WorldWine News

Das Ende der Krise - droht jetzt Weinknappheit?


(05.04.2012) -  

Anders als beispielsweise in Deutschland und Österreich brachte der Jahrgang 2011 in vielen Ländern kleine bis sehr kleine Ernten. In Kalifornien wurden 7 Prozent weniger als 2010 geerntet - die Erntemenge von 3,34 Mio. to lag allerdings haargenau auf dem Fünfjahres-Durchschnitt der Jahre 2006 - 2010 - und auch Italien, Südfrankreich und Teile Spaniens wie das Riojagebiet beklagten teilweise extrem niedrige Erträge. Als Konsequenz dieser Tatsache sind die Traubenpreise in einigen Gegenden stark gestiegen. In Kalifornien erreichten sie 2011 ein Rekordniveau von 588 $. d. h. 8 % mehr als 2010 und noch einmal 3 % über dem vorangegangen Rekordstand von 2009. Auch im französischen Languedoc wurde ein Zehnjahres-Höchststand erreicht, und aus der spanischen La Mancha wird von leeren Tanks berichtet - der über Jahre hinweg angewachsene Weinsee scheint auszutrocknen.

Ob daraus bereits die Schlussfolgerung gezogen werden kann, der Weltweinmarkt ginge einer Periode der Knappheit (und hohen Preise) entgegen, wie es thedrinksbusiness.com kürzlich in einem Artikel tat, ist dabei fraglich. Immerhin steht mit China eine neue Weingroßmacht "ante portam", und auch in Australien gehen die Verantwortlichen noch nicht wirklich von einer Erholung der Märkte aus. Hier zeigte sich nicht nur die Rebfläche merkwürdig "resistent" gegenüber allen Rodungsprogrammen und -subventionen - die bewirtschaftete Fläche soll bis 2013 sogar von 154.000 auf 158.000 ha steigen, sondern auch die Weinproduktion ist keineswegs so rückläufig, wie man sich das wünschen würde. Flächen und Mengen, die im langfristigen Trend seit etwa 2000 tatsächlich etwas zurückgingen, zeigen schon seit dem Wirtschaftsjahr 2009/2010 wieder einen deutlichen Aufwärtstrend. Bizarrerweise scheint dabei gerade im Segment der hochwertigen "cool climate"-Weine der stärkste Mengendruck zu herrschen, während in den Massenproduktionsgebieten wie Riverina durch den feuchten, stark fäulnisgeschädigten aktuellen Jahrgang die Ernteerträge zumindest aktuell rückläufig sind.

Ob Rückschlüsse auf den Weltweinmarkt von der Art, wie thedrinksbusiness.com sie zieht, überhaupt legitim sind, ist dabei gar nicht ausgemacht. Zwar sprechen auch die OIV-Statistiken derzeit von einer Zunahme des Weltweinhandels, wenn man aber weiß, dass das statistische Problem der Erfassung von Reexporten, das wir erst kürzlich am Beispiel Deutschlands und Österreichs diskutierten, noch nicht einmal in Ansätzen gelöst ist, muss man auch die OIV-Zahlen und -Prognosen mit Vorsicht genießen. Stimmt es beispielsweise, dass derzeit eine massive Tendenz hin zu Reexporten zu verzeichnen ist, dann könnte sich der angeblich wachsende Weltweinhandel bei einer Bereinigung der Statistiken rasch in Schall und Rauch auflösen. Er könnte dann ausschließlich der Tatsache geschuldet sein, dass ein zunehmender Anteil der weltweit gehandelten Weinmengen zwei Mal in den Statistiken auftaucht: erst als Export aus dem Ursprungs- in das Abfüllerland, und dann aus Letzterem in das schlussendliche Verbraucherland.

Sie können unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Lesen Sie auch:
Weinimport Deutschland: Vor der Krise, nach der Krise
Fassweinexport - Südafrika auf den Spuren Australiens?
Rabobank: Weltweiter Fassweinhandel wächst dramatisch


Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.