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Südafrikas Export wächst weiter - mit Fassweinen


(22.01.2013) -  

Südafrikas Weinexporte haben auch im Jahr 2012 erneut deutlich zugelegt. Nach 3,504 Mio. hl im Vorjahr "schafften" die Exporteure vom Kap bis Dezember die stolze Menge von 4,09 Mio. hl, ein Plus von 17 %. Anders als in den Vorjahren war Deutschland allerdings diesmal nicht das Vorzeigeland, bleibt allerdings zweitwichtigster Markt: Nach 0,82 Mio. hl 2011 wurden hier 2012 nur noch 0,775 Mio. hl verkauft. Wichtigstes Ausfuhrland für die Südafrikaner bleibt nach wie vor Großbritannien, das nach 0,81 Mio. hl wieder 0,91 Mio. abnahm. In der Menge leicht verloren haben Schweden, die Niederland und Dänemark, während Osteuropa (in der Statistik, die uns vorliegt, wird leider kein Unterschied zwischen den einzelnen Ländern gemacht), die USA und Kanada teilweise erheblich zulegen können.

Die südafrikanische Erfolgsbilanz wird allerdings weiterhin durch eine Tendenz getrübt, über die wir wiederholt berichtet haben: Ein immer größerer Teil der südafrikanischen Produktion wird nicht mehr in Flaschen gefüllt, sondern als Fass- besser Tankware exportiert.


Die Weinberge von Stellenbosch, Südafrikas bekanntestem Anbaugebiet. (Foto: E. Supp)

Auch 2012 hat sich dieser Trend noch einmal beschleunigt. Während die Ausfuhren gefüllter Weine mit ca. 10 % in der Menge rückläufig waren - Deutschland zeigt da mit einem Minus von 4 % unter den großen Abnehmerländern noch die größte Stabilität -, legte der Fassweinexport um 44 % gegenüber 2011 zu. Gut 60 % des südafrikanischen Weins wird inzwischen im Ausland gefüllt, ein Anteil, der erst in einigen Jahren erwartet worden war.

Damit wird nicht nur ein Teil der Wertschöpfungskette aus dem Land ausgelagert, sondern auch die Kontrolle über die Qualität dessen, was als Wein aus Südafrika weltweit verkauft wird, aus der Hand gegeben. Das nicht nur, weil es in vielen Ländern erlaubt ist, südafrikanischen Weinen 15 % anderer Provenienzen beizumischen, sondern weil nach Schätzungen 20 - 30 % des Fassweinexports gänzlich "anonym", ohne Ursprungskennzeichnung erfolgt. Das Beispiel Australien, das sich mit diesem Fassweinhandel in letzter Konsequenz seine Exportbilanzen ruinierte, scheint in Südafrika keine abschreckende Wirkung zu haben.

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In der Tat – die steigende

In der Tat – die steigende Tendenz des globalen Fassweinhandels ist für Südafrikas Weinwirtschaft eine kritische Entwicklung. Su Birch, CEO Wines of South Africa, bringt es auf den Punkt: „Natürlich richten unsere Winzer ihr Augenmerk primär auf die Steigerung ihrer Flaschenweinexporte – zum einen, weil es dem Image des Weinlandes Südafrika besser bekommt, und zum anderen, um wichtige Arbeitsplätze in der Verpackungsindustrie zu erhalten und den Weinerzeugern eine nachhaltige Wertschöpfung zu ermöglichen.“ Die steigende Nachfrage nach südafrikanischen Flaschenweinen in Ländern wie Nordamerika, Japan und China sowie einigen wohlhabenden afrikanischen Staaten, in denen die WOSA in den letzten Jahren die Marketingmaßnahmen verstärkt hat, motiviert die Südafrikaner, diese Märkte weiter zu forcieren. Auch den Südafrikanern wird es – wie u. a. auch den Australiern – nicht gelingen, die harschen Gesetzmäßigkeiten der Märkte, vor allem der Massenmärkte, zu ändern. Südafrikas Weine überzeugen sowohl Einkäufer als auch Konsumenten in puncto Qualität, verbrauchergerechte Geschmacksprofile, Verfügbarkeit sowie weitreichende Bekanntheit – und damit erfüllt das Weinland Südafrika die elementaren Erfolgskriterien.

Ziel ist und bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit des unternehmerischen Handelns! Wird es südafrikanischen Weinlieferanten langfristig gelingen, ihre Produktionsmethoden so zu optimieren, dass unterm Strich noch was überbleibt um die Zukunftsfähigkeit der Branche zu sichern? Werden die dabei notwenigen Rationalisierungsmaßnahmen den Verlust weiterer wichtiger Arbeitsplätze forcieren? Zu berücksichtigen ist jedoch, dass „Bulkweine“ nicht ausschließlich für den Preiseinstieg adressiert sind. Es finden sich durchaus auch „Overseas Bottlings“ im mittleren Preisbereich, die sich wirtschaftlich gesehen sogar rechnen. Ist also dann nicht einer der zentralen Fragen für Südafrikas Weinsektor, wie sich der Absatz in den Segmenten zwischen 5,99 € und 9,99 € steigern lässt? Da sind aus meiner Sicht die Marketingexperten und Produktmanager – auch auf Erzeugerseite – gefordert, systematisch und professionell die Chancen (auch auf den europäischen) Märkten zu analysieren und gemeinsam mit der Produktionsseite systematisch zu nutzen. Denn die günstigen Angebotssegmente werden nicht verschwinden. Warum auch, denn Nachfrage und Angebot reichen sich abwechselnd die Hand. Und einer kann immer billiger produzieren. Das ist keine große Kunst. Vielleicht finden wir zukünftig vermehrt günstige Qualitäten z. B. aus Russland oder China in unseren Regalen? Bleibt bei all dem nur zu wünschen, dass dabei die Erzeuger nicht auf der Strecke bleiben, während sich die Konsumenten weiterhin über ihre Schnäppchen freuen.

Was die „Anonymität“ der Südafrika Sortimente betrifft: Für den Konsumenten gibt es bereits heute eine Echtheitsgarantie, dass er nicht „anonym“ trinken muss. Trägt die Flasche am Hals das kleine grüne Siegel „Integrity & Sustainability“ kann der Verbraucher sicher sein, dass er ein „Original“ genießt. Denn diese Auszeichnung wird nur Weinen mit „bottled in South Africa“ verliehen.

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