WorldWine Portrait

März 2002

Weine von der Hütt'

von Eckhard Supp

 
 
Wenn ein Weingut von den Einheimischen die "Hütt“ genannt wird, ist das an sich schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher als dieser Name aber, der mit Weinbau wenig zu tun haben scheint, sind die feinen Rieslinge und Silvaner, die Alexander Michalsky mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau Ute auf Sankt Antony im rheinhessischen Nierstein aus den Trauben der besten Lagen von der Rheinfront keltert.
 
 
Alexander und Ute Michalsky in ihrem Keller "auf der Hütt'",
dem Weingut St. Antony in Nierstein. (Firmenfoto)

 

Es gibt Leute, die glauben nicht an Zufälle oder das Schicksal, aber bei den Michalskys hat das Schicksal wohl doch von Zeit zu Zeit mitgewürfelt. Oder war es vielleicht kein schicksalhafter Zufall, dass sich Alexander Michalsky und seine Frau Ute beim Studium in Gießen kennen lernten – sie in Ernährungswissenschaft, er in Landwirtschaft eingeschrieben –, obwohl sie sich, wie er betont, „lange aus dem Weg gingen“? Immerhin teilten sie ja eine gemeinsame Leidenschaft für Wein, wie sich herausstellen sollte!

Reiner Zufall vielleicht auch, dass sich die Gutehoffnungshütte 1912 für den Kalkabbau in Nierstein, in direkter Nachbarschaft der berühmten Weinberge des sogenannten Rotliegenden, entschied? Dass man hier nach dem Ersten Weltkrieg ein eigenes Weingut gründete, welches bei den Einheimischen den Namen „Die Hütt‘“ bekam? Nun, immerhin sind die kalkhaltigen Böden besonders geeignet für die Produktion feiner Weine, und dass es nach dem Krieg besser war, die Leute im Weinberg zu beschäftigen, als sie auf der Straße zu lassen, liegt ebenso auf der Hand.

Natürlich war es Zufall, dass kurz nach der Übernahme des Betriebs durch die beiden im Jahre 1977 – Ute Michalsky, die Autodidaktin, wollte die Weinanalysen machen, um im Betrieb „mitreden zu können“ – der Inhaber eines bekannten Niersteiner Labors verstarb, und eine Marktlücke freiwurde? Wahrscheinlich waren aber auch in diesem Fall eher Tatkraft und Entschlossenheit die wirklichen Ursachen dafür, dass sie in die Lücke hineinstieß und ihr Weinlabor schnell zu einem der angesehensten in Rheinhessen machte. Selbst die Konkurrenten Ihres Mannes vertrauen heute ihren Ratschlägen und Analysen – „Wie macht denn der seine Weine?“ – und er profitiert genauso von der engen Zusammenarbeit. „Manchmal gehn wir uns schon auf die Nerven mit dem ständigen „Probier‘ mal!“ an den andern, wenn der gar nicht in der Stimmung ist“, bekennen beide allerdings. Das Schmunzeln ist nicht zu übersehen!

Spezialist für trockenen Riesling

Mit Sicherheit kein Zufall ist es, dass der Betrieb der Michalskys – mit der Einverleibung der Gutehoffnungshütte in den MAN-Konzern 1995 wurde er nach der ältesten Eisenhütte des Ruhrgebiets, Sankt Antony, benannt – heute als eines der drei besten Güter Rheinhessens gilt. Seine Kompetenz – nach dem Studium in Gießen studierte Alexander Michalsky noch an der Weinbauschule in Geisenheim – und beider geübte Zungen wie auch Fähigkeit zur Selbstkritik sorgen dafür, dass die Weine seit Jahren so sortentypisch und reintönig sind, wie man es hier nur selten findet.


 

Nicht jedem Weinpapst gefallen sie, die Michalski'schen Weine, vor allem, seit „trocken“ bei den Kritikern wieder passé, „halbtrocken“ und „lieblich“ angesagt zu sein scheint. Denn Michalskys Gewächse sind zu 90 Prozent trocken. Vier, fünf, manchmal auch sieben oder acht Gramm Restsüße läßt er ihnen maximal, um der Säure die störende Spitze zu nehmen. Gelegentlich greift er sogar zum Mittel des biologischen Säureabbaus, um die Weine auch für empfindliche Mägen verträglicher zu machen. Dass bei den niedrigen Erträgen, auf die sich Michalsky beschränkt – 50, 55 Hektoliter pro Hektar, in Spitzenlagen auch nur 35, statt der üblichen 110 –, die Weine extraktreich und geschmacksintensiv geraten, versteht sich von selbst.

Vor allem kommt es ihm darauf an, die Charakteristika seiner besten Lagen herauszuarbeiten, allesamt Teil des sogenannten Rotliegenden. Das ist eine in von der Saar bis an die Saale, quer zum Rhein-Grabenbruch verlaufende Tonschiefer-Schicht, die sich nur hier an der Oberfläche zeigt und dem Riesling hervorragende Bedingungen bietet. Süd- und Südosthänge sind es meist, wie der Orbel und der Oelberg, aber auch Pettenthal, die nördlichste Niersteiner Lage, bringt trotz ihrer eigentlich ungünstigen Ostlage hervorragende Weine hervor. „Der Wärmespeicher Rhein sorgt für das richtige Klima und am Steilhang geraten die Rieslinge fast moselartig“, erklärt Michalsky.

Silvaner und Rote im Riesling-Land

Ungewöhnliche Vorlieben hat Michalsky ansonsten. Für den Silvaner beispielsweise. „Der wird meist unterschätzt und stiefmütterlich behandelt, kann aber in guten Lagen manchmal fast rassiger werden, als der Riesling. Dazu braucht er vor allem Kalk im Boden. Löß läßt ihn breiter und plumper werden, genauso, wie die zu späte Lese.“ Noch ungewöhnlicher, hier an der Rheinfront, dem Renommierstück Rheinhessens, ist die Aufmerksamkeit, die den Roten gilt. Der Dornfelder ist so blitzsauber und fruchtbetont, wie man es hier nicht erwarten würde.

Natürlich ruhen sich die Michalskys nicht auf ihren Lorbeeren aus. Mehr Rote wollen sie produzieren, bei den Rieslingen nur noch die Top-Weine unter dem Lagennamen verkaufen, diese dann offensiv als „Erste Gewächse“ vermarkten, was bislang nur schüchtern in einer Fußnote der Preisliste geschieht. Dem Zufall jedenfalls, so sehr der vielleicht gelegentlich seine Hand im Spiel haben mag, überlassen die beiden kaum etwas! Schon gar nicht ihre Weine!

So haben wir die Weine verkostet:

**** Niersteiner Riesling 2000 QbA tr.: (Fass) glanzhell, klare Frucht, angenehme Säure am Gaumen

**** Niersteiner Weißer Burgunder 2000 QbA tr.: glanzhell, saubere Frucht, dicht und kräftig

*** Niersteiner Riesling Vom Rotliegenden 2000 Kabinett tr.: (Fass) Nase verschlossen, am Gaumen etwas resch

***** Niersteiner Oelberg Riesling QbA tr. 1999: sehr schöne Frucht, anregend und komplex, Frucht und mineralische Noten am Gaumen, große Fülle

*** Niersteiner Dornfelder QbA tr. 1998: schönes, leuchtendes Rot, weinig-buttrige Nase, weich, angenehm, am Gaumen fruchtig und geradlinig, sehr schöner Wein mit pfeffrigem Abgang

*** Niersteiner Paterberg Silvaner QbA tr. