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Heiße Diskussion: Überzieht Bordeaux bei den Weinpreisen?


(19.08.2011) -  

Während die Preisexplosion bei den Kultweinen aus dem französischen Bordeauxgebiet - der Grund liegt vor allem in der starken, zahlungskräftigen und "etikettenorientierten" Nachfrage der letzten Jahre aus Asien - in Deutschland weithin unkommentiert und undiskutiert zur Kenntnis genommen wird, überschlagen sich die angelsächsischen Medien derzeit in skeptischen Kommentaren, was die Risiken dieser Entwicklung betrifft. Anders als in vergangenen Jahren wettern in diesem Jahr nicht nur der britische Trade und die mit ihm verbandelten Medien über die zu hohen Preise, sondern auch in den USA und in Asien regt sich Kritik.

Prominentestes Mitglied der Kritikerriege ist sicher der amerikanischen Weinguru Robert Parker, der, glaubt man einem bereits im Juni erschienenen Artikel der Washington Post, der Ansicht ist, dass das Preisgefüge dabei ist, außer Kontrolle zu geraten und vor einer "großen, großen Krise" warnt. Parkers größte Sorge ist, dass Bordeaux seine gesamte Marktpolitik ausschließlich auf den boomenden asiatischen Markt richtet und sich dabei den amerikanischen Markt entfremden könnte.

Ins Visier der Kritiker geriet zunächst und vor allem Château Cheval blanc, das seinen 2010er zu einem Preis von 900 EUR/Flasche, d. h. mehr als 20 % teurer als den Vorjahrgang und fast 50 % teurer als der ebenfalls exzellente 2005er, auf den Markt warf. Und das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn Le Pin folgte auf dem Fuß zu einem Preis von 1.300 EUR/Flasche, Ausone verlangte immerhin 1.120 EUR. Bei der renommierten britischen Importfirma Berry Bros. zeigte man sich nach einem Bericht von decanter.com überaus enttäuscht von diesem Preisniveau und gab an, lediglich 20 Kisten Cheval blanc verkauft zu haben - gegenüber 750 Kisten des vorsichtiger operierenden Mouton. Und das, obwohl Cheval blanc nach Auskunft der Eigner in der ersten Tranche bereits 75 % der Gesamtproduktion freigegeben hatten, um "dem Markt ein wenig Munition zu geben". Wie bloomberg.com berichtet, konnte Berry Bros. von der Subskription des Jahrgangs 2009 noch etwa ein Drittel in Asien platzieren, 2010 seien es nur noch 5 % gewesen.

Erste Anzeichen, dass sich Bordeaux in seiner Einschätzung des asiatischen, insbesondere des chinesischen (Festland)Markts vergalloppiert haben könnte, gibt es bereits. So wird der Chef der Shanghaier ASC Fine Wines zitiert, dass der Jahrgang 2010 in China ein deutlich größerer Erfolg hätte sein können, wären die Preise im Rahmen geblieben und wären die Weine früher freigegeben bzw. größere Kontingente zugeteilt worden. Denn anders als im Fall von Cheval blanc scheinen die Zuteilungen von Premiers Crus insgesamt deutlich sparsamer ausgefallen zu sein als im Vorjahr. Bei den Chinesen sorgte offenbar vor allem für Unmut, das spätere Tranchen teilweise noch deutlich teurer angeboten wurden als die ersten. Bei ASC Fine Wines betont man deshalb auch, dass die Weine mit den besonders drastischen Aufschlägen wie Smith-Haut-Lafitte, Figeac oder Cheval blanc sich deutlich schlechter verkauften als andere.

Auch der Bordelaiser Négoce scheint inzwischen nachdenklich geworden zu sein. Wie winespectator.com berichtet, konnten zwar generell gute Umsätze erzielt werden, dies aber bei deutlich geringeren Absatzmengen. Das bedeute, so die Kalifornier, dass zwar höhere Margen eingefahren wurden, der Jahrgang aber bei weitem nicht zu dem Blockbuster wurde, den man sich erhofft hatte.


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