WorldWine Portrait

März 2003

Der alte Mann und der Wein - Mondavi wird 90

von Erich Grasdorf †

 
 
Die eher nachdenklich stimmenden Nachrichten aus dem weitgestrickten Wein-Imperium wollen nicht so recht zum Anlass passen, aber das wird dem Jubilar die Stimmung nicht verderben. Robert (Bob) Mondavi, Pionier und Monument des kalifornischen Weinbaus, wird 90.
 
 
(Firmenfoto)

 

Aus dem Tagesgeschäft hat Robert Mondavi sich bereits 1994 zurückgezogen, und das Unternehmen wird, nachdem der jüngere Tim zumindest vorläufig von seinen Aufgaben entbunden wurde, von Roberts ältesten Sohn Michael geleitet. Dennoch ist Bob Mondavi, wo immer er auftritt, die Aufmerksamkeit sicher. Sei es, dass er japanischen Geschäftsleuten die kalifornische Weinwelt erklärt, das er sich zum Essen mit Journalisten einfindet - meist in Begleitung seiner Frau Margrit, einer gebürtigen Schweizerin, die fließend Französisch, Italienisch, Japanisch oder Deutsch parliert - oder einfach Urlaub macht, so wie noch im letzten Jahr. In Burma, versteht sich, denn immerhin hat Mondavi sich noch mit 82 Jahren für 39.000 Dollar bei United Airlines das Recht erkauft, bis zum Ende seiner Tage Erster Klasse fliegen zu können.

Bildungsreisen kosten Geld

Natürlich hat der große alte Mann des kalifornischen Weinbaus seine Lebenserinnerungen längst aufzeichnen lassen. "Harvest of Joy", Ernte des Glücks, heißt das Werk, das mit den Worten beginnt: "Im Alter von 52 Jahren hätte ich ein glücklicher Mann sein können."

Hätte! Doch mit der Midlife Crises überkam ihn der Ehrgeiz, Weine machen zu wollen, die mit den großen europäischen Namen Schritt halten konnten. Dafür wollte er sich in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland schlau machen. Reisen aber kostete Geld, zu viel Geld, wie Bobs Bruder Peter meinte.

Damals leiteten die beiden Brüder seit immerhin bereits 23 Jahren die familieneigene Charles Krug Winery im kalifornischen Napa Valley. Mit Erfolg! Krug gehörte zusammen mit Beaulieu, Inglenook, Beringer und Louis Martini zu den führenden Betrieben des Tals.

Doch über das liebe Geld kam es zum offenen Streit. Und zu Roberts Rauswurf. Kaum ein Familienkrach hat der Weinwelt bedeutendere Folgen beschert als der zwischen den Mondavi-Brüdern im Jahre 1965.

Visionen auf To Kalon

Um seine Vision vom kalifornischen Wein im Konzert der Weltbesten zu realisieren, gründete Robert Mondavi 1966 zusammen mit seinem ältesten Sohn Michael in Oakville einen eigenen Betrieb. Er erwarb bestes, unter dem Namen To Kalon bekanntes Rebland mitten im Tal, zwischen dem Highway 29 und den Mayacama Mountains gelegen. Am Rande der Weingärten ließ er sich eine Kellerei im Missionsstil bauen - Glockenturm inklusive. Bis heute ist das Gut ein Wallfahrtsort für Weintouristen.

Sein Plan war, aus Nobelsorten wie Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Chardonnay Weine zu keltern, mit denen er sich im obersten Preissegment etablieren konnte. Um jenes Geld zu verdienen, mit dem dieses Vorhaben zu finanzieren war, musste er jedoch zunächst preiswertere Weine auf den Markt bringen. 1967 war ein erster Chenin Blanc für zwei Dollar die Flasche gefüllt.

Aber Mondavis Vision ging noch weiter: Die verkehrsgünstig gelegene Kellerei sollte auch Besucher aus San Francisco und der Bay Area anziehen. Weinverkostungen während des Wochenendausfluges – diese Art von Tourismus war damals noch gänzlich unbekannt, die meisten Kellereien für Besucher nicht zugänglich.

Wein und Kultur = Weintourismus

Um die ersten Besucher ins Tal zu locken, inszenierte Margrit Mondavi - Bod und Margrit hatten 1980 geheiratet - Konzerte und andere kulturelle, auch kulinarische Veranstaltungen. Ein Konzept, das bis heute funktioniert. Was die Weinrevolution betrifft, die Robert Mondavi in Kalifornien losgetreten hat, so beruhte sie – ausser auf sorgfältiger Arbeit in den Reben –   verkürzt gesagt auf der Temperatur gesteuerten Vergärung in Edelstahltanks und dem Ausbau in kleinen französischen Eichenfässern, den Barriques. Und das nicht nur, was den Rotwein betraf.

Mondavi legte unter anderem auch den Sauvignon Blanc ins Holz und gab ihm in Anlehnung an den Pouilly Fumé den Namen Fumé Blanc. Was sich als genialer Marketing-Trick erweisen sollte. Das alles geschah in der Pionierzeit des Betriebs, die auch Pionierzeit für das Napa Valley war. Sie endete 1972, als die ersten Weine nach Europa exportiert wurden und Furore machten. Was folgte, war die Zeit des Aufkaufs anderer Kellereien und die Gründung von Joint Ventures, die bis heute andauert. "How the Good Life Became Great Business" steht im Untertitel von Mondavis Biografie. Das umreisst die weitere Entwicklung sehr genau. Mondavi wurde zum Global Player und damit für viele Weinpuristen zur Reizfigur. [...]

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