WorldWine Portrait

Mai 2002

Aufbruch in der Südpfalz

von André Liebe

 
 
Weiter Richtung Süden geht es hier nicht mehr,  nur ein paar Meter noch sind es zur französischen Grenze. Schweigen liegt im südlichsten Zipfel der Pfalz. Im deutschen Weingesetz ist die Gemeinde am Rande des Elsass mit einem Ausnahmeparagraphen verankert, der besagt, dass Winzer, deren Trauben eigentlich schon auf französischem Boden wachsen, aus ihnen höchstoffiziell deutschen Wein keltern dürfen. Begründet ist dieses historische Kuriosum in der Jahrhunderte alten Verbindung zwischen Schweigen und dem nahen Weißenburg, dem heutigen französischen Wissembourg. Wer hier mit den Winzern in die Weinberge fährt, überquert ohne es zu merken die unsichtbare Landesgrenze.
 

 

Klaus Scheu ist einer dieser Winzer, deren Reben in Frankreich stehen. Der 30 Jahre alte Winzer ist dabei, im Süden der Pfalz mit blitzsauberen, schnörkellosen Weißweinen für Furore zu sorgen. Dabei kann Scheu weder mit langen Traditionen noch mit einem idyllischen Gewölbekeller oder sonstigen, werbeträchtigen Trümpfen aufwarten. Erst 1964 hatte Vater Günter damit begonnen, Weine aus Trauben gepachteter Lagen zu keltern. Nach und nach kam eigener Weinbergsbesitz dazu, und in den siebziger Jahren entstand der aktuelle Betrieb.

Heute bewirtschaften Vater und Sohn zehn Hektar Rebfläche. Generationenkonflikte, wie sie andernorts das Klima vergifteten, kennen die beiden nicht, seit Klaus Scheu, den Abschluss als Weinbautechniker in der Tasche, 1995 im Betrieb des Vaters einstieg. "Es war schon toll, wie mir mein Vater die Türen öffnete, so dass ich sofort in die Vollen gehen konnte", erinnert sich der dankbare Filius.

Bei einem Anteil von mehr als 90 Prozent an weißen Sorten wird die Ausrichtung des Hauses Scheu auf den ersten Blick klar. Die Handschrift des Sohnes, der die milden Sorten wie Kerner oder Huxelrebe mittlerweile völlig verbannt hat und konsequent auf Riesling, Weiß- und Grauburgunder setzt, ist deutlich zu erkennen. Traurig ist Vater Scheu über diese Neuorientierung nicht, und strahlt: "Gott sei Dank haben wir jetzt wieder eine Rückbesinnung auf die klassischen Sorten."

Klassisch ist auch der Zuschnitt der Weine der Scheus, so beim Riesling: Der Kabinett präsentiert sich deutlich mineralisch, während beim Hochgewächs die Frucht im Vordergrund steht. Gelungen sind auch Grau- und Weißburgunder, die sowohl als QbA, als Kabinett und als "Selection" angeboten werden, wobei sich hinter der letzten Bezeichnung meist eine Spätlese verbirgt. Alle Weine überzeugen mit feinen und eleganten Fruchtaromen, die von angenehmer Säure getragen werden. Obwohl die Weißen bislang ausschließlich im Stahltank ausgebaut werden, liebäugelt Sohn Klaus damit, demnächst ein paar Holzfässer anzuschaffen.

Weißwein-"Freak" Klaus Scheu ist sein einiger Zeit Mitglied der "Südpfalz-Connexion", ein Name, unter dem sich fünf junge Winzer der Gegend zusammengeschlossen haben, die ähnlich versiert wie Scheu zu Werke gehen. Neben diesem gehören Sven Leiner, Boris Kranz, Peter Siener und Volker Gies der Gruppierung an, wobei jeder der fünf seine eigene Linie beim Weinmachen verfolgt, aber über den Erfahrungsaustausch und das gemeinsame Auftreten bei Weinmessen doch eine gewissen Gruppen-Identität zu Stande kommt.

Neben seinen Weißwein-Klassikern kann Scheu übrigens noch auf ein wirkliches Kuriosum verweisen: die Rebsorte Philipp Cuntz, benannt nach dem Großvater mütterlicherseits. Der hatte sich viel mit Rebveredelung beschäftigt, und dabei auch ein paar Stöcke kultiviert, von denen noch heute niemand genau weiß, was eigentlich in ihnen steckt. "Wir vermuten, dass es sich um eine Mutation von Grau-, Weißburgunder oder Riesling handelt", orakelt Günter Scheu. Analysen haben jedenfalls gezeigt, dass es sich wirklich um eine neue Sorte handelt, die noch dazu bundesweit neu und einmalig ist. 900 Stöcke durften mittlerweile in einer Versuchsanlage ausgepflanzt werden, und mit dem 2001er ist bereits der erste, fruchtbetonte Jahrgang für den Verkauf gefüllt.

Weinhof Scheu, Hauptstraße 33, 76889 Schweigen-Rechtenbach, Tel: 06342-7229, Fax: 06342-919975, e-mail: weinhof.scheu@t-online.de, Öffnungszeiten Sa 8 bis 18 Uhr, So 10 bis 18 Uhr, Mo - Fr nach Vereinbarung.

Aus unserer Weingutsdatenbank

Erich & Walter Polz
Erich & Walter Polz

@@ Weingut Erich & Walter Polz - Südsteiermark (Österreich)
Graßnitzberg 54a - 8471 Spielfeld
Tel: 03453-2301, Fax: 03453-23016, E-Mail: weingut@polz.co.at, Homepage: www.polz.co.at
Besitzer: Erich & Walter Polz
Weinberge bewirtschaftet (ha): 17
Weinbergslagen: Hochgrassnitzberg, Obegg, Theresienhöhe, Grassnitzberg
Rebsorten: Welschriesling, Weißburgunder, Morillon, Sauvignon blanc, Gelber Muskateller, Grauburgunder, Traminer, Zweigelt, Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Spätburgunder
Weinnamen: Große Lage, Erste Lage
jährliche Flaschenfüllung: 700.000
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"Sehr gut bleibt, was immer besser wird!" Dieser Leitsatz der Brüder Erich und Walter Polz gilt als höchste Maxime des seit 1912 bestehenden Weinguts. Mit zahlreichen Auszeichnungen und Spitzenbewertungen zählt Polz heute zu den führenden Weingütern in Österreich. Ende der 1980er Jahre übernahmen sie das Weingut ihrer Eltern und entwickelten es im Laufe der Zeit zu einer Größe von 70 Hektar. Mit dem Grassnitzberg und den später erworbenen Weingärten am Hochgrassnitzberg, am Obegg (beides Große Lagen nach STK-Definition) und an der Theresienhöhe bewirtschaften sie heute einige der vorzüglichsten Lagen der Steiermark.
Die Rieden sind zum sehr überwiegenden Teil mit den regionaltypischen Rebsorten Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller, Welschriesling und Morillon bestockt, Spezialitäten wie Traminer, Pinot Noir oder Zweigelt sowie finessenreiche Cuvées komplettieren das Sortiment. Der Ausbau der Weine erfolgt differenziert, wobei die Linie "Steirische Klassik" mit besonderem Augenmerk auf Fruchtigkeit, Frische und strahlende Sortentypizität im Edelstahl ausgebaut wird. Die Lagenweine gelangen je nach Charakter und Potenzial des Jahrgangs in großen oder kleinen Eichenfässern zur Reife.

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