WorldWine Portrait

November 2010

Vier Züricher reif für die (Halb)Insel

von Erich Grasdorf †

 
 
Der Bilck geht über schroffe Kalksteinhügel, zerzauste Nadelwälder, würzige Garigues und endlose Rebzeilen. Ganz in der Ferne das Meer, und über all dem ein leichter Wind, der ganz rasch auffrischen kann und den Weinen ihre belebende Säure mitgibt. Ein Wind aber auch, der aus kleinen Feuern große machen kann, was die Rebzeilen zu nützlichen Brandschneisen werden lässt.
 
 
Die Halbinsel La Clape bei Narbonne im französischen Languedoc (Firmenfotos)

 

Peter Wildbolz und seine Frau Christa genießen den Tagesausklang und die herrliche Aussicht bei einem frischen Glas Weißwein auf der Terrasse ihres Gutes Mas du Soleilla. Seit 2002 ist der ehemalige Chef der Staatskellerei Zürich hier zu Hause. Als alle nur von der Weinbaukrise des Languedoc sprachen, und die Winzer der Region rebellierten, weil sie ihre Moste und Weine nicht mehr loswurden, erwarb Wildbolz hier Rebland. 19 Hektar insgesamt, denn ungeachtet der Krise war er vom Potenzial La Clapes überzeugt.

La Clape ist eine Halbinsel im Osten der alten Hafenstadt Narbonne, der ältesten römischen Siedlung jenseits der Grenzen des italienischen Stiefels. Damals war nicht nur Narbonne eine Hafenstadt am Meer, sondern La Clape auch eine richtige Insel. Beides ist heute nicht mehr der Fall, da die flache Bucht zwischen der Stadt und der Insel über die Jahrhunderte verlandete.


Peter Wildbolz und Christa Derungs, die
Besitzer von Mas du Soleilla auf La Clape.

Peter Wildbolz hatte mit seinen Weinen schnell Erfolg. Zuerst bei Schweizer Gastronomen und Freunden, dann auch in Frankreich, in Skandinavien und Übersee. Auf Mas du Soleilla werden vor allem Rotweine erzeugt, vom eher einfachen – aber beileibe nicht belanglosen – Petit Mars bis zum Clôt de l’Armandier aus bis zu 50 Jahre alten Reben – ein betörender Wein, mit ausdruckstarken Beeren- und Gewürznoten, der lange nachklingt. In besonders guten Jahren gibt es noch je eine weisse und rote Réserve. Was diese Weine gemeinsam haben? Sie sind hervorragende Essensbegleiter, was sie für die Gastronomie besonders interessant macht.

Um den Terroircharakter der Weine hervorzuheben, müssen die Gewächse der Appellation Languedoc (bis 2007 Coteaux du L.) – zu ihr gehört auch der Bereich La Clape – aus verschiedenen Rebsorten verschnitten werden. Bei den roten Sorten sind das vor allem Syrah, Mourvedre, Grenache noir und Carignan, bei den weissen Roussanne, Grenache blanc und Bourbelenc. Vom Bourbelenc mit seiner spürbaren Säure gibt es weltweit noch 500 Hektar, 300 davon allein auf La Clape.

 


Mas du Soleilla liegt direkt neben dem berühmtesten Gut von La Clape, Château L’Hospitalet.

Seinen Ruf als exzellentes Weinbaugebiet verdankt La Clape dem unmittelbaren Nachbarn von Mas du Soleilla, Château L’Hospitalet. Es wechselte wie Mas du Soleilla ebenfalls 2002 den Besitzer, und wurde Eigentum des einstigen Rubgyprofis Gérard Bertrand, der aus einer Winzerfamilie stammt und über reichlich Rebland im Midi verfügt – insgesamt 325 Hektar, davon 82 auf La Clape.

Erfolgreiche Languedoc-Weine

Obwohl Bertrand heute vor allem Markenweine erzeugt, sind einige seiner Weissen durchaus beachtenswert, und die besten Roten – etwa die Spitzencuvées La Réserve und Hospitalitas – gehören zu den vielschichtigsten und größten der Region. Vor allem aber beweist Bertrand, dass man auch Weine aus dem Languedoc erfolgreich vermarkten kann, und sei es nur, weil man ein klares Marketingkonzept hat.


Die Rebzeilen der Appellation La Clape vor den schroffen Kalksteinhügeln der einstigen Insel.

In Fleuy d'Aude, rund 30 Kilometer östlich von Narbonne und wenige Kilometer nordöstlich von Mas du Soleilla, liegt das Château Laquirou. Seine Besitzer  –  das Zürcher Ehepaar Erika Hug und Eckard Harke – betreiben in der Schweiz und Deutschland einige Musikhäuser. [...]


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