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Chianti Classico revamped: Schönheitsoperation in der Toskana


(13.02.2013) -  

Beim Chianti Classico tut sich was. Wenige Tage vor den jährlichen Presseverkostungen der neuen Jahrgänge hat der Schutzverband Gallo Nero jetzt eine Pressemitteilung herausgegeben, in der eine Reihe von Änderungen am Produktionsstatut des toskanischen Roten angekündigt werden. Neben einigen kosmetischen Operationen - darunter ein moderneres Logo - sollen anlässlich der Veranstaltung in Florenz auch zwei wirklich einschneidende Neuigkeiten bekanntgegeben werden: Eine neue Qualitätsstufe, die über dem normalen Jahrgangswein (Annata) und der Riserva stehen wird, und veränderte Vorschriften für den Fassweinhandel.


Geheimnisvolle Ankündigungen in der Zentraltoskana - der Chianti Classico bekommt eine Über-drüber-Variante. (Foto: E. Supp)

Die wichtigste dieser Änderungen dürfte die Einrichtung einer dritten Qualitätsstufe sein. Sie soll exklusiver und hochwertiger als die der Riserva sein, die aktuell für immerhin 40 % des Gesamtumsatzes der Appellation steht. Wie die neue Qualitätsstufe heißen wird und wie genau die Produktionsbestimmungen für sie aussehen, bleibt vorerst noch das Geheimnis des Schutzverbands.

Was man hingegen bereits weiß, ist, dass in Zukunft kein Fasswein mehr, wie bisher üblich, unter der provisorischen Bezeichnung "für die Produktion von Riserva vorgesehen" gehandelt werden darf. Entweder der Wein ist von Anfang an als Riserva gemeldet oder er bleibt eben einfache Annata.

Eine in Inhalt und Ton recht ungewöhnliche Ermahnung findet sich am Ende der Pressemitteilung. Da wird die internationale Presse nicht gebeten, sondern recht brüsk aufgefordert, doch bitte bei der Veröffentlichung nicht mehr vom "Chianti", sondern nur noch vom "Chianti Classico" zu sprechen. Immerhin handele es sich um zwei vollkommen eigenständige DOCG-Herkunftsbezeichnungen und eine Verwechslung könne "den Charakter der Pressemitteilung radikal verfälschen".

Nun, einmal ganz davon abgesehen, dass die beiden Herkunftsbezeichnungen so radikal verschieden ja dann doch nicht sind und vor allem historisch zusammen entstanden, ist es ja bestimmt nicht die Schuld der internationalen Presse, wenn sich die Zentraltoskana ein solches Chaos in den Herkunftsbezeichnungen - inklusive der obligatorischen Verwechslungsgefahr - geschaffen hat, dass man im Grunde beim Weinkauf immer mit einer Enzyklopädie unter dem Arm herumlaufen müsste, um keine Fehler zu machen.

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