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Chile: Kritik an neuen Herkunftsbezeichnungen


(30.11.2012) -  

Bereits 2011 hatte sich der chilenische Weinbau nach langen und zähen Verhandlungen drei neue Herkunftsbezeichnungen gegönnt, jetzt aber regt sich, glaubt man einem Bericht von decanter.com, immer massivere Kritik an den neuen Appellationen. Entstanden war die neue Nomenklatur, weil Chiles Weinbaugebiete, das bekannteste, das Valle del Maipo vorneweg, traditionell sehr verschiedene klimatische und geologische Konfigurationen umfassen, deren Diversität hinter dem gleichmacherischen Appellationsnamen nicht erkennbar wird. Dieser Problematik hatte man durch das Ausweisen von Mikrozonen wie Colchagua - Apalta oder Valle del Maipo - Isla del Maipo Herr zu werden versucht, aber dieser Ansatz wurde dem größten Teil der chilenischen Rebflächen, die außerhalb solcher Kleinstgebiete lagen, nicht gerecht.


Viña Errazuriz im Valle del Aconcagua ist einer der renommiertesten Betriebe des Landes. Ob man sich dort der neuen Herkunftsbezeichnungen bedienen wird ist mehr als fraglich. (Foto: E. Supp)

Von daher der Versuch, drei Zonen nach klimatischen Kriterien zu definieren: Costa (für die kühlen Hügel an der Pazifikküste), Andes (für die Lagen am Fuße des gleichnamigen Gebirgszuges) und Entre Cordilleras (für das warme Zentrum) wurde sie genannt und folgten damit der Ost-West-Gliederung der chilenischen Klimazonen, trafen aber schon bei ihrer Einrichtung auf heftige Kritik.

Diese richtete sich nicht nur gegen die Bezeichnung Entre Cordilleras für das Zentrum, ein Name der für nicht spanisch sprechende Märkte eher abschreckend wirken musste, sondern auch gegen die Tatsache, dass die vermeintlich homogenen Klimazonen so homogen gar nicht waren und daher auch sehr unterschiedliche Weintypen hervorbrachten. Da sie die alten Bezeichnung auch nicht ersetzten, sondern an ihre Seite traten, komplizierten sie das ohnehin außerhalb Chiles nicht allzu bekannte Appellationssystem - mehr als Maipo, Casablanco oder Colchagua kennt kaum jemand - noch zusätzlich.

Immerhin waren die Weinbauverantwortlichen so klug, das Führen der neuen Bezeichnungen nicht zur Pflicht zu machen, sondern es den Erzeugern zu überlassen, ob sie ihre gewohnten Herkunftsbezeichnungen durch Costa, Andes oder Entre Cordilleras ersetzen wollten. Das Resultat dieser Großzügigkeit scheint, so der erwähnte Artikel von decanter.com, dass die wichtigsten Erzeuger wohl lieber darauf verzichten. Aurelio Montes wird zitiert, es habe ohnehin schon zu viele Appellationen gegeben, auf Errazuriz bleibt man beim gewohnten "Aconcagua" und Michael Cox, Vertreter von Wines of Chile in Großbritannien, sieht keinen Grund, warum Erzeuger der deutlich präziseren, noch jungen Peumo-Appellation ihre Weine jetzt als Entre Cordilleras verkaufen sollten.

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