WorldWine Portrait

Dezember 2002

Gestörter Dornröschenschlaf

von André Liebe

 
 
Von überschwänglicher Herzlichkeit waren die ersten Kontakte mit Gumpoldskirchen nicht geprägt. „Hier sind die Menschen eher vorsichtig, schroff. Fast wie ein Spätrot-Rotgipfler“, erinnert sich Stefan Köstenbauer. Inzwischen, ein paar Jahre nach dem Start des Jungwinzers in der traditionsbeladenen Weinbaugemeinde am Hang des Wienerwalds, südlich der Kapitale, hat sich die anfängliche Distanz jedoch längst in eine innige Beziehung verwandelt.
 
 
Mit seinen grellen Fotos hat Stefan Köstenbauer die
verschlafene Thermenregion aufgerüttelt. (Firmenfotos)

 

Stefan Köstenbauer zählt heute in Sachen Wein zu den Hoffnungsträgern von Gumpoldskirchen. Mit seinem unkonventionellen Auftritt, seinen schrillen Etiketten und Weinen, die den Rahmen des Üblichen sprengen, hat er den traditionsreichen Ort der Thermenregion, in dem noch immer weithin behäbige Heurigen-Mentalität herrscht, aus seinem Dornröschenschlaf gerüttelt. Nur wenig mehr als eine Handvoll Winzer hatte es vor ihm geschafft, die Aufmerksamkeit der Weinwelt auf sich zu ziehen wie Gottfried Schellmann, die Bieglers, Zierer, Grill, Thiel, Krug oder das Freigut Thallern.

Der gebürtige Grazer Köstenbauer ist ein klassischer Seiteneinsteiger. „Ich habe mich zwar schon früh mit Wein befasst, aber eben nur als Konsument“, bekennt er. Während des Studiums der Verfahrenstechnik in Wien kam er irgendwann auch nach Gumpoldskirchen, wurde hier schließlich mit Frau Sonja und den beiden Söhnen sesshaft. Ermuntert durch Gottfried Schellmann begann er dann vor drei Jahren – zunächst als Hobbywinzer – eigenen Wein zu keltern. Der Erfolg war so durchschlagend, dass er das Weinmachen nach nur zwei Ernten zum Hauptberuf erkor und auf der jüngsten Weinmesse VieVinum in der Wiener Hofburg als eine der großen Entdeckungen gefeiert wurde.


Der gebürtige Grazer Köstenbauer ist in kurzer Zeit an der Südbahn ihn Gumpoldskirchen heimisch geworden.

Dabei konnte Köstenbauer frei von jeglichen Rücksichten experimentieren. „Da es in meiner Familie keine Weinbau-Tradition gibt, gab es auch keine Tabus“, Worte, denen er Taten folgen lässt. Etwa, wenn er die Weißen bis zu sechs Wochen vergärt, oder sämtliche hochwertigen Weine mindestens sechs Monate auf der Hefe reifen. „Der wichtigste Faktor beim Ausbau meiner Weine ist die Zeit“, erklärt er, „und deshalb brauche ich auch kaum einmal zu schönen. Geschwefelt wird bei mir ohnehin nicht."

Derzeit bewirtschaftet Stefan Köstenbauer sieben Hektar, allesamt in der Gemeinde Gumpoldskirchen gelegen, die er für eines der „weltweit besten Terroirs für Weißweine“ hält. Deshalb setzt er auch voll und ganz auf die Stärken des Gebiets: Mehr als 50 Prozent der Produktion entfallen auf die authochthonen Sorten Zierfandler und Rotgipfler. „Mein Ziel ist es, beide als Spitzensorten auf den internationalen Märkten zu etablieren“, betont er selbstbewusst. Die Qualität seiner Weine jedenfalls stimmt schon, wie man unschwer an der „Gumpoldskirchner Doppelconference“ sehen kann, zwei Cuvées, von denen die spritzige „Classic“-Version im Stahltank ausgebaut wird, während die „Reserve“ zehn Monate in 500-Liter-Fässern reift, um einen dicht strukturierte Wein mit üppiger Würze und dezenten Röstaromen zu erhalten.

Köstenbauers Ziel ist nicht möglichst intensive Frucht, sondern das Herausarbeiten des individuellen Terroir-Charakters der Weine. Besonders gut gelingt ihm das bei seinem „Bricha“, einem mineralischen Verschnitt aus Welschriesling und Neuburger, sowie beim „Bricha Nr. 2“, einem tiefgründigen und eleganten Zierfandler aus dem Barrique. Seiner Vision am nächsten aber kommt für ihn der Goldknöpfel/Oberer Badnerweg, der nach 27 Monaten auf der Hefe enorme Finesse mit Zitrusaromen und große Länge im Abgang zeigt. „Die Möglichkeit, solche Weine zu produzieren, gibt es nur hier bei uns, und sonst nirgendwo auf der Welt“, insistiert er in überzeugtem Patriotismus für seine neue Heimat.

Angaben zu den Rebsorten macht Köstenbauer, entgegen österreichischen Gepflogenheiten, auf keinem seiner Etiketten. „Nicht die Sorte, sondern das Terroir steht für mich im Vordergrund“, betont er und ergänzt, dass er in Zukunft auf biologischen Weinbau umstellen will, um den Terroir-Charakter noch deutlicher zum Ausdruck bringen zu können.

Weinbau Stefan Köstenbauer, Badnerstraße 13, A - 2352 Gumpldskirchen, Tel: 0699-10839369, e-mail. stefan.koestenbauer@eunet.at, Internet: www.weinbau.koestenbauer.at

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