von Ihnen zitierten Satz steht folgendes:

"Weinbau in der Zeit des Nationalsozialismus ist selbstverständlich geprägt durch nationalsozialistische Politik. Weinbaupolitik. Die Weinbaupolitik nimmt Einfluß und gestaltet den Rahmen der Weinproduktion und des Weinabsatzes. So ist das auch heute noch. Nationalsozialistische Weinbaupolitik ist ist selbstverständlich auch geprägt, durch nationalsozialistische Ideologie, beispielsweise die "Blut-unbd-Boden-Ideologie"

Dann kommt der von Ihnen zitierte Passus. Danach geht es wie folgt weiter:"Zugegeben, diese Trennung erscheint im ersten Moment sehr schwierig. Diese dunkelste Zeit deutscher Geschichte ist nun einmal untrennbar mit Massenmord, Krieg und Tragödien verbunden. Völlig zu Recht. Da fällt eine differenzierte Betrachtung einer so unwichtigen Sache wie "Wein" nicht wirklich leicht"

In diesem Zusammenhang kann ich keine "Geschichtsklitterung im allerübelsten Stil" erkennen. Der allerübelste Stil, ist das was Sie machen. Aus dem Zusammenhang heraus zitieren und mich unverschämter Weise hinterher auch noch auf eine Stufe mit Vollidioten stellen, die behaupten, dass KZ Baracken "neutral" waren. Das, werter Herr Supp ist Ihr Stil. Und der ist abgrundtief schlecht. Ich bin das ja von Ihnen gewohnt, schon lange, und in der Regel ist es mir egal. Aber hier haben Sie eindeutig eine Grenze überschritten. Ausgerechnet Sie, der immer so viel Wert auf journalistischer Korrektheit legt. Sie sollten sich schämen!

Lieber Würtz, auch durch das

Lieber Würtz,

auch durch das Zitieren der Sätze vor und nach dem Passus wird das Gesagte leider nicht besser - schon gar nicht im Zusammenhang dieses Buches. Ja, sie sprechen vom Einfluss der Nazipolitik auf den Weinbau, wie es auch die Auto...ren des Buches tun, aber auch Sie verlieren kein Wort über die Mittäterschaft des Weinbaus.

Das ist genau der Punkt, den ich kritisiere: Dass die "bösen" Nazis alles gleichgeschaltet haben, ist heutzutage eine Binse. Worauf es bei einer kritischen Auseinandersetzung ankäme, wäre, die Rolle des Weinbaus genau zu analysieren. Und da schreiben Sie eben nur: "Der Weinbau in Deutschland von 1933 bis 1945 hat allerdings wenig bis gar nichts mit Massenvernichtung, Kriegstreibern und Rassenfanatikern zu tun. Die Rahmenbedingungen werden von der Politik gemacht, das Produkt ist unpolitisch."

Für mich ist und bleibt das ein ganz schlimmer Satz, ganz gleich, wie sie ihn vielleicht gemeint oder nicht gemeint haben wollen.

Ich will Ihnen gar nichts unterstellen, schon gar nicht, dass Sie ein verkappter Nazi wären, und vielleicht ist ihnen diese Implikation schlicht entgangen. Aber, und ich wiederhole mich, im Zusammenhang mit einem Buch, in dem dieses "Vergessen" System zu sein scheint, gewinnen Ihre Passagen eben eine Bedeutung, die Sie ihnen selbst vielleicht gar nicht geben wollten. Sie wissen ja, Kommunikation ist nicht das, was man zu sagen glaubt, sondern das, was ankommt.

Hallo, zur Entwicklung des

Hallo,

zur Entwicklung des deutschen Weinbaus zur Zeit des Nationalsozialismus kann ich das neue Buch von Daniel Deckers "Im Zeichen des Traubenadlers" empfehlen. Es beleuchtet zwar die kompletten 100 Jahre des VDNV/VDP, die Zeit zwischen 1933 und 45 nimmt aber viel Raum ein.

Grüße

Marc

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