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Fakewein-Jäger Koch gewinnt endlich einen Prozess


(22.04.2013) -  

Er war eine der Quellen für und einer der Protagonisten in den Anschuldigungen der Zeitschrift Stern gegen den deutschen Altweinhändler Hardy Rodenstock (wir berichteten ausführlich), dieser habe uralte Flaschen gefälscht und dann zu Millionensummen an Sammler in aller Welt verhökert. William "Bill" Koch, Geschäftsmann, Segler - er gewann den America's Cup 1992 - und Weinsammler aus Florida, hat vor einigen Tagen den wohl ersten seiner zahlreichen Prozesse gewonnen, die er in den letzten Jahren gegen echte oder vermeintliche Weinfälscher bzw. Händler von gefälschten Flaschen angestrengt hat. Ein Gericht in New York sprach dem Amerikaner einen Schadenersatz in Höhe von 12 Mio. US $ zu.


Flaschen wie diese, die auf einer Veranstaltung des deutschen Weinhändlers Hardy Rodenstock ausgeschenkt wurden, standen und stehen im Zentrum des Kreuzzuges von William Koch. (Foto: E. Supp)

Wie der britische Guardian schreibt, beschuldigte Koch in diesem Fall einen Geschäftsmann namens Eric Greenberg, ihm absichtlich gefälschte Flaschen mit Bordeauxweinen aus Jahrgängen zwischen 1864 und 1950 verkauft zu haben. Greenberg soll mit solchen Weinen über mehrere Jahre hinweg etwa 42 Mio. US $ erlöst habe. Der Beschuldigte beteuerte zwar, ihm sei nicht bekannt bzw. bewusst gewesen, mit Fälschungen gehandelt zu haben, aber das half ihm vor Gericht natürlich wenig.

Merkwürdig an der Geschichte ist allerdings, wie oft Koch über die Jahre hinweg offenbar auf Fälscher und Fälschungen hereingefallen sein will. Insgesamt, so berichtet The Guardian, behauptet der Milliardär 421 alte Flaschen in einem Gesamtwert von 4.4 Mio US $ aus seinem Keller als Fälschungen identifiziert haben.

Bei einer solchen Menge muss man sich wohl die Frage stellen, ob Koch nun besonders naiv und gutgläubig war oder ob er - vielleicht nach einer ersten negativen Erfahrung - so vom heiligen Zorn ergriffen war, dass er alles aufkaufte, was irgendwie nach Fälschung roch, um anschließend die Verkäufer mit seinen kreuzzugartigen Prozessen überziehen zu können.

Bemerkenswert ist bei der Geschichte, dass er mit seinen juristischen Schritten in der Vergangenheit regelmäßig Schiffbruch erlitten hat. Das galt auch für seine Prozesse gegen das Auktionshaus Christies, den berühmten Weinkritiker Michael Broadbent und den erwähnten Hardy Rodenstock.

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