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Australiens Winzer sind pleite, aber Kultweine immer begehrter


(24.03.2011) -  

Australien erlebt die widersprüchliche Entwicklung, die auch in anderen Teilen der Weinwelt zu einem Auseinanderklaffen der Schere zwischen Superreichen und Habennichtsen geführt hat, derzeit in der vielleicht extremsten Variante. Die Überproduktionskrise, von der wir mehrfach berichteten, und die nach Aussage des Wine Grape Council, einer Organisation der Traubenerzeuger, auch in den nächsten Jahren anhalten dürfte, hat dazu geführt, dass etwa 40 % der Winzer seit etwa 2007 rote Zahlen schreiben. Im Jahr 2010 alleine waren es zwei Drittel, im Weinbaugebiet Riverland sogar 92 %.

Während viele Winzer vor dem Bankrott stehen, versuchen 10 % von ihnen verzweifelt, wenigstens ihre Rebflächen zu verkaufen - ohne Erfolg, da es derzeit praktisch keine Käufer gibt. Das einzige Weinbaugebiet, das von dieser Krise ausgenommen scheint, ist Coonawarra in Südaustralien. Auch die Pläne, im Rahmen einer Wine Restructuring Adjustment Agenda insgesamt 20.000 ha Fläche zu roden, scheinen nicht oder zumindest nicht richtig zu greifen: Bis dato soll dieses ambitionierten Ziel erst zu einem Drittel erreicht sein, auf die Gesamtfläche des Landes bezogen wurden also lediglich 3 % der Rebstöcke ausgerissen.

Während der australische Export 2010 noch einmal einen Wertverlust von 9 % hinnehmen musste, scheint es einigen Erzeugern von Kultweinen ungewöhnlich gut zu gehen. Vor allem die Nachfrage nach australischen Super-Premium-Weinen in China hat dazu geführt, dass beispielsweise die "Bin"-Weine der Kellerei Penfold (Bin 389, Bin 707 etc.) immer teurer werden. Der noch recht junge Kultwein Laird vom Barossa-Weingut Torbreck, der mit etwa 600 Euro heute als teuerster australischer Wein gilt und damit selbst den legendären Grange von Penfolds um etwa 50 % übertrifft, wird zu sage und schreibe einem Drittel (2.800 Flaschen) auf dem asiatischen Markt verkauft, der Rest geht nach Großbritannien und an australische Kunden. Kontinentaleuropa und die USA dagegen sehen von diesem Wein nicht eine einzige Flasche.


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