WorldWine Gourmet Traveller

November 2002

Ein Hof mit Winzern - Südpfälzer Gastfreundschaft

von André Liebe

 
 
Dass die Beschränkung auf Weine einer Region, ja sogar auf die Weine einer einzelnen Gruppe von Winzern ein durchaus schlüssiges gastronomisches Konzept demonstrieren kann, beweist seit drei Jahren der Salische Hof im pfälzischen Schifferstadt. Carina und Karsten Möller bieten mehr als nur Unterkunft und Verflegung.
 

Es gibt Leute, die behaupten, Schifferstadt habe außer Rettich und Ringern nichts zu bieten. Nun ist gegen das Wurzelgemüse ebenso wenig etwas einzuwenden, wie gegen die Körperkunst, die Schifferstadt schon zu Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens über die Grenzen der Region hinaus bekannt machte. Den Freund feinsinniger Lebensart aber werden sie kaum zum Besuch in der Kleinstadt auf halbem Wege zwischen dem industriellen Ludwigshafen und der Pfälzer Weinstraße bewegen. Gleichwohl erweist sich ein Abstecher inzwischen auch unter genießerischen Aspekten als äußerst rentierlich.


Das Restaurant mit seiner großen Fensterfront zum Garten wie auch die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet und zeigen deutlich die Handschrift der Möllers, die das Haus seit drei Jahren gepachtet haben und hier vor allem "Emotionen" bieten wollen. (Firmenfotos)

“Wir verkaufen nicht Schlafen, Essen und Trinken, sondern bieten Emotionen“, erklärt Karsten Möller, der das Hotel zusammen mit seiner Frau Carina vor drei Jahren pachtete, sein Konzept. Und damit übertreibt er keineswegs. Nicht nur, dass die Beiden dem Drei-Sterne-Haus mit Charme und großem persönlichen Einsatz eine liebevoll individuelle Note verliehen haben. Seit der Übernahme im Mai 1999 legte das Paar noch einmal kräftig Hand an das einstige Hofgut aus dem Jahre 1723, das Mitte der neunziger Jahre komplett renoviert worden war und eine gelungene Mischung aus historischen und modernen Elementen darstellt. Fast südländisches Ambiente herrscht im Restaurant- und Barbereich mit seinen kräftigen Orange- und Gelbtönen.

Individueller Charme

Zunächst einmal freilich ist der Salische Hof ein Hotel, “das vor allem von Geschäftsreisenden frequentiert wird“, wie Möller betont. Dies ist ebenso bedauerlich wie erfreulich. Ersteres, weil das Haus mit seinen 24 geschmackvoll und komfortablen gestalteten Zimmern mehr Gäste verdient hätte. Letzteres, weil sich so am Wochenende auch für Kurzentschlossene in der Regel ein Bett finden lässt. Zum Erlebnis wird der Aufenthalt hier vor allem durch das Restaurant mit seinen 60 Plätzen, und in dem wechselnde Ausstellungen regionaler Künstler die Symbiose aus Tradition und Moderne unterstreichen, die so typisch ist für den Salischen Hof. Maßstäbe haben die Möllers aber vor allem mit ihrer Karte gesetzt, auf der zur aromenreichen Küche mit mediterranem Einschlag zu fast 90 Prozent Weine aus der Pfalz geboten werden.

Um diese Weine dreht sich denn auch bei den Möllers fast alles. Dabei dominieren vor allem drei Namen: Philipp Kuhn aus Laumersheim, Axel Neiss aus Kundenheim und Jochen Schmitt aus Bad Dürkheim, allesamt Jahrgang 1972, die unter dem gemeinsamen Namen “Die junge Pfalz“ auftreten. Seit zwei Jahren sind sie ein fester Bestandteil auf der Weinkarte des Salischen Hofs, und in den vergangenen Monaten bestritten sie dort bemerkenswerte kulinarisch-vinologische Abende - jedes Mal vor ausverkauftem Haus.

Unter dem Motto “Der Salische Hof trifft die junge Pfalz - ein kulinarischer Freundeskreis tischt auf“ kreierte Küchenchef Christian Grimm ein Sechs-Gang-Menü, bei dem die drei Winzer ihre darauf abgestimmten Weine kommentierten. “Das war nicht nur beeindruckend, sondern auch ein Riesenerfolg“, strahlt Karsten Möller. Dass sehr dieses Aufeinandertreffen auch den Weinmachern gefällt, unterstreicht Philipp Kuhn mit einem eher ungewöhnlichen Kompliment an die Adresse des Hausherrn: “Der Möller ist genauso verrückt wie wir.“

Ganz schön verrückt!

Das äußert sich in einer Experimentierfreudigkeit des Küchenchefs, Christian Grimm, der seit August 2000 im Salischen Hof das Zepter schwingt, und der Althergebrachtes mit Modernem verbindet: In Kräuterpanade gebackene Tintenfische zum Beispiel, zu denen eine Riesling-Spätlese von Neiss gereicht wird, oder Blätterteig-Rhabarber-Tarte mit Erdbeerparfait, die von Kuhns Beerenauslese aus der Huxelrebe begleitet wird. Grimm hat sich darauf spezialisiert, seinen italienisch wie französisch angehauchten Speisen-Mix fast ausschließlich aus Produkten der Region zusammenzustellen - die Puy-Linsen und das Pyrenäen-Lamm einmal ausgenommen.


