WorldWine Portrait

November 2002

Ein Gigant macht sich schön

von Eckhard Supp

 
 
In einer Weinwelt, in der ein bekennendes "small is beautiful" zum guten Ton zu hören scheint, fällt man als Großer, mehr noch als ganz Großer, fast immer unangenehm auf. Das gilt vor allem dann, wenn die Gerüchteküche auf Hochtouren läuft. Die amerikanische Firma Gallo ist solch ein ganz Großer, und die jüngsten Meldungen - durch die Betroffenen allerdings postwendend dementiert - von einem Aufkauf der toskanischen Traditionsfirma Ruffino durch den kalifornischen Giganten, bestätigten die Erfahrung erneut. Da die Verbreitung der Gerüchte zeitlich mit der Einführung der neuen Weinmarke "Coastal Selection" im deutschen Lebensmittelhandel durch Gallo selbst zusammen fielen, waren sie Anlass für uns, einmal die Geschichte dieser ungewöhnlichen Firma nachzuzeichnen.
 
 
Viele der Anbaugebiete Sonomas profitieren von einem ausgewogenen Klima, in dem die Hitze des Tages durch morgendliche Nebel ausgeglichen wird. Die Trauben können so ein Maximum an Aromastoffen akkumulieren. (Alle Fotos: E. Supp)

 

Wer ins kalifornische Central Valley fährt, hat selten mit Wein zu tun. Kilometerweit ziehen sich die Zuckerrübenfelder über die flache, riesige Ebene, unterbrochen nur von einigen Highways und zahlreichen Kanälen. Modesto, die größte und wichtigste Stadt dieser landwirtschaftlichen Industrielandschaft, ist Sitz des größten Weinimperiums der Welt, der E. & J. Gallo Winery. Um das Verwaltungsgebäude im Stil der siebziger Jahre gruppieren sich Dutzende von Keller- und Lagerhäusern, in denen geschätzte 600 Millionen Flaschen Wein und noch einmal die selbe Menge anderer Getränke auf Traubenbasis erzeugt und abgefüllt werden - fast das Äquivalent der gesamten Weinproduktion Deutschlands.

Die Gründer dieses Imperiums, die Brüder Ernest und Julio Gallo, deren Eltern aus dem Piemont nach Amerika ausgewandert waren, begannen schon als Jugendliche, im Weinbau zu arbeiten. Es war die Zeit der Prohibition, und statt aus den geernteten Trauben Wein zu keltern, verschickte man sie kistenweise an die amerikanische Ostküste, wo das in der Not geborene Selbstkeltern zum beliebten Volkssport geworden war. Das Ende der Prohibition, die 1933 aufgehoben wurde, war noch nicht richtig absehbar, da bereiteten die beiden unternehmungslustigen Brüder bereits ihren Einstieg ins Weingeschäft vor. In einem kleinen Lagerraum im Zentrum Modestos begannen sie, aus gekauften Trauben ihre Weine zu keltern - 1934 wurde der erste Jahrgang gefüllt.

Gut 30 Jahre bevor im Napa Valley die Mondavis mit ihrer Pionierarbeit begannen, hatten Ernest und Julio den Markt für einfache, preiswerte Weinqualitäten bereits fest in der Hand. Anders, als es die internationale Weinszene seit ein, zwei Jahrzehnten vormacht, erfolgte die Expansion ihrer Kellerei nie durch den Aufkauf von oder die Fusion mit Konkurrenten, sondern ausschließlich durch Wachstum von innen heraus. Einer der Seiteneffekte dieser Strategie war die Tatsache, dass die Firma über die Jahrzehnte hinweg immer im Besitz der Familie blieb.


Inmitten der Weinberge des Dry Creek Valley, eines der Bereiche von Sonoma County, liegt die jüngste Kellerei der Gallos. (alle Fotos: E. Supp)

Spitzenweine aus dem Modellbetrieb

Dass ein Imperium von diesen Ausmaßen generalstabsmäßige Planung und strategische Weinsicht erfordert, liegt auf der Hand. Allein der Trauben-Ankauf ist eine Jahr für Jahr wiederholte organisatorische Glanzleistung denn Gallo bewirtschaftet ja "nur" etwa 2.000 Hektar Rebfläche selbst und kauft rund 90 Prozent der verarbeiteten Trauben von Vertragswinzern. Neben den riesigen Kellereien in Modesto, Fresno und Livingston im Central Valley besitzen die Gallos eine eigene Glasfabrik, die direkt neben dem Hauptsitz der Firma täglich zwei Millionen Flaschen produziert - man hat hier sogar ein eigenes Verfahren zum Glas-Recycling entwickelt und verarbeitet große Mengen Altglas - und eine Forschungsabteilung, die jedem Universitäts-Institut Ehre machen würde. Hier werden Klimazonen simuliert, Klone, Kreuzungen und Unterlagsreben getestet und Methoden der Schädlingsbekämpfung erfunden. [...]

Aus unserer Weingutsdatenbank

Ress Etikett Erste Lage
Erste Lage von Balthasar Ress

@@ Balthasar Ress Weingut KG - Rheingau (Deutschland)
Rheinallee 7, Hattenheim - 65347 Eltville
Tel: 06723-91950, Fax: 06723-919591, E-Mail: info@balthasar-ress.de, Homepage: www.balthasar-ress.de
Besitzer: Stefan & Christian Ress
Weinberge bewirtschaftet (ha): 42
Weinbergslagen: Hattenheim: Nußbrunnen, Engelmannsberg, Schützenhaus, Wisselbrunnen - Rüdesheim: Berg Schloßberg, Berg Rottland - Erbach: Marcobrunn - Oestrich: Doosberg, Assmannhausen: Höllenberg - Schloß Reichhartshausen
Rebsorten: Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder
Weinnamen: Von Unserm, 55° Nord
jährliche Flaschenfüllung: 365.000
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Das Gut, 1870 vom Rheingauer Hotelier Balthasar Ress gegründet, gehört heute zu den großen familiengeführten Betrieben im Rheingau. Kontinuität im hohen Leistungsniveau und Zuverlässigkeit sind Prinzipien, die seit der Zeit gelten, als Balthasar das Weingut gründete.
Hof, Weinberge und das Wissen um die Erzeugung von Spitzenweinen wurden in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Eine solche Tradition verpflichtet zur Wahrung der Qualitätsgrundsätze und zum schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Heute wird das Gut in der vierten und fünften Generation durch Stefan und Christian Ress geführt.

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