WorldWine Portrait

April 2003

Champagne-sur-Loire

von Eckhard Supp

 
 
Einst hatte man 8.000 Einzelkunden, und für fast jeden von ihnen gab es eigene Etiketten. Was die Produktionsmengen betraf, schaute man eher mitleidig auf die kleinen Brüder in der Champagne. Aber so beeindruckend die sorgfältig gepflegte Etikettensammlung und ihr geschichtlicher Background heute auch wirken mögen, zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts bedeuteten sie den wirtschaftlichen Tod. Angesichts der stark aufkommenden Champagne, die früh auf starke, einheitliche Marken gesetzt hatte, befand sich Bouvet Ladubay in Saumur an der Loire schnell auf der Verliererstraße. Erst in den letzten Jahren konnte das einst so erfolgreiche Haus wieder an seine Erfolgsgeschichte anknüpfen.
 
 
(Fotos: Eckhard Supp)

 

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts zählte der 1851 gegründete Schaumwein-Erzeuger in Saumur zu den größten der Welt. Seine Produktion überstieg im Jahre 1900 mit sieben Millionen Flaschen bei weitem die der damals bekannten Champagner-Häuser - die produzierten alle zusammen damals nur 14 Millionen Flaschen -, auch wenn natürlich das Prestige der Champagne vor allem im angelsächsischen Ausland größer war als das der Loire-Prickler.

Allerdings machte man bei Bouvet damals einen entscheidenden Fehler: Das Geschäft mit den bis zu 8.000 Einzelkunden lief dermaßen gut, dass man fast die gesamte Produktion unter so genannten "Eigen-Etiketten" der Kunden abfüllte, anstatt, wie es die Champagne frühzeitig begriff und praktizierte, dem aufkommenden Markentrend zu folgen und den eigenen Firmennamen in den Vordergrund zu stellen. Das Resultat war nicht nur die lang anhaltende Bedeutungslosigkeit der Firma Bouvet Ladubay selbst, sondern die der gesamten Schaumweinproduktion von Saumur.

Überzeugende Qualitäten

Seit einigen Jahren aber sind Qualität und Marktdynamik zurück an den Ufern der Loire. Mit einem ausgewogenen Gesamtkonzept von qualitativ hochwertigen Produkten, kulturellem Rahmenprogramm und aktiven Auslandsvertretungen hat die Firma aus Saumur, die seit 1974 zum Imperium der Champagner-Familie Taittinger gehört, es geschafft, wieder im Orchester der Großen mitzuspielen. Eine Gesamtproduktion von drei Millionen Flaschen - davon 10 Prozent im Stillweinbereich und fast ein Drittel unter dem Etikett Saphir - und ein ausgewogenes Produktportfolio haben aus ihr wieder einen der führenden Schaumweinerzeuger Frankreichs gemacht, der unter anderem fast eine halbe Million Flaschen auf dem deutschen Markt absetzt.


Das hübsche Stadtzentrum und der Versand von Bouvet, wo auch die alte Kutsche aufbewahrt wird, mit der die Saumur-Schaumweine früher ausgeliefert wurden.

Von der Konkurrenzfähigkeit der Schaumweine aus den Tuffsteinkellern von Saumur zeugte nicht zuletzt die große Schaumweinprobe, die Ende letzten Jahres für "Die Zeit" in Hamburg stattfand, und auf der die Cuvée Instinct von Bouvet unter den besten Produkten einkam.

Die Weine

Im Unterschied zur Champagne werden bei Bouvet sämtliche Schaumweine aus Chenin blanc und Chardonnay verschnitten, lediglich der Rosé (Cabernet franc) und der Chardonnay 150 bilden hierin eine Ausnahme. Spitzenprodukte sind die bereits erwähnte Cuvée Instinct, ein Brut, der durch feines Perlage, Würze und Frucht in der Nase sowie durch Saft und Kraft am Gaumen überzeugt. Von ähnlich hoher Qualität sind die beiden Markensekte der Linie "Trésor", der Brut und der Rosé brut, von denen vor allem der Rosé mit seiner festen Struktur gefällt.


Das Jugendstil-Ambiente des modernen Kunstmuseums und der von Philippe Cormand gestaltete Lagerkeller unterstreichen die künstlerischen Ambitionen von Bouvet Ladubay.

Auch die Stillweine brauchen sich nicht zu verstecken, und das gilt sowohl für die Roten der Linie Les Nonpareils wie auch für den weißen Saumur blanc sec La Nompareille, von dem der 2000er Jahrgang zu den besten der Appellation zählt. Dass Bouvet keine eigenen Weinberge besitzt, wirkt sich auf die Qualität der Produkte nicht negativ aus, da man mit zahlreichen Winzern langfristige Lieferverträge geschlossen hat, die auch Einfluss auf die Bewirtschaftung der Weinberge zulassen.

Die Kultur

Fast noch beeindruckender als die Produktpalette ist das Marketing-Gesamtkonzept der Firma aus Saumur, das sich zahlreicher kultureller Aktivitäten bedient. Es beginnt in den acht Kilometer langen, beeindruckenden Kellern, die unterhalb eines alten Klosters in den Tuffstein gegraben wurden und im vergangenen Jahren von Philippe Cormand im Stil einer Klosterruine ausgestaltet wurden, einem einheimischen Bildhauer, dem die Region auch einen wunderschönen, unterirdischen Miniaturpark mit spektakulären Tuffstein-Reproduktionen berühmter Loire-Denkmäler verdankt.


Philippe Cormand bei der Arbeit

Mit den alljährlich im April in Saumur stattfindenden "Journées nationales du Livre et du Vin" hat sich Bouvet Ladubay kulturelle Meriten erworben, die weit über die Region hinausreichen und in ihrer Bedeutung für das Markenimage das einstige Engagement im Auto-Rennsport weit übertreffen. Am meisten liegt den Machern von Bouvet, allen voran Patrice Monmousseau, dem Generaldirektor, aber das hauseigene Museum moderner Kunst am Herzen, das in einem ehemaligen Betriebsgebäude eingerichtet wurde und in regelmäßigen Abständen einige der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler nach Saumur bringt.

Bouvet-Ladubay, 1, rue de l'Abbaye St.-Hilaire, St-Florent, F - 49400 Saumur, Tel: +33-(0)241838383, Fax: +33-(0)241502432, e-mail: bouvet-ladubay@saumur.net, Website: www.bouvet-ladubay.fr


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