WorldWine News

Parker verkauft sich an Weinhändler


(24.12.2012) -  

Dass Robert Parker jr., der umstrittene amerikanische "Weinpapst", zumindest einen Teil seines Verkostungs-Newsletters "The Wine Advocate" verkauft hat, war in den letzten beiden Wochen das wohl meist diskutierte Thema der Weinwelt. Wie die französische Agentur AFP meldete, soll der Kaufpreis 15 Mio. US$ betragen haben, wobei aber offenbar nur ein - nicht näher spezifizierter - Anteil an der Publikation den Besitzer gewechselt haben soll. Gemunkelt wird von einer Beteiligung in Höhe von ca. 50 %. Der neue (Mit)Eigner des "Wine Advocate" ist eine Gruppe von Investoren aus Singapur, letztlich aber wohl nur ein einziger Protagonist, der Weinhändler Soo Hoo.

Soo Hoo ist Gründer einer der bedeutendsten Weinhandelsfirmen des asiatischen Raums, Hermitage Wines, deren Mehrheit inzwischen seiner Ehefrau, Josephine Ng Choo Ping gehört, wie decanter.com berichtet. Von den etwa 1,4 Mio Aktien der Firma laufen knapp 550.000 auf ihren Namen, ihm gehören immerhin noch gut 530.000.

Vor allem in Online-Medien und Blogs wurde viel darüber spekuliert, dass mit dem (Teil)Verkauf und der evtl. folgende Einstellung der Printversion des "Wine Advocate" - die Publikation soll in der Folge nur noch online zu beziehen sein -, die definitive Hinwendung zum und Expansion auf den asiatischen Märkten vollzogen werde. Angesichts der seit Jahren bei ca. 50.000 Exemplaren stagnierenden Auflage des WA könnte das tatsächlich eine mögliche Strategie sein. Für eines solche Strategie spräche auch, dass die bisherige Statthalterin Parkers, Lisa Perotti-Brown, die selbst in Singapur lebt, bereits jetzt als künftige Chefredakteurin der Publikation kommuniziert wurde.

Die Interessen Soo's dürten jedoch ganz anderer Natur sein. Der Weinhändler, der mit seiner Firma einer der big player auf dem Markt von Primeurverkäufen ist, mit starkem Sortiment aus Bordeaux, Burgund und Rhônetal, könnte versucht sein, nicht nur den Weinen seines eigenen Sortiments positive Bewertungen zu sichern, sondern auch ggfs. Insiderwissen über noch nicht veröffentlichte Bewertungen vorab für's eigene Geschäft zu nutzen. Warum sich ausgerechnet die Briten, traditionell eines der Länder mit den stärksten Verbandelungen zwischen Weinkritik und Weinhandel, über diese Art massiver Interessenkonflikte aufregen, erschließt sich uns allerdings nicht wirklich.

Sie können unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Lesen Sie auch:
Götterdämmerung bei Parker?
Misst Robert Parker mit zweierlei Maß? - Journalismus und Ethik
Merkwürdige Bestenliste beim US-Guru


... und kaum habe ich diese

... und kaum habe ich diese News veröffentlicht, wird es auch schon dem einen oder anderen in den USA ganz blümerant .. http://feedproxy.google.com/~r/blogspot/GuSC/~3/ZKNIOivBYWY/

Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.