WorldWine Blog

25.05.2012

von Eckhard Supp - "Österreich zieht sich aus dem Billigsegment zurück", war die Antwort überschrieben, mit der die Österreich Wein Marketing GmbH vor wenigen Wochen auf die kritischen Berichte antwortete, mit denen Mario Scheuermann und ich selbst seit Sommer vergangenen Jahres die österreichischen Exportzahlen kritisch unter die Lupe genommen hatten (s. dazu Quo vadis Austria 4 - Das Imperium schlägt zurück). Im Lichte der jüngsten Zahlen, die Mario Scheuermann heute morgen veröffentlichte (Immer weniger Wein aus Österreich), sieht es wohl eher so aus, als sei Österreich zumindest in Deutschland dabei, sich gleich vom gesamten Weinmarkt zurückzuziehen.

04.05.2012

von Martin Kössler (www.weinhalle.de) - Gerade geht mir ein Newsletter eines Weinhandels-Kollegen zu, der sich dabei schier überschlägt, den Jahrgang 2011 seines offensichtlichen deutschen Lieblingsweingutes anzupreisen. Dabei nimmt die Anzahl der verwendeten Superlative und Adjektive geradezu beängstigende Ausmaße an. Seit 30 Jahren handeln wir jetzt professionell mit Wein. Ein Jahrgang wie dieser scheint an mir bisher vorübergegangen zu sein: Kometenhaft, Geniestreich der Natur und so weiter und so weiter. . .  ich finde diese seitenlangen Ergüsse an Aneinanderreihungen der immer gleichen Worthülsen wenig hilfreich. Liebe Kollegen, glaubt Ihr eigentlich selber, was Ihr da schreibt?

28.04.2012

von Volker Schneider (www.schneider-oenologie.com) - Es war einmal ein Winzer, irgendwo in Rheinhessen oder der Pfalz. So oder ähnlich beginnen viele Geschichten, aber das Anbaugebiet tut hier eigentlich nichts zur Sache, denn gewisse Reflexe sind übergebietlich. Auf jeden Fall hatte der Winzer einen guten Riesling im Keller. Vollreif, schonend behandelt, filtriert und eigentlich füllfertig. Selten habe er ihn so reintönig und fruchtig hingekriegt, meinte er. Nur das letzte Quäntchen Sicherheit fehlte ihm noch, ob der Wein denn wirklich so gut sei oder ob man ihn nicht noch besser machen könne. Schließlich war er in der Sensorik schon immer unsicher gewesen und von all den modernen Zauberpulvern, die er bei den jüngeren und önologisch gut ausgebildeten Kollegen kürzlich gesehen hat, hatte er noch kein einziges zugefügt.

12.04.2012

von Eckhard Supp - Wollen Sie die gute oder die schlechte Nachricht zuerst, lautet eine Frage, die in gefühlt 95 % aller Folgen deutscher TV-Serien nicht fehlen darf. Nun, im Falle der jüngsten südafrikanischen Export-Zahlen, die uns gerade erreichten, ist die gute Nachricht deutlich gewichtiger: Der Weinexport vom Kap brummt! Die schlechte oder zumindest nicht ganz so gute Nachricht: Die Tendenz weg vom Flaschen- und hin zum Fassweinexport, die wir bereits mehrfach diagnostizierten, hält an.

20.03.2012

von Eckhard Supp - Lange Monate hatten wir auf eine Antwort der Österreich Wein Marketing gewartet; am gestrigen Montag kam sie. Wer jedoch auf eine umfangreiche Klärung der Fragen Mario Scheuermanns und meiner selbst gehofft hatte, wurde wieder enttäuscht. Obwohl, ja obwohl, uns die ÖWM im zentralen Punkt unserer Argumentation eigentlich vollumfänglich Recht gab, geben musste.

15.03.2012

von Eckhard Supp - Falsche Exportzahlen, so das Resümee, das Mario Scheuermann und ich selbst kürzlich in unserer Auseinandersetzung mit der Österreich Wein Marketing zogen, haben den Österreichern in den letzten Monaten wiederholt dazu gedient, ihren buchstäblich zusammengebrochenen Export nach Deutschland zu verschleiern und zu beschönigen.

13.03.2012

von Eckhard Supp - "Wirkliches, lesenswertes Storytelling, stilistische Perfektion, medial transportierte Emotion, Einladungen zum authentischen Weinerlebnis sind in fast allen Medien immer seltener geworden oder gänzlich verschwunden." Vor fast drei Jahren hatte ich diesen Satz in einer Betrachtung über die Weinmedien geschrieben, und allzu viel, das muss man ehrlicherweise und auch selbstkritisch zugeben, hatte sich seither in dieser Hinsicht nicht getant. Hatte, denn vor wenigen Tagen musste ich feststellen, dass einige Protagonisten der Weinwelt das Problem offenbar doch erkannt und angepackt haben.

12.03.2012

von Eckhard Supp - "Quo vadis, Austria?", hatte ich vor etwa einem Monat gefragt und dabei Fragen zum österreichischen Weinexport wiederaufgenommen, die sich uns bereits weit früher (Weinimport: Deutschland sortiert sich neu) gestellt hatten. Mario Scheuermann hat jetzt die Herkulesarbeit auf sich genommen, einmal herauszuarbeiten, warum zwischen den österreichischen Erfolgsstatistiken des Jahres 2011 und den weit weniger glamourösen Tabellen des Statistischen Bundesamt in der Frage der österreichischen Weinexporte nach Deutschland eine so riesige Lücke (10 Mio l) klaffte. Stimmt seine Analyse, dann stellt das aber auch die gesamte österreichische Erfolgsbilanz für 2011 grundsätzlich in Frage, ja, verkehrt sie sogar in ihr Gegenteil.

