WorldWine Gourmet Traveller

Juni 2002

Napa im Kraichgau - Heitlingers Weinforum

von André Liebe

 
 
Wer von Baden und seinen Weinen spricht, denkt fast immer an Kaiserstuhl, Markgräfler Land oder Ortenau, Gebiete, in denen nicht nur die meisten, sondern auch die bekanntesten Winzer der Region zu Hause sind. Dabei wird der Kraichgau meist übersehen, jener Landstrich zwischen Karlsruhe und Heidelberg, der erst seit 1996 als eigenständiger Bereich des Weinbaugebietes Baden anerkannt ist. Auch hier aber haben in jüngster Zeit engagierte und qualitätsbewusste Winzer von sich reden gemacht – unter ihnen Ehrhard Heitlinger aus Östringen-Tiefenbach.
 
 
Ein Hauch von Napa Valley empfängt die Besucher im Herzen des Kraichgaus, einem der am wenigsten bekannten Bereiche des Weinbaugebiets Baden. Erhard Heitlinger hat hier mit seinem Weinforum Maßstäbe gesetzt. (Firmenfotos)

Wer sich dem verschlafenen Flecken von Norden her nähert, muss erst einmal dichte Nadelwälder durchqueren, bevor sich die sanften, Reben bestandenen Hügel vor ihm ausbreiten. Hier herrscht tiefste Weinprovinz – keine Spur von den noblen Bürgerhäusern und Adelsgütern, wie sie an Rhein und Mosel oder auch in der benachbarten Pfalz zu finden sind. Auch Erhard Heitlinger fügte sich lange Zeit nahtlos in dieses verschlafene Bild ein und gab den fidelen Winzer, der abends in der Gaststube die Gitarre hervorholt und Schunkellieder anstimmt. Fidel ist es bei Heitlinger auch heute noch. Ansonsten aber ist von dem einstigen Muff nicht mehr viel geblieben.

Wie ein Raumschiff steht das Weingut mit seiner gewagten Architektur, die so gar nicht in die nordbadische Häuslebauerwelt passt, am Ortsausgang. Man denkt eher an Kalifornien, an die Neue Welt, wo Weingüter gleich reihenweise Spitzen-Designer unter Vertrag nehmen, auf dass sie ihnen extravagante Traumschlösser in die Landschaft setzen. Nichts anderes hat auch Heitlinger getan, als er sein “Weinforum“ schuf, einen Hort der Gastlichkeit und viel beachteten kulturellen Treffpunkt, an dem der Wein nicht einmal immer die erste Geige spielen muss.


Erhard Heitlinger, einer der dynamischsten Winzer Badens, ist besonders stolz auf seine Weinklassifizierung in Form von vier "Etagen" - von Basic bis zur Grand Etage. (Firmenfoto)

Es war im September 1997, als Erhard Heitlinger seine blaue Kellerschürze an den Nagel hängte und sein “Forum“ eröffnete. Bis dahin war sein Weingut eines der vielen hundert oder tausend in Deutschland gewesen, in dessen kleiner Besenwirtschaft die klassische Vesper auf den Tisch kam. “Irgendwann hatte ich aber genug vom Konventionellen. Ich wollte, dass auf der Ebene des Weinguts etwas mit Zeitgeist passiert“, betont der dynamische Winzer. Zum frommen Wunsch gesellte sich auch eine gehörige Portion Glück. Denn Erhard Heitlinger wusste seine beiden Söhne auf gleicher Wellenlänge, und hatte einen potenten Freund und Gönner: Klaus Tschira, Mitbegründer des EDV-Riesen SAP im nahen Walldorf und ausgewiesener Liebhaber feiner Genüsse.

Perfektes Gesamtkonzept

Der sorgte im Hintergrund dafür, dass Heitlinger rund 7,5 Mill. Euro in ein neues Kelterhaus und ein Gastgebäude investieren konnte, wo heute unter einem Dach das Bistro, eine Kulturbühne mitsamt Saal für 120 Gäste und natürlich auch die klassische Probiertheke untergebracht sind. Auf seiner Bühne bietet Heitlinger zwei Mal im Monat ein Programm, das von Kleinkunst bis zur Dichterlesung reicht. Dazu finden in der modernen Showküche regelmäßig Kochveranstaltungen mit Prominenten statt.

