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Südafrika: War die WM ein Flop für den Weinbau?


(18.12.2010) -  

Die jüngst von der südafrikanischen SAWIS (South African Wine Industry Information & Systems) veröffentlichten Zahlen lassen die euphorischen Berichte im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in anderem, deutlich kritischerem Licht erscheinen. Die SAWIS-Zahlen zeigen, dass der südafrikanische Inlandkonsum im WM-Jahr (November 2009 - Oktober 2010) zwar marginal gestiegen ist (+ 1,6 % auf knapp 3 Mio hl), dass dafür aber der Export insgesamt um 3,3 % sank, wofür der starke südafrikanische Rand und die Weltwirtschaftskrise verantwortlich gemacht werden. Damit bestätigt sich eine Tendez, die sich bereits in den Acht-Monats-Zahlen (s. hier ...) angedeutet hatte. Ob die WM jenseits dieser aktuellen Zahlen für einen weltweiten Imagegewinn südafrikanischer Weine gesorgt und damit die Basis für positive Tendenzen in der Zukunft gelegt haben könnte, steht derzeit allerdings in den Sternen und wird sich erst mittel- oder längerfristig wirklich beurteilen lassen. Wenn sich herausstellen sollte, dass die WM keinen langfristigen Zuwachs beschert oder sogar einen Exportrückgang hinterlassen haben sollte, hätten die Südafrikaner mit ihren massiven, auf die WM fokussierten PR- und Werbebudgets allerdings mit Zitronen gehandelt - eindeutig zum Schaden des sehr guten, klassischen Marketings der vergangenen Jahre.

Insgesamt schätzt SAWIS, dass die Menge unverkauften Weins zum 31. Dezember 2011 mit 3,93 Mio hl um fast ein Siebtel höher liegen könnte als zum Ende dieses Jahres. Offenbar betrifft der Rückgang der Exporte Fassware und gefüllte Qualitäten gleichermaßen, was insofern positiv wäre, weil die Gefahr eines Preisverfalls, wie ihn Australier und Neusseländer erlebten, geringer ist. Deutschland steht in der Exportstatistik der Südafrikaner mit einem Zuwachs von 7 Prozent übrigens immer noch sehr gut da, wie drinktank.blogg.de schreibt, wobei der Fassweinanteil am Gesamtexport hierzulande traditionell allerdings noch immer sehr hoch ist.

Immerhin haben die Südafrikaner im Unterschied zu anderen Ländern der Neuen Welt offenbar erkannt, dass ihre Chance nicht im Downgrading liegt, was nur in einer endlosen Preisspirale nach unten resultieren kann, sondern dass die einzig vernünftige Strategie bei steigendem Preisdruck darin besteht, die Weine in den höherpreisigen Segmenten zu halten. Dazu soll offenbar auch ein neues Weinsiegel beitragen, mit dem das Land erstmals nachhaltige Weinerzeugung (mit besonderem Augenmerk auf den Schutz der Artenvielfalt) auszeichnet und für den Verbraucher kenntlich macht. "Integrity & Sustainability Certified" wird auf dem Zusatzetikett zu lesen sein, das entsprechend geprüfte Weine in Zukunft tragen werden.

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Hallo Eckhard, Hier noch ein

Hallo Eckhard,

Hier noch ein Link in Sachen UK & Südafrika Weinexporte, der dich interessieren dürfte. Stammt von unserer WOSA UK – Managerin. http://www.wosa.co.za/wosa_world_article.php?id=1368

Ich bin mir auch nicht so sicher, wie sehr die WM mengenmäßig die vom Preisdruck und Verdrängungswettbewerb bestimmten Spielregeln des Handels hier durchbrechen konnte. Für die Südafrikaner bzw. für uns wird sich zeigen, wie der WM-Effekt, den wir einfach mal abkürzen auf “Steigerung des Bekanntheitsgrades” in eine “langfristigen Sympathiewert” wandeln können. Zunächst sind wir dankbar, dass jetzt viel mehr Menschen wissen, dass es in Südafrika gute Weine gibt und dass die Weinregionen mit ihrer tollen Landschaft ein Eldorado für Gourmets darstellen.

Ich persönlich bin sehr gespannt auf 2011. Es sieht ja der gesamte Weinmarkt nicht sehr rosig aus und wir rechnen mit kritischen Veränderungen, für die es auch (bei uns) keine Erfahrungswerte gibt. Es ist auch nicht möglich, entgegen dem klassischen Produktlebenszyklus immer nur nach oben zu segeln. Irgendwann gibt es eben einen Knick. Nur hoffe ich, und wir setzen wir alles dagegen, um keine Steilvorlage nach unten zu erleben. Und jedes Mal wenn ich wieder einen unserer Weine von den renommierten Winzern im Glas habe, macht sich Erleichterung breit, Südafrika hat einfach so viel Gutes zu bieten. Nur, wie wir Konsumenten für mehr “Qualität” erschließen können, dass ist mir auch Ende 2010 noch ein großes Rätsel....

Viele Grüße aus dem weißen Süden sendet
Petra

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