WorldWine Blog

09. November 2010

Weihnachten naht: Gute und weniger gute Bücher aus der Welt des Weins (Teil 2)

von Eckhard Supp - Es gibt Bücher, bei denen fragt man sich nicht nur, warum jemand so viel Arbeit in sie gesteckt hat, sondern auch, ob man wirklich Zeit für die Auseinandersetzung mit ihnen verschwenden soll. Ein solches Büchlein schien mir, schon als ich es erhielt, der Supper Schoppen Shopper 2011 - der knallige, aufgeblasene Name lässt Schlimmes erahnen - von Cordula Eich (336 Seiten, Amsterdam, 2010, 11,95 EUR). Nachdem im vergangenen Jahr noch verschiedentlich spekuliert wurde, ob Frau Eich ein Lebewesen aus Fleisch und Blut oder nur das Pseudonym einer größeren Redaktion sei, hat der Verlag jetzt Kollegen wissen lassen, es handele sich wirklich um eine Journalistin, die sich aber eines Pseudonyms bediene. Merkwürdig mutet dann allerdings an, dass das Impressum des Buches - wenn man solche Informationskrümel als Impressum bezeichnen will - einen "Verlag" Super Shoppen Shopper in Amsterdam nennt, die Suche im Internet aber ausschließlich zu einer Seite www.superschoppen.com führt, die eine Kontaktadresse - ein Impressum besitzt die Seite überhaupt nicht - in Berlin nennt. Wer seine Identität solcherart (quasi doppelt) versteckt, hat nach meiner Erfahrung Gründe dafür!

Im Unterschied zu den meisten anderen Wein-Guides ist dieser nicht nach Erzeugern oder Anbaugebieten, sondern nach Einkaufsquellen sortiert: Getestet wurden lediglich Weine aus den Regalen der Discounter und der größten LEH-Ketten. Nein, keine Angst, das Buch ist vermutlich nicht von deren PR-Abteilungen finanziert, denn dazu lesen sich manche der Kritiken doch zu harsch und fast schon hämisch ("Wiederbelebung bei diesem totgeborenen Jüngling hoffnungslos."), es sei denn, eine dieser Ketten hätte dafür bezahlt, dass die anderen niedergemacht werden und die eigenen Weine besonders gut wegkommen. Aber dafür konnte ich beim Überfliegen des Guides keine Anzeichen erkennen.

Auch meine Annahme, schon wenige Monate nach Erscheinen könnten in den Regalen von Aldi und Lidl nur noch ganz andere als die beschriebenen Weine zu finden sein, hat sich als grundlos herausgestellt. Ein kurzer Storecheck bei Aldi Nord jedenfalls hat gezeigt, dass die meisten im Buch gelisteten Weine auch brav im Regal stehen - sogar zu den angegebenen Preisen.

Von daher gäbe es eigentlich am Super Shopper außer dem knalligen Namen nichts zu kritisieren. Oder doch? Ich frage mich nämlich, warum jemand überhaupt solch einen Führer herausgibt. Tatsache ist ja, dass Aldi- und Lidl-Shopper ihre Kaufentscheidungen nur in den seltensten Fälle nach Qualitätskriterien treffen. Für sie gilt der Preis, noch einmal der Preis und ausschließlich der Preis. Und Weinbücher kaufen diese Konsumenten schon gar nicht - die meisten würden so etwas nicht einmal geschenkt nehmen oder wenn, dann zumindest im nächsten Mülleimer versenken.

Wer sonst kauft dann aber solch ein Buch? Das enorme Interesse, dass das Thema Aldi & Co. bzw. deren Weinangebot bei bestimmten Weinfreunden - man schaue sich nur die ausgiebigen Diskussionen in den verschiedensten Internetforen an - immer wieder auslöst, ist ein Hinweis. Es sind Weinfreunde, die sich in der Regel beim Fachhandel oder direkt beim Winzer mit Wein versorgen, gerne aber auch den echten oder vermeintlichen Schnäppchen im LEH oder beim Discounter nachlaufen.