Die jungen Pfälzer bei einem ihrer kulinarischen Abende  unter dem Motto "Der Salische Hof trifft die junge Pfalz"

Das Wechselspiel zwischen regionaler Verbundenheit und dem Blick über den Tellerrand hinaus ist auch kennzeichnend für die drei Jungpfälzer. Zum Beispiel Philipp Kuhn: Der scheut sich nicht, in seinen Weinbergen Huxelrebe zu kultivieren, gleichzeitig aber auch - mitten in der Pfalz - Sauvignon blanc, den er so auszubauen versucht wie an der Loire. Und das, wo er doch eigentlich als Rotwein-Fex gilt, der beim Deutschen Rotweinpreis mit steter Regelmäßigkeit ins Finale vordringt. Oder Axel Neiss, der das Zertifikat für umweltschonenden Weinbau in der Tasche hat, konsequent auf Spitzensorten wie Riesling und Burgunder setzt, aber zugleich erstaunliche Ergebnisse mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah erzielt. Oder Jochen Schmitt, der von sich selbst behauptet, dass jeder seiner Weine ein Experiment sei, der aber trotzdem (oder gerade deshalb?) schon mehrfach bei wichtigen, sehr klassisch ausgerichteten Vergleichen wie dem Riesling- und Rotweinpreis reüssierte.

 Zeitgemäß und traditionsverbunden

“Unsere gemeinsame Vision ist es, zeitgemäße Weintypen zu realisieren. Dabei wollen wir unter Beweis stellen, dass Intuition und Feingefühl des Winzers wichtiger sind als große Namen, Crus und Kapital“, betont Philipp Kuhn stellvertretend für alle und schießt damit auch gleich eine Breitseite auf die einige der berühmteren Namen der Pfalz und ihre Klassifizierungs-Politik ab.

Dieser Glaube an die eigene Leistung ist es auch, was die Winzer vor allem mit dem Gastronomen verbindet. Immerhin verkauft der beachtliche 64 Prozent seiner Weine in der Flasche - eine Quote, von der manch anderer in dieser traditionellen Schankwein-Gegend nicht mal zu träumen wagt. “Dafür“, so Möller, “muss man auch was tun und besondere Highlights anbieten.“ Zum Beispiel die Aroma-Degustationsprobe, bei der Küchenchef Grimm nicht nur die Speisen konsequent auf die Aromatik der begleitenden Weine abstimmt, sondern bei der auch Früchte und ätherische Öle als Vergleichsmuster für die Weinaromen auf den Tisch kommen.

Auch mit anderen "Specials" hebt sich Möller wohltuend von der bodenständigen Schifferstädter Konkurrenz ab. Montags beispielsweise, dem traditionellen Ruhetag, gibt's im Salischen Hof das “Two for one": Für nur 50 Euro wird für zwei Personen ein komplettes Vier-Gang-Menü inklusive einer Flasche Wein aufgetragen. Am Dienstag und Donnerstag, wenn in der Region viele Frauen ohne männliche Begleitung unterwegs sind, steht die “Lady's Night“ mit Aperitif, einer Suppe, der Salatvariation mit Geflügel oder Fisch und einem Dessert für zusammen 19 Euro auf dem Programm. Am Freitag- und Samstagabend schließlich überrascht Christian Grimm mit einem Sechs-Gang-Degustations-Menü für 42 Euro pro Person - zwei Aperitifs, vier Weine und einen Digestiv inklusive. Und an jedem Tag kann “Test your best“ für 33 Euro bestellt werden, wobei der Gast aus der aktuellen und alle drei Wochen wechselnden Karte vier Gänge wählt, die mit vier passenden Weinen serviert werden.

Warum der “Salische Hof“ bislang noch zu den Geheimtipps im Lande zählt, ist rasch erklärt: “Wir machen kaum Werbung, sondern investieren dafür lieber in eine vernünftige Preis- und Qualitätspolitik mit bescheidener Kalkulation“, betont Möller. Dass er dabei einen längeren Atem als ein Großteil der Konkurrenz braucht, ist ihm durchaus bewusst. “Wir setzen eben darauf, dass ein zufriedener Gast wieder zu uns kommt“.

Unser Fazit: Wer einmal im Salischen Hof tafelte und sein müdes Haupt hier bettete, riskiert, zum Wiederholungstäter zu werden.

Salischer Hof, Burgstraße 12 - 14, 67105 Schifferstadt, Tel: 06235-9310, Fax: 06235-931200, e-mail: info@salischer-hof.de, Internet: www.salischer-hof.de, 24 Zimmer - DZ 95 Euro (inkl. Frühstück), ganzjährig geöffnet, Restaurant - 4-Gang-Menü: 38 Euro, 6-Gang-Degustationsmenü: 42 Euro.


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