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Krieg der Winzer in Montalcino


(14.06.2013) -  

Montalcino kommt nicht zur Ruhe. Nach den Auseinandersetzungen um die "reine Wahrheit" im Brunello-Wein, sprich, um die Reinsortigkeit des berühmten toskanischen Roten, kam es in der Folge des Anschlags auf die Weine eines der berühmtesten Winzer, Gianfranco Soldera von Case Basse, zu heftigen Auseinandersetzungen, die wohl in Kürze vor Gericht ausgetragen werden. Dem Anschlag waren mehrere Jahrgänge der teuren Weine Solderas zum Opfer gefallen, als ein rachsüchtiger ehemaliger Angestellter des Betriebs dort einbrach und die Hähne an fast allen Fässer öffnete: Der Wein floss in die Kanalisation.

Montalcino, Brunello-Weinberge (Foto: E. Supp)
Blick von Montalcino über die Weinberge am Nordhang der Gemeinde und die Crete Senesi. Beruhigende Wirkung auf die Gemüter der Erzeuger haben die regelmäßigen Nebel im Tal wohl nicht. (Foto: E. Supp)

Als eine eher symbolische Geste der Solidarität verstand ein toskanischer Weinjournalist, Carlo Macchi, seinen Vorschlag an den örtlichen Weinbauverband, alle Erzeuger sollten eine kleine Menge Weins stiften, der dann zugunsten Solderas verkauft werden könne. Dass Soldera diese Gabe annehmen würde, hatte Macchi, den wir kürzlich im Piemont trafen, selbst nicht geglaubt, allerdings auch nicht geahnt, welches Chaos er auslösen würde.

Das Konsortium hatte den Vorschlag nämlich prompt aufgegriffen und ihn Soldera unterbreitet, der ihn dann allerdings so verstand - ob er ihn nur so verstehen konnte, sei einmal dahingestellt -, er solle den Wein von Kollegen unter seinem eigenem Namen verkaufen. Was der als extrem schwierig bekannte Winzer natürlich tief beleidigt ablehnte und das Konsortium in einer Stellungnahme kritisierte, dessen Vorhaben komme einem Betrug am Verbraucher gleich.

Daraufhin stieg das Konsortium seinerseits auf die Barrikaden und verklagte den Winzer wegen Beleidigung: Konsumentenbetrug wollte man sich dann doch nicht vorwerfen lassen. Ob jetzt, wie allseits erwartet, Soldera seinerseits das Konsortium verklagen wird - einen Grund, da sind sich alle Beobachter sicher, wird er unschwer finden - oder ob die Lachnummer sich noch gütlich auflösen lässt, kann derzeit nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Fest steht, dass die Krise in Montalcino offenbar dafür gesorgt hat, dass sämtliche Nerven gründlich blank liegen.

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