WorldWine Gourmet Traveller

Juli 2003

Weinkultur unter der Veste

von André Liebe

 
 
Wenn Fritz Keller und Joachim Heger, die beiden Top-Winzer vom Kaiserstuhl, für einen Abend quer durch Süddeutschland touren, wenn sie in Coburg auf ihren württembergischen Kollegen Ernst Dautel treffen und Volker Knipser aus der Pfalz das illustre Trio nur deshalb nicht ergänzt, weil er nur wenige Stunden zuvor Vater wurde, dann müssen schon gewichtige Gründe dafür vorliegen. In Coburg hat der Grund gleich zwei Namen: Bernd Glauben und sein Romantikhotel "Goldene Traube".
 
 
 
(Firmenfoto)

Coburg besitzt zwar mit der Veste eine der gewaltigsten Burganlagen in Deutschland, doch dass sich in der oberfränkischen Stadt mit ihren mittelalterlichen Gassen und den prächtigen Renaissance-Fassaden regelmäßig Genießer aus ganz Süddeutschland einfinden, würde man nicht ohne weiteres vermuten, gäbe es da nicht die „Goldene Traube“.

Das von außen eher unscheinbar wirkende Romantik Hotel wurde von Bernd Glauben und seiner Frau Barbara Woy in den vergangenen Jahren zu einem kulinarisch-vinologischen Glanzlicht gemacht, in dem Wein eine dominierende Rolle spielt.

Das merkt der Gast bereits, wenn er das Foyer betritt und sich rechter Hand die kleine Weinboutique „Wein & mehr“ mit den eleganten weißen Holzregalen ins Blickfeld schiebt. Hier ist der Hausherr ganz in seinem Element, wenn er durch ein Sortiment führt, das internationale Pretiosen umfasst, vor allem aber das Beste beinhaltet, was Franken zu bieten hat. „Dass wir im Hotel, vor allem aber natürlich im Restaurant versucht haben, uns ganz konsequent mit hochwertigen Weinen zu profilieren, war ein harter, aber letztlich erfolgreicher Weg“, sagt Glauben.

Konsequent hochwertig

Und er weiß, wovon er spricht. Immerhin ist er seit sieben Jahren Präsident der Deutschen Sommelier-Union und alleine schon deshalb ein ausgewiesener Experte, wenn es darum geht, über das Thema Wein und Gastronomie zu referieren. „Mich hat es einfach genervt, dass ich nicht richtig über die Weine Bescheid wusste, die wir verkauft haben“, beschreibt er den Anstoß, sich intensiver in die Materie einzuarbeiten.

Das ist allerdings schon einige Jahre her. Vor elf Jahren wollte Glauben sich dann selbstständig machen. „Ich habe ein Projekt mit Zukunftsperspektive gesucht und schließlich die Goldene Traube gefunden“, erklärt er. Was sich heute wie selbstverständlich anhört, erforderte im Jahre 1994 schon eine gehörige Portion Vertrauen in die eigene Stärke. Die „Traube“ war nämlich ein Haus wie viele - erbaut und ausgestattet im mittlerweile etwas befremdlich wirkenden Stil der siebziger Jahre mit einer Küche, die der neue Besitzer heute wohl meinend mit „regional und bürgerlich“ umschreibt.

Lohnende Investition

Seither haben Glauben und seine Frau rund eine Million Euro in die Sanierung gesteckt - eine Investition, die sich freilich längst auszahlt. Die 72 Zimmer sind mit zum Teil frech-poppiger Farbgebung äußerst individuell ausgestattet und genügen auch höchsten Ansprüchen, und die traditionelle Wirtshausgastronomie ist dem Restaurant „Meer & mehr“ gewichen, wo die beiden Küchenchefs Stefan Rupprecht und Thomas Bredenkamp den Namen zum Programm werden lassen und vorzugsweise mit großem Geschick auftischen, was Flüsse, Seen und Meere an Köstlichkeiten zu bieten haben.

„Wir haben richtige Missionsarbeit geleistet in der Stadt, was anfangs ganz schön frustrierend war“, erinnert sich Glauben. Doch mittlerweile ist die „Goldene Traube“ eine feste Größe in der deutschen Gastronomie-Landschaft, wenn es darum geht, kulinarischen Anspruch mit Weinkultur zu verbinden. „Coburg ist durch uns sicher ein wenig weinfühliger geworden“, sagt Glauben, und dabei schwingt viel Stolz in der Stimme mit. Dass heute im Restaurant zum großem Menü gegen einen Aufpreis von nur 17,50 Euro zu jedem Gang ein passender Wein angeboten wird, fanden offenbar zahlreiche Gäste attraktiv und überzeugend. Immerhin werden 60 Prozent der „Menüs“ in dieser Variante verkauft.

Glaubens Zufriedenheit über die vollbrachte Pionierleistung in dieser Region zielt dabei auf einmal so sehr die Standard-Weinkarte ab, die 420 verschiedene Tropfen (davon bis zu 20 im offenen Ausschank) und 100 Spirituosen listet. Was für ihn viel mehr wiegt, ist das Gefühl, „das Thema Wein in ein anderes Licht gerückt“ zu haben. „Wir haben uns für die entsprechende Performance auch die notwendige Kompetenz erarbeitet.“ Mit Performance meint er vor allem den Kalender mit den „Genuss-Veranstaltungen“, bei denen natürlich fast immer der Wein im Mittelpunkt steht.