10.03.2012

von Eckhard Supp - Wir haben in den letzten Tagen wiederholt Grund dafür gehabt, uns mit den deutschen Weinhandelsstatistiken auseinanderzusetzen. Die Tabellen des Statistischen Bundesamtes geben bei genauer Betrachtung auch interessante Einblicke, wer die Gewinner und wer die Verlierer der Krisenjahre 2009 und 2010 auf dem deutschen Importmarkt waren. Interessant dabei: Nur die USA (Kalifornien) und Südafrika schnitten unter sämtlichen Gesichtspunkten (Mengen und Werte) positiv ab - alle anderen mussten auf dem einen oder anderen Feld teilweise deutlich Federn lassen.

0 | Tag(s): Deutschland, Weinimport
09.03.2012

von Eckhard Supp - Trend, kein Trend, richtige, falsche Zahlen ... die Diskussion nach meinem gestrigen Beitrag lief vor allem in den Social Media auf Hochtouren, und bei dem einen oder anderen Beitrag konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, ENO WorldWine habe mit dem Artikel in den Augen des Kommentators zumindest Landes- oder Hochverrat begangen. Wir stellten alles immer nur schlecht dar, suchten immer nur das Negative, lauteten die Vorwürfe, und wahrscheinlich macht uns der eine oder andere insgeheim schon jetzt für alle möglichen oder unmöglichen kommenden Krisen im deutschen Weinbau verantwortlich. Dolchstoßlegenden sind halt in diesem Lande immer noch schnell gestrickt.

07.03.2012

von Eckhard Supp - Nein, diesmal musste man auf der ProWein gar nicht besonders hellhörig sein, um das Krachen im Gebälk des deutschen Weinbaus zu hören. Zwischen dem Streit um die Bemühungen der Rheingauer, ihr Erstes Gewächs in Großes Gewächs umzubenennen - eine Ohrfeige für den VDP - und der Aufregung um den sinkenden Marktanteil deutscher Weine im eigenen Land, blieb kaum Zeit zum Luftholen. Die Betrachtungen, die der Hamburger Weinjournalist Mario Scheuermann dann zum deutschen Weinexport anstellte, setzten dem Ganzen die Krone auf.

04.03.2012

von Eckhard Supp - Kaum hatte ich heute auf der ProWein eine längere Diskussion darüber geführt, dass in der perfektionierten Weinwelt von heute die Geschichten, die es Wert sind, erzählt zu werden, immer rarer werden, da hatte ich sie schon. Meine Geschichte!

"WildWux" prangte es in fetten Lettern und nicht ganz sortenreinem Deutsch auf dem Prospekt, den ich am Stand des Weinguts Geyerhof - seit vielen Jahren einer der absoluten Spitzenerzeuger an der Donau - ausliegen sah. Natürlich war meine Neugier geweckt, und Ilse Maier schenkte nicht nur ihren Wein gleichen Namens ein, sondern erklärte mir auch, was sich hinter dem sympathisch klingenden Namen versteckt, was angesichts meines verschnupft-vergrippten Zustands nicht ganz einfach gewesen sein muss.

27.02.2012

von Andreas Bürgel (Querschläger) - Ich verließ die Stadt auf der Ausfallstraße. Im Berufsverkehr sah sie meist aus wie der längste Parkplatz der Republik. Um diese Zeit aber war hier nicht mehr viel los. Das Radio spielte einen Song von Keb Mo und ich begann mich ein wenig zu entspannen.

Als ich die Stadt ein paar Kilometer hinter mir gelassen hatte, kam ich auf eine lange, dunkle und baumgesäumte Straße, an der nur wenig Häuser lagen. Nach einigen Minuten bog ich zwischen Birken in eine Hofzufahrt ein. Auf dem nur schwach beleuchteten Platz vor dem zurück gelegenen Haus befanden sich bereits einige Fahrzeuge. Kombis, Limousinen, die meisten waren Mittelklassefahrzeuge, recht typisch für diesen Anlass. Ich stieg aus dem Wagen und sah Harry auf mich zukommen. Er sah reichlich mitgenommen aus, beinahe ein wenig grün im Gesicht.

15.02.2012

von Eckhard Supp - Dass Robert M. Parker, für viele seit Jahrzehnten der einflussreichste Weinkritiker der Welt, sich in den letzten Jahren immer weiter aus den Verkostungen für seine Publikation "The Wine Advocate" zurückgezogen hat, ist kein Geheimnis. Anfang Februar erst gab er bekannt, in Zukunft auch keine kalifornischen Weine mehr selbst verkosten zu wollen - eine Arbeit, die er Antonio Galloni übertrug, dessen Portfolio damit Italien, die Champagne, das Burgund und Kalifornien umfasst. Jetzt aber wird spekuliert, dass Galloni schon in absehbarer Zeit die Gesamtverantwortung für den Wine Advocate übernehmen und damit auch offiziell zum Nachfolger Parkers werden könnte.

11.02.2012

von Eckhard Supp - Heftig, teilweise sogar sehr heftig waren die Angriffe, und manch einer hatte sogar persönliche Motive und eine Schmutzkampagne unterstellt. Was war geschehen? Der Hamburger Weinjournalist Mario Scheuermann und ich selbst hatten im Juli vergangenen Jahres im Rahmen zweier unterschiedlicher Betrachtungen (Schwere Zeiten für Veltliner & Co. und Weinimport: Deutschland sortiert sich neu) die österreichischen Exportzahlen unter die Lupe genommen und festgehalten, dass der deutsche Markt, traditionell der mit großem Abstand wichtigste für die Winzer von Donau und Neusiedlersee, regelrecht zusammengebrochen war.