Ein solches Buch dient also mitnichten dem klassischen Discounter-Klientel, um sich im Weinangebot zu orientieren. Es dient nur dazu, neugierige Weintrinker (noch öfter) in den Discount oder in die Großfläche zu locken. Also doch von den Ketten finanziert, das Buch? Eine Form besonders geschickten Marketings. Darüber zu spekulieren, überlasse ich paranoideren Naturen also ich es bin. Mir bleibt nur, das Buch als ziemliches Ärgernis zu betrachten und zu hoffen, dass sich niemand von ihm zum Besuch bei Aldi & Co. verleiten lässt.

Kochen im Bioweingut

Es mag wissenschaftlich umstritten sein, ob "gesund" essen wirklich Krankheiten verhindert und das Leben verlängert, aber beim Lesen des schönen Kochbuchs von Christine Saahs, der Hausherrin des berühmten österreichischen Nikolaihofs, der schon lange auf biodynamischen Weinbau setzt, isst man ganz freiwillig so gesund wie möglich, denn alles, was die Winzerin und Gastronomin für ihre Leser (und ihre Gäste) kocht (Christine Saahs, Ich koche für mein Leben gern, C. Brandstätter Verlag, 202 Seiten, Wien 2010, 39,90 EUR), sieht so lecker aus, dass einem schon beim Lesen der Rezepte das Wasser im Mund zusammenläuft.

Wer auch immer glaubt, dass bodenständige Kochkunst bieder und rustikal sein müsse, den belehrt dieses Buch eines Besseren. Und bodenständige Rezepte bietet Christine Saahs im Überfluss: Forelle blau, Schwammerlsoße, Nussstrudel, Palatschinken, Nudelhenn, Specklinsen und immer so weiter. Das alles wirkt aber - nicht nur in den Rezepten, sondern auch auf den Fotos des großzügig bebilderten Bandes - so leicht und bekömmlich, dass sich alles Rustikale in Kräuterdüften und würziger Finesse aufzulösen scheint. Tipps vom Typ "Herrlich, zu viel gekocht" - was man mit übrig gebliebener Pilzsuppe anfangen kann - ergänzen das Buch auf der ganz praktischen, alltäglichen Seite.

Champagner-Krimi

In den letzten zwei Jahren habe ich eine ganze Reihe von Krimis auf den Schreibtisch bekommen, die im Weinmilieu spielen. Teilweise auch als Manuskripte, mit der Bitte, sie zu veröffentlichen. Die meisten dieser Bücher oder Manuskripte fand ich zum Gähnen langweilig, wobei ich gestehen muss, dass ich kein großer Krimileser bin. Paul Grotes Krimi (Der Champagner-Fonds, dtv, München, 396 Seiten, 9,20 EUR) machte dagegen wirklich Spass, und Spannung kam ebenfalls auf, auch wenn ich das Buch dann letztlich doch nur teilweise lesen konnte.

Der Champagner-Fonds, um den es in dem Buch geht, ist ein von Anfang an auf Betrug angelegtes Manöver, bei dem gutgläubige Weinfreunde um größere Summen geprellt werden sollen, indem ihnen vorgegaukelt wird, sie investierten ihre Gelder in wertvollen Champagner. Tatsache ist, dass der Großteil der wertvollen Flaschen nur billige Plörre enthält. Der Angestellte eines Kölner Importeurs kommt den Betrügern allerdings auf die Schliche und klärt nicht nur den Betrug auf, sondern bringt die Gangster auch zur Strecke. Das Ganze ist gut gespickt mit persönlichen Verwicklungen und viele fachlichen Details, wobei mir die eine oder andere weinkundliche Erklärung allerdings etwas zu langatmig vorkam: Da wirkte dann die Handlung gelegentlich angestrengt darauf angelegt, möglichst viele Informationen im Text unterzubringen. Aber, seien wir ehrlich, beim Lesen eines Krimis noch ein wenig über Wein zu lernen, ist schließlich nicht die schlechteste Art. Oder?

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Tag(s): Weinbücher

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