Neue Horizonte

Vor fünf Jahren, als sie in der „Goldenen Traube“ mit diesen Veranstaltungen begannen, waren Bernd Glauben und Barbara Woy schon froh, wenn 20 sich Gäste zum gemeinsamen Tafeln einfanden. Heute, wenn Keller, Heger und Knipser ihre Spätburgunder einem Vergleich mit den Spitzen aus dem Burgund stellen, müssen sie nicht selten auch Absagen erteilen. Als Beweis für die Richtigkeit seines Konzepts wertet Glauben auch, dass Coburg mittlerweile über zwei ordentliche Weinhändler verfügt, die sich ebenfalls mit Veranstaltungen zu profilieren versuchen. Von Futterneid dennoch keine Spur! Im Gegenteil: “Es ist doch sehr erfreulich, wenn nicht nur einer die Menschen mit der faszinierenden Vielfalt der Weinwelt vertraut macht.“

Alleine könnte Bernd Glauben das umfangreiche Programm in seinem Haus längst nicht mehr bestreiten. Schließlich fungiert er nicht nur als Präsident der Sommelier-Union, sondern ist auch noch im Vorstand der Romantik Hotels aktiv. Seit dreieinhalb Jahren hat er mit Sommelier Matthias Emmert einen ebenso jungen wie versierten Profi für das Tagesgeschäft an seiner Seite. Gemeinsam arbeiten die beiden daran, dass das neue Lokal „Wein & Brotzeit“ ein weiterer Teil der Erfolgsgeschichte wird.

„In diesem Jahr“, kündigt des Hausherr an, „kommt mit den Weinschmecker-Seminaren zudem ein neues Übernachtungs-Arrangement hinzu.“ Es umfasst eine Einführung in die Geheimnissse des Weins mit Verkostung und festlichem Dinner, um das Gelernte zu vertiefen. Wie sagt Glauben so schön: „Wenn man einmal vom Wein infiziert ist, kommt man davon nicht wieder los.“

Romantik Hotel Goldene Traube, Am Viktoriabrunnen 2, 96450 Coburg, Tel: +49-9561-8760, Fax: +49-9561-876222, e-mail: goldene-traube@romantikhotels.com, Website: www.romantikhotels.com/Coburg, Menü ab 26 Euro, DZ: ab 107 Euro, tägl. geöffn., Kreditkarten: American Express, Diners Club, Visa, EuroCard.

Aus unserer Weingutsdatenbank

Ilse Maier
Ilse Maier

@@@ Weingut Geyerhof - Kremstal (Österreich)
Oberfucha 1 - 3511 Furth
Tel: 02739-2259, Fax: 02739-22594, E-Mail: weingut@geyerhof.at, Homepage: www.geyerhof.at
Besitzer: Ilse und Josef Maier
Weinberge bewirtschaftet (ha): 12
Weinbergslagen: Rosensteig, Hoher Rain, Steinleithn, Gaisberg, Sprinzenberg, Kirchensteig, Johannisberg, Goldberg, Richtern
Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder, Gelber Muskateller, Zweigelt, Merlot
jährliche Flaschenfüllung: 80.000
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Ca. 19 ha Weingärten in den besten Lagen des niederösterreichischen Weinbaugebietes Kremstal sind die Heimat der Weine vom Geyerhof. Der Hof ist seit dem 16. Jahrhundert im Familienbesitz und wurde1986 von Ilse Maier übernommen. Heute werden die Weine vom Geyerhof zu drei Vierteln exportiert und erfahren national als auch international große Anerkennung. Stuard Pigott (Wein spricht Deutsch): "Der Grüne Veltliner Steinleithn gehört zur ersten Liga der niederösterreichischen Grünen Veltliner, die Rieslinge sind ähnlich beeindruckend, Riesling Goldberg 2005 – noch ein märchenhafter Wachauer Weingigant." Gault Millau 2008: "Das Ergebnis dieses Jahrganges war überwältigend." A LA CARTE: "Mit der Steinleithn hat sich die sympathische Bio-Winzerin Ilse Maier endgültig in der Liga der Topwinzer etabliert."
Seit 1988 arbeiten Ilse und Josef Maier am Geyerhof nach den Grundsätzen des organisch-biologischen Landbaues. Jahre, in denen beträchtliches Wissen durch jährlich neue Herausforderungen gewachsen ist, stets mit der Gewissheit, den richtigen Weg zu gehen. Auch die angrenzenden Felder werden von der Familie aus Überzeugung nach demselben Prinzip bewirtschaftet. So kann der Wein vom Geyerhof in einer idealen Umwelt aufwachsen - für den vollen Genuss.
Altbewährtes pflegen, Neuerungen annehmen – unter diesem Motto wird am Geyerhof stetig daran gearbeitet, die Entstehungsbedingungen für den Wein zu verbessern. Der Keller ist nach einer neuerlichen Umgestaltung 2007 modern ausgerüstet. Der Hof wurde gefühlvoll restauriert. Am Geyerhof bestimmt der Wein das Leben. Und Lebensfreude das Tun.

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