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Australien: Eukalyptus im Wein


(30.11.2012) -  

Forscher des Australian Wine and Research Institutes wollen jetzt herausgefunden haben, woher die typischen Eukalyptus- oder Minzaromen in vielen Weinen des Landes stammen. Verantwortlich für diese Aromen ist laut wine-searcher.com ein Monoterpen namens 1,8-Cineol, das in Eukalyptus und Lorbeer, in geringerem Maße auch in Minze und anderen Kräutern vorkommt. Bisher hatte es verschiedene Theorien gegeben, wie diese Substanz in den Wein gelangte. Französische Forscher gingen von einer Luftübertragung zwischen den Blättern des Baums und den Trauben benachbarter Weingärten aus, italienische Wissenschaftler dagegen glaubten, sie entstünden aus anderen Terpenen, die in bestimmten Rebsorten vorkommen.


In Australien liegt der Zusammenhang zwischen Eukalyptuswäldern und Eukalyptusaromen sozusagen auf der Hand. Was aber ist, wenn diese Aromen in anderen Ländern, weitab von Eukalyptusbäumen auftauchen? (Foto: E. Supp)

Die australischen Forscher fanden jetzt heraus, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Eukalyptus-Bäumen und dem Auftreten von entsprechenden Aromen besteht, welche umso markanter sind, je näher die Bäume bei den Reben stehen. Dann stellten sie fest, dass bei der Weinlese, vor allem - aber nicht nur -, wenn mit Vollerntern durchgeführt, immer eine gewisse Anzahl Eukalyptusblätter ins Lesegut geriet. Aus diesen stammt wohl ein Großteil der Cineol-Aromen. Da diese allerdings auch in Weinen auftraten, deren Erzeuger ihr Lesegut immer sehr pingelig von den Blättern befreiten, schlossen sie, dass auch die Beerenschalen solche Aromastoffe enthielten, die ihrerseits durch die Luft von benachbartem Eukalyptus übertragen wurden. Da sich die Aromen auf den Beerenschalen ablagern, wird, den Forscher zufolge auch verständlich, warum sie in rasch abgepressten Weißweinen nicht auftreten.

Ob das die ganze Wahrheit ist, muss sich erst noch zeigen. In unseren Verkostungsnotizen vom Alentejo bis ins Friaul, von Bordeaux bis in die Thermenregion, vom Napa Valley bis Südafrika fanden wir in den letzten Jahren immerhin 164 Weine, bei denen wir eindeutige Eukalyptusnoten bemerkten - nur 14 von ihnen stammten aber aus Australien. Auch von den knapp 500 Weinen mit klaren Minznoten kamen nur 25 aus Australien. Unseres Wissens wächst zwar in einem Teil der übrigen Anbaugebiete Eukalyptus, aber längst nicht in allen. So könnte die These der Italiener letztlich doch ebenso zutreffend sein wie die der Franzosen und Australier.

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