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Russland: Weinpresse unter Beschuss


(15.11.2012) -  

Russlands Regierung unter Wladimir Putin, die bereits vor einigen Monaten sämtliche Alkoholwerbung verbot, hat jetzt zu einem noch drastischeren Rundumschlag ausgeholt. Mit dem Beginn des kommenden Jahres soll, glaubt man einem Artikel der "The Moscow Times", der auf winenews.it zitiert wird, auch jegliche Erwähnung einzelner Produkt- oder Markennamen alkoholischer Getränke in den Medien verboten sein. Danach dürfte zwar noch ganz allgemein beispielsweise über Wein geschrieben bzw. gesprochen werden, aber weder können einzelne Weine noch einzelne Erzeuger namentlich genannt werden. Für die spezialisierte Weinpresse könnte dies das definitive Aus bedeuten, obwohl die russischen Weinschreiber selbst das Ganze offenbar nicht so dramatisch sehen, wie ihre italienischen Kollegen.

Eleonora Scholes jedenfalls, eine der bekanntesten russischen Weinfedern, hat uns auf Anfage mitgeteilt, dass "Werbung weiterhin erlaubt (bleibe) in Printmedien, die am Point of Sale (Handel, Gastronomie) verteilt werden." Da dies ohnehin der traditionelle Vertriebsweg der wenigen spezialisierten Veröffentlichungen des Landes sei, sehe sie in den Putin'schen Maßnahmen noch keine existenzielle Bedrohung.

Für viele Wein-Exportnationen, besonders jene, die sich in letzter Zeit mit ihren Exporterfolgen auf dem russischen Markt schmückten, stellt sich die Frage nach dem zukünftigen Engagement. Anzeigen können außerhalb der extrem spezialisierten Titel nicht mehr geschaltet werden, die Weinmedien als Kommunikationsorgane fallen für die einzelne Appellation, den einzelnen Winzer aus - da bleibt wohl nur die Präsenz auf Weinmessen wie der Ende Oktober in Moskau abgehaltenen russischen Vinitaly-Ausgabe (s. z. B. hier ...), die sich offenbar guten Publikumszuspruchs erfreute. Sollte der Weinmarkt allerdings infolge der neuen Politik generell schrumpfen, könnten sich auch solche Engagements und Investitionen rasch als sinnlos erweisen.

Es bewahrheitet sich einmal mehr, dass die so genannten neuen Weinmärkte mit diktatorischer Vergangenheit bzw. Gegenwart äußerst unberechenbare und unsichere Kantonisten sind. Das gilt wohl nicht nur für Russland, auf das einige Exportnationen wie beispielsweise Südafrika große Hoffnungen gesetzt haben - jedenfalls rühmt man sich der enormen Zuwachsraten auf dem russischen Markt -, sondern eventuell auch für China, sollte dort das dortige generelle Wirtschaftswachstum einmal einen kräftigeren Knacks bekommen und die Führung gegen dogmatischere, noch rückwärtsgewandtere Kader ausgewechselt werden.

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