Nicht die Architektur nämlich, die gewagt rustikale Elemente mit modernem Design verbindet, unterscheidet diesen Betrieb so wesentlich von anderen. Es ist vielmehr das bis ins kleinste Detail durchdachte Gesamtkonzept. Für die Küche hat Heitlinger beispielsweise ein junges, experimentierfreudiges Team engagiert, das alle erdenklichen Freiheiten genießt. Auf die Teller kommt heute eine “Landhaus-Küche“, die sich von mediterranen, fernöstlichen und badischen Ideen inspirieren lässt. Kartoffel-Steinpilzsuppe, Wachtelkotellete auf Ruccolasalat oder Apfeltarte mit Kokosparfait heißen die Kreationen. Dazu wird getrunken, was schmeckt, und bezahlt wird, was getrunken wurde. Statt des klassischen Schoppens kommt hier die Flasche auf den Tisch – abgerechnet wird nach der Menge dessen was tatsächlich konsumiert wurde.

Auch im Service setzt sich das Konzept fort. Unter der Leitung von Bernd Schöpker agiert eine junge Mannschaft, die mit ihrer vielleicht nicht immer perfekten, dafür aber stets fröhlichen Art die Kraichgauer Provinz fast vergessen lässt. Da ist er dann wieder, dieser Hauch von Napa Valley.

Eigenwillige Klassifzierung

Natürlich hatte auch Heitlinger seine Startschwierigkeiten und “am Anfang mehr Personal als Gäste“, wie er sich heute schmunzelnd erinnert. Diese Zeiten gehören freilich längst der Vergangenheit an; heute wird alleine die Gastronomie von 50.000 Gästen im Jahr besucht und was die Weinproduktion des 45-Hektar-Betriebs angeht, so werden zwischen drei und vier Prozent davon alleine im Weinforum ausgeschenkt, weitere 30 Prozent direkt ab Hof verkauft.

Dabei macht es Erhard Heitlinger seinen Kunden nicht leicht, denn der extravagante Winzer schert bei der Bezeichnung seiner Weine ganz bewusst aus dem deutschen Klassifizierungssystem aus und setzt seine eigene “Qualitätspyramide“ dagegen. Die beginnt mit der “Etage Basic“ für den täglichen Genuss, worunter ausschließlich trockene, im Edelstahl vergorene und sortentypisch ausgebaute Weine zu verstehen sind. Als “unsere besonders Leidenschaft“ preist Winzer Heitlinger die “Etage d’Amour“ an, eine Weinlinie mit trockenen Cuvées, die alle im Barrique reifen. Darüber folgt die “Master Etage“ für so anspruchsvolle Rebsorten wie Grau- oder Spätburgunder, die sortenrein im Barrique ausgebaut werden und deren Hektarhöchstertrag auf 40 Hektoliter begrenzt ist. Ganz oben schließlich, an der Spitze der Pyramide, steht die “Grand Etage“, die nur in Spitzenjahrgängen erzeugt wird und deren Weine über großes Alterungspotenzial verfügen. “Das ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber es entspricht eben unserer Philosophie“, so Heitlinger.

Heitlinger weiß dabei die Zeit auf seiner Seite. “Für uns ist der Einsatz von Barrique-Fässern zur Reife und Veredelung der Weine keine Modeerscheinung. Wir beweisen, dass deutsche Weiß- und Rotweine durch gekonnt gesteuerte Reife im Barrique-Fass veredelt werden können“, ist er sich sicher. Und in der Tat gelingt ihm dies von Jahr zu Jahr besser. “Weniger ist mehr, ist Beschränkung auf das Wesentliche.“

Weingut und Weinforum Heitlinger, Am Mühlberg, D - 76684 Östringen-Tiefenbach, Tel: +49-(0)7259-91120, info@heitlinger-wein.de, Website: www.heitlinger-wein.de

Weingut Mathias Mohr Söhne - Mittelrhein (Deutschland)
56599 Leutesdorf
, E-Mail: weingut-mohr-soehne@leutesdorf-rhein.de
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