WorldWine Portrait

April 2002

Der Kämpfer von La Morra: Elio Altare

von Eckhard Supp

 
 
ass ihn der Kampf mitgenommen hat, merkt man noch heute, ein halbes Jahr nach dem Sieg. Noch immer schwankt Elio Altare zwischen hektisch-optimistischer Aktivität und tiefen Selbstzweifeln, Spuren, die die fast zweijährige Auseinandersetzung bei ihm hinterlassen haben. Dabei ist Altare, Spitzenwinzer im piemontesischen La Morra, vielleicht der erste oder zumindest einer der ersten, die von der Korkindustrie jemals eine substanzielle Entschädigungen für verdorbene Weine erhielten. Und Kampf war Altare ja durchaus gewohnt, denn der Erfolg fiel dem sympathischen Starwinzer noch nie in den Schoß. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Barolo-Erzeugers...
 
 
Vor allem die Unterstützung seiner Frau Lucia, der beiden
Töchter und vieler Kollegen aus La Morra und Umgebung half
Elio Altare über zwei schwierige Jahre hinweg. (Fotos: Eckhard Supp)

 

Wer Elio Altares Weingut in La Morra, einer der Hauptgemeinden des piemontesischen Barolo-Gebiets, heute besucht, bekommt nicht viel mehr als eine riesige Baustelle zu sehen. Während im Tiefgeschoss die Arbeiten am letzten und Vorbereitungen für den neuen Jahrgang laufen, und in der Verkostungsstube eine Besuchergruppe der nächsten die Klinke in die Hand gibt, hämmern und werkeln über dem Ganzen Bauarbeiter, Zimmerleute, Klempner und Poliere, dass es eine Freude ist.

Die geschäftige, manchmal regelrecht hektische Athmosphäre steht in krassem Kontrast zur Grabesruhe, die hier noch vor wenigen Monaten gelegentlich herrschte. Wein zu verkaufen hatte Altare damals kaum, in der Öffentlichkeit präsentierte er sich selten, und den eigenen Keller betrat er nur noch auf Zehenspitzen, ständig in Angst, Beweise zu zerstören. Der Grund für den ungewöhnlichen Zustand lag schon einige Zeit zurück. Im Frühjahr 2000 hatte Altare, aufgeschreckt durch eigene Verkostungen und Reklamationen, Dutzende von Flaschen seiner letzten Füllung in verschiedenen wissenschaftlichen Instituten analysieren lassen. Das Verdikt, das in der Vergangenheit schon andere Erzeuger getroffen hatte, war eindeutig: Sämtliche Proben zeigten mehr oder weniger manifeste Korkschmecker.

Perfektionist und Kämpfer

Aus Altare dem Winzer wurde Altare der Kämpfer. Mit bis dato nie gesehener Akribie ließ er seinen gesamten Keller bis auf den letzten Quadratzentimeter nach Spuren von TCA - der Substanz, die Verursacher des Korkschmeckers ist - untersuchen. Gleichzeitig verklagte er den deutschen Erzeuger der Korkpartie, mit der er einen Gutteil seiner besten Lagen-Barolos Jahrgang 1997 und einige Flaschen des Jahrgangs 1998 verschlossen hatte. Da Altare - unvorsichtigerweise, wie ihm manche Kollegen ankreideten, aber hinterher weiß man ohnehin immer alles besser! - nur Korken eines einzigen Herstellers benutzt hatte, war die Suche nach dem Schuldigen dabei nicht allzu schwer.

Die Sache ging ihren - in Italien - gewohnten Gang und jedermann, Altare eingeschlossen, erwartete jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit unsicherem Ausgang. Dem Starwinzer drohte trotz massiver Solidarität der Kollegen aus La Morra, trotz der moralischen und finanziellen Hilfe aus der eigenen Familie, der Konkurs. Aber Altare wäre nicht Altare, wenn er den Kampf nicht generalstabsmäßig, perfektionistisch angepackt hätte. Dutzende von Expertisen ließ er anfertigen, und in seinem Keller durfte praktisch keine Flasche der inkriminierten Füllungen mehr bewegt, geschweige denn entsorgt werden, um nur ja keine gerichtsrelevanten Spuren zu vernichten.

Es war nicht das erste Mal, dass Altare um sein Lebenswerk kämpfen musste. Bereits der Übergang des Weinguts vom Vater auf den Sohn war ein wahrer Leidensweg gewesen. Das Weingut war 1948 von Elios Großvater Giuseppe und Vater Giovanni in Dogliani gegründet worden, wo Elio auch 1950 geboren wurde. Gleich nach der Geburt zog die Familie dann in die Cascina Nuova, einem Hof der Borgata Pozza im Ortsteil Annunziata von La Morra. Elio, jüngstes von fünf Kindern, trat schon frühzeitig in den Betrieb ein und brach dafür sogar die Schulausbildung ab. Zu dieser Zeit wurde die Cascina Nuova noch in Mischkultur bewirtschaftet, und Elios erste Aktivitäten bestanden im ambulanten Verkauf von Pfirsischen und Wein in Korbflaschen. Der Großteil des Produkts ging damals an die Genossenschaft Terre del Barolo, in deren Vorstand Elio sogar zwischen 1969 und 1975 saß. [...]

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