WorldWine News

EU reicht Pflanzrechtsreform an Mitgliedsstaaten zurück


(10.01.2013) -  

Während sich deutsche Weinfunktionäre und Politiker noch immer in ihrem Windmühlenkampf gegen die von der EU geplante Liberalisierung der Pflanzrechte im europäischen Weinbau ertüchtigen - s. dazu auch die Diskussionen um einen kürzlich in der Zeitschrift Wirtschaftswoche erschienenen Artikel - hat die EU längst ihren Kurs geändert bzw. dem hartnäckigen Widerstand aus zahlreichen Mitgliedsstaaten angepasst. Die Expertenrunde, die bis zum Jahresende 2012 an dieser Anpassung arbeitete, hat kurz vor Jahresende die Empfehlung abgegeben, eine Art Regulierungsinstrument im Stil der alten Pflanzrechtsbeschränkungen beizubehalten, deren Verwaltung aber in die Hände des jeweiligen Mitgliedslandes zu legen.


Bringt die EU-Pflanzrechtsreform deutsche Steillagen - im Foto Weinberge im fränkischen Mainstockstadt - in Gefahr? (Foto: E. Supp)

Gleichzeitig betont diese Expertengruppe aber, dass angesichts der aktuellen Tendenzen im Weinbau und auf den Weinmärkten an einer Ausweitung der Weinbauflächen gegebenenfalls kein Weg vorbeiführen könnte. Nach Angaben der EU-Kommission ist die europäische Weinerzeugung in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken - sei es wegen der massiven Rodungen (insgesamt 161.00 ha), sei es wegen des Klimawandels -, während andererseits die Exporte in Drittländer deutlich gestiegen seien. Allein der Exportüberschuss wuchs zwischen 2007 und 2011 um 75 % an. Ín dieses Bild passt auch, dass die Lagerbestände an Wein und Sekt in Deutschland, wie wein + markt soeben unter Berufung auf das Deutsche Weininstitut, ihr niedrigstes Niveau seit langem erreicht haben und sich nur noch auf 10,8 Mio Liter belaufen. Das alles hat, zusammen mit den jüngsten schwachen Ernten in vielen Ländern, dazu beigetragen, dass der europäische Weinmarkt aus einem Verbraucher- wieder zu einem Erzeugermarkt geworden ist und Weinknappheit droht.

Während die meisten der großen Erzeugerländer schon unter dem alten Regime auf diese Situation ohne Probleme reagieren konnten und können - ihre Pflanzrechtsreserven betrugen 2011 noch etwa das das Doppelte der gesamten deutschen Weinbergsfläche - und auch nach dem Kompromissvorschlag der EU keinerlei Probleme hätten, ihre Flächen noch weiter auszuweiten, ist Deutschland in einer doppelten Falle gefangen. Weder besitzt das Land unter dem alten Regime substanzielle Pflanzrechtsreserven, noch ist zu vermuten, dass deutsche Behörden und Weinbauverbände bei ihrer gegenwärtigen Haltung in absehbarer Zeit einer Ausweitung der deutschen Rebfläche zustimmen würden.

Das liegt u. a. daran, dass Deutschland die Filetstücke seines Weinbaus nicht, wie andere Länder, durch ein hierarchisch gegliedertes Herkunftsrecht geschützt hat. Wenn im Bereich des Anbaugebiets Franken jemand 2.000 ha großflächig neu anlegte, dürfte er seinen Wein unter derselben Herkunftsbezeichnung verkaufen wie der Spitzenwinzer den einer Steillage. Wer in Italien oder Frankreich dagegen neue Flächen erschließen will, dem stehen die prestigeträchtigsten Herkunftsnamen wie Brunello, Barolo oder Pauillac dagegen nur dann offen, wenn die Winzerschaft der Appellation selbst eine solche Ausweitung beschlösse.

Sie können unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Lesen Sie auch:
Die Wiwo und der Wein
Quo vadis Europa? Pflanzrechte und Markenweine
EU auf Kompromisskurs bei Pflanzrechten


Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.