WorldWine Blog

30.12.2012

von Eckhard Supp - Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben nie verstanden habe. Eines davon ist die Tatsache, dass Wein im BiB - Bag-in-box alias Weinschlauch für all diejenigen, die sich mit Abkürzungen nicht so gut auskennen - hierzulande nie richtig populär wurde. Ich habe die praktischen 3-l-Kartons, deren Inhalt durch weitestgehenden Luftabschluss auch nach dem ersten "Anzapfen" im Extremfall tage- oder sogar wochenlang haltbar bleibt, bereits Ende der 1970er Jahre in Australien kennen- und schätzen gelernt.

26.12.2012

von Eckhard Supp - Nein, über Spaniens Weinmarketing muss man wirklich nicht viel Worte verlieren. Das funktioniert schon seit Jahrzehnten nicht richtig, und abgesehen von vereinzelten Initiativen findet das Land in vielen deutschen Medien schlichtweg nicht statt. Nicht etwa, weil die Weine schlecht wären oder sich hierzulande niemand für sie interessierte. So ist es bestimmt nicht unserem Desinteresse geschuldet, wenn unsere letzten Verkostungen von 2009 (Navarra, Extremadura) bzw. 2008 (Ribera del Duero) stammen.

Spanien findet hier nur deshalb nicht statt, weil die Spanier für die Weinkommunikation ungefähr so viel Talent und Hingabe zeigen, wie Mittelamerikaner für's Skispringen oder Grönländer für's Sonnenbaden. Umso erfreulicher ist es dann immer, wenn eine Region, ein Erzeuger oder ein Importeur spanischer Weine sich doch mal bemüßigt fühlen, uns ihre Weine vorzustellen oder uns sogar - quel exploit! - in ihre Region einzuladen. Da Werden dann zwar auch nicht immer Kultweine zu 300 Euro die Flasche ausgeschenkt, aber die Weine sind in der Regel erstaunlich gut, oft sogar ausgesprochen preiswürdig.


Navarra: Hier findet der Weinfreund grandiose Weine zu teilweise lächerlich niedrigen Preisen. (Foto: E. Supp)

04.12.2012

von Eckhard Supp - Es begann mit einer ganz gewöhnlichen Kontaktaufnahme durch einen Schweizer Weinhändler. "Wie Sie ja vielleicht wissen, bin ich der einzige Importeur von Qualitätsweinen der besten Kellereien Zyperns – eine leider immer noch wenig bekannte Weinregion. Diese Weinregion wird nicht den Massenmarkt bedienen können, wird aber mit spannenden Nischenprodukten aus v.a. aus autochthonen Sorten Weingeniesser überraschen", schrieb mir Bernhard Furler von Paphos Weine in Muttenz, und es war besonders ein Nebensatz, der mir Schweißperlen auf die Stirn trieb: "...was in den Weinbüchern steht, ist völlig veraltet, da haben die Autoren schon lange nicht mehr recherchiert...." Da hatte er wohl Recht, und so vereinbarte ich mit ihm, dass er mir einige Proben schicken würde.

21.11.2012

von Eckhard Supp - Der Name Carlos Falcó hat in der Weinwelt einen guten Klang. Selbst viele derjenigen, die ihn noch nie gehört haben, kennen seinen Träger vielleicht unter dem Namen Marqués de Griñon oder haben zumindest schon von den Weinen seines Dominio de Valdepusa aus dem Südwesten der spanischen Hauptstadt Madrid gehört.

   
Öl und Wein - die erlesenen Produkte aus dem Imperium von
Carlo Falcó (Fotos: Hoffmann & Campe, E. Supp)

25.10.2012

von Eckhard Supp - Vor zwei Tagen habe ich an dieser Stelle vom Versuch einer Barolo-Lagenklassifizierung berichtet, die mir der Direktor der Slow-Food-Universität von Pollenzo, Vittorio Manganelli, taufrisch hatte zukommen lassen. Diese Klassifizierung hatte er auf der Basis der Lagenkarten von Enogea vorgenommen, was mich dazu veranlasste, unkommentiert einen Link zu diesen Lagenkarten zu posten, ohne vorher kontrolliert zu haben, wie deren eigene Systematik wirklich aussah. Mea culpa! Denn tatsächlich unterscheiden sich die Ansätze beider Listen recht deutlich.

22.10.2012

von Eckhard Supp - Via Facebook erfuhr ich heute, dass Vittorio Manganelli, eines der Piemonteser Slow-Food-Urgesteine, Direktor der verbandseigenen Università del Gusto in Pollenzo und einer der wichtigsten Mitarbeiter der Enzyklopädie des Italienischen Weins, die ich von knapp 2 Jahrzehnten im ENO Verlag herausgegeben habe, eine Klassifizierung der Lagen des Barologebiets erarbeitet habe.

Auf meine Bitte hin schickte Vittorio mir einen kurzen Text mit der dreistufigen Liste, die er auf der Basis der Lagenkarten von Enogea, der Weinpublikation des einstigen Veronelli-Mitarbeiters Alessandro Masnaghetti, zusammengestellt hat.

22.09.2012

von Eckhard Supp - In einer interessanten Rede hat der EU-Generaldirektor für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, José Manuel Silva Rodriguez, gestern in Palermo die neue Linie der Kommission zur geplanten Abschaffung der Pflanzrechtsbeschränkungen im Weinbau skizziert. Wichtigste Message an alle, die in den letzten zwei Jahren die Illusion hegten, sie könnten eine Vereinbarung, die sie selbst mit ausgearbeitet und verabschiedet haben, einfach wieder rückgängig machen und zum Status quo ante zurückkehren: "... die Rückkehr zu einer konservativen Position (d. h. zum alten Regime der Pflanzrechtsbeschränkungen, d. Red.) ist (für die Kommission) nicht vorstellbar, aber ...

17.09.2012

von Eckhard Supp - Dass die britische Weinzeitschrift Decanter Schwierigkeiten mit Zahlen hat, haben wir bereits in der Vergangenheit mehrfach feststellen müssen, und eigentlich wäre das gar keine Meldung mehr wert. Eigentlich! Beträfe das jüngste Beispiel für die Zahlenakrobatik der Briten nicht ein Thema, das wir in den letzten Monaten wiederholt aufgegriffen haben: die Statistiken der österreichische Weinbranche. "Austria faces huge quantity drop after devastating conditions earlier this year" (Österreich vor enormen Mengenverlusten nach den verheerenden (Wetter)Bedingungen vor einigen Monaten) ist der Artikel überschrieben,

13.09.2012

von Eckhard Supp - Österreichs Weinexport (nicht nur) nach Deutschland braucht offenbar länger, um sich von der Krise zu erholen, als es die optimistischen Einschätzungen der Österreich Wein Marketing (ÖWM) bisher erhoffen ließen. Nach den jetzt vorliegenden Halbjahrszahlen von Statistik Austria (ÖSTAT) und Statistischem Bundesamt (Destatis) sieht es so aus, als solle auch 2012 das Ende des Tunnels noch nicht in Sicht kommen. Dabei unterscheiden sich die Zahlen beider Institutionen wie schon in der Vergangenheit erheblich.

Der jüngste Exportbericht für 2011 und das erste Halbjahr 2012, den wir vor wenigen Tagen von der ÖWM erhielten, liest sich erst einmal wie eine Bestätigung erster Klasse all jener Kritikpunkte,

12.09.2012

von Eckhard Supp - Montepulciano wie? Genau! Nicht vom berühmteren toskanischen Nobile di Montepulciano, der überwiegend aus Sangiovese gekeltert wird, ist hier die Rede, sondern vom Montepulciano d'Abruzzo, dem aus der Montepulciano-Traube. Einer Sorte, der man zwar häufig eine Verwandschaft zum Sangiovese nachsagt, die aber bei weitem nicht das Prestige der Basis von Chianti, Brunello und Nobile besitzt. Selten hat ein Weingesetz so viel Verwirrung beim Verbraucher gestiftet wie das italienische, indem es zwei Herkunftsbezeichnungen mit dem selben, einprägsamen Namen versah!

30.08.2012

von Eckhard Supp - Weinpreise sind unter Weinfreunden eines der leidigsten und meist diskutierten Themen überhaupt. Es reicht, sich die entsprechenden Diskussionen in den sozialen Netzwerken anzuschauen, um zu verstehen, wie viel Leidenschaft dabei meist im Spiel ist. Im Wein liegt Wahrheit? Mag sein, aber in welchem Wein liegt die Wahrheit? In dem für 1,99 EUR oder in dem für 1.500,00? Wie viel müssen die sehr guten, großen Weine der Welt wirklich kosten? 10, 50, 100 Euro? Noch mehr? Und welcher Teil des Preises ist echten Kosten geschuldet, welcher nur ein Resultat von Knappheit und Marketing?

26.08.2012

von Eckhard Supp - Es wird derzeit viel über Wein- und Traubenpreise diskutiert. Für und wider, je nach Blickwinkel und persönlichem Standpunkt. Was ich gerade in der Online-Ausgabe des Corriere del Giorno der apulischen Provinz Taranto lesen musste, hat mir dann aber tatsächlich erstmal die Sprache verschlagen: Fünf Cent, eher sogar noch etwas weniger - das ist der Preis, den Händler aus Neapel und Bari den Winzern des Salento-Weinbauorts Grottaglie derzeit noch "anbieten", wenn man ein solches Wort überhaupt noch benutzen darf.

0 | Tag(s): Apulien, Italien, Weinpreise
20.07.2012

von Daniele Cernilli (www.doctorwine.it) - Bereits seit geraumer Zeit dreht sich eine der Schlüsseldiskussionen unter Weinprofis um den Alkoholgehalt der Weine. Es ist richtig, dass der Klimawandel einerseits und selektivere Techniken der Weinbergsarbeit andererseits, die in der Vergangenheit als Garantie für immer bessere Qualitäten betrachtet wurden, diesen Alkoholgehalt haben steigen lassen. Heutzutage gelten Barolos und Brunellos mit mehr als 14,5 oder Friauler Weißweine mit 15 Vol. % als normal, und nur vereinzelt findet man noch qualitativ hochwertige Weine mit weniger als 13 Vol. % Alkohol. Aber dabei darf man nicht vergessen, dass Italien ein mediterranes Land ist. Unser Klima ist, wie es ist, und unsere Weinbauzonen ähneln in klimatischer Hinsicht weniger dem Burgund oder der Champagne, auch nicht Bordeaux, sondern eher Kalifornien oder der Provence.

02.07.2012

von Eckhard Supp - Nein, nicht über die verlorene Europameisterschaft freuen sich die Deutschen, aber, glaubt man dem Deutschen Weininstitut (DWI), zumindest doch über die aktuellen Weinstatistiken. Diesen Eindruck jedenfalls muss man gewinnen, wenn man die jüngsten Mitteilungen des DWI liest. "Weinkonsum weltweit gestiegen", heißt es da, und Frank R. Schulz, im DWI für die Internetkommunikation zuständig, plusst auf Google fröhlich: "Starten wir mit einer guten Nachricht in die frische Woche!" Wer die Statistiken des Internationalen Weinbüros OIV, Grundlage für so viel Fröhlichkeit beim DWI, etwas genauer liest, kann sich über den versammelten Frohsinn allerdings nur wundern.

31.05.2012

von Eckhard Supp - Im Alter von 80 Jahren ist gestern Aldo Conterno, einer der Großen des Piemonteser Weinbaus, verstorben. Aldo enstammte einer alten Monfortiner Weinbaudynastie, verdiente sich jedoch erste Sporen in Kalifornien, wo man ihn in den 1950er Jahren hingeschickt hatte, um einem Onkel beim Aufbau seines Weinguts im Napa Valley zu helfen. Der unerwartet frühe Tod des Onkels und die Einziehung Aldos zum Militärdienst und zum Koreakrieg brachten diese Pläne jedoch zum Scheitern. Gegen Ende der 1950er Jahre kehrte Aldo ins Piemont zurück, wo er zunächst mit seinem Bruder Giovanni, dem Vater des weltberühmten Barolo Monfortino, zusammenarbeitete.