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Ist der Traum vom chinesischen Markt schon zu Ende?


(22.04.2013) -  

China reduziert seine Importe von teurem Bordeaux. So oder so ähnlich konnte man es in den letzten Tagen und Wochen immer wieder in Presse und Online-Medien lesen. Hintergrund zu dieser Meldung waren gleich zwei Entwicklungen der letzten Zeit. Zum einen hat die neue chinesische Führung unter Generalsekretär und Staatspräsident Xi Jinping die Politik- und Wirtschaftselite des Landes dazu verdonnert, ihren "prahlerischen" Lebensstil, inklusive der Zurschaustellung teurer und teuerster Rotweinflaschen einzuschränken. Zum anderen hat sich das chinesische Wirtschaftswachstum gegenüber den schwindelerregenden Raten der jüngeren Vergangenheit deutlich abgeschwächt, wie der Wine Spectator in einem längeren Artikel analysiert.


Schluss mit Margaux, Latour und Laffite - die KP Chinas möchte den Konsum der prestigeträchtigen Bordeauxgewächse - hier La Mission Haut-Brion - eindämmen. (Foto: E. Supp)

Hinzu kommt offenbar die Tatsache, dass auch die fanatischsten chinesischen Etikettensammler bzw. -trinker mit den Jahren von der Preisralley ohne Grenzen ein wenig müde waren und schon seit einiger Zeit mehr auf Preise und das Preis-Leistungsverhältnis ihrer Erwerbungen achten. "The brand era is over. Now they are looking for taste and value" (Die Ära der Marken ist zu Ende. Heute suchen sie nach Geschmack und Preiswürdigkeit), glaubt der Sommelier des Shangri-lá-Hotels in Qingdao, den winespectator.com zitiert.

Ein wenig liest sich die aktuelle Berichterstattung allerdings als solle dem China-Hype jetzt der China-Skeptiker-Hype folgen, und der könnte letztlich genauso übertrieben sein, wie der fast schon religiöse Glaube an den chinesischen Markt in den letzten Jahre. Tatsache ist, dass dieser Markt auch 2012 noch um 10 % in der Menge und um 16 % im Wert wuchs, was allerdings gegenüber den Wachstumsraten der vorangegangenen fünf Jahre (seit 2006), die bei 32 % jährlich lagen, wirklich nicht mehr sehr viel war. Interessant war dabei übrigens, dass praktisch alle Lieferanten auf dem chinesischen Markt auch 2012 noch Zuwachsraten verzeichnen konnten - Ausnahme Deutschland, das um 4,6 % weniger ins Reich der Mitte exportierte, wie wine-business-international.com berichtet.

Nach wie vor wird der chinesische Importmarkt von Frankreich dominiert, das knapp 48 % der Mengen liefert. Australien, Spanien, Chile, Italien und die USA folgen auf den Plätzen. Überdurchschnittlich gut schnitten übrigens Schaumweine ab, die auch 2012 noch ein Wachtum von knapp 60 % im Volumen und sogar knapp 70 % bei den Erlösen zulegte. Hier war auch Deutschland noch in gewissem Umfang erfolgreich und legte um 6,4 % in der Menge, leider aber nur um 2,2 % im Wert zu. Dass die aktuellen Absturzmeldungen vielleicht doch nicht so heiß gegessen werden sollten, wie sie gekocht wurden, zeigen auch die jüngsten Zahlen des australischen Exports nach China, die decanter.com gerade erst veröffentlichte: Der legte Anfang dieses Jahres wieder zu, wobei offenbar vor allem die teureren Qualitäten überdurchschnittlich Boden gut machen konnten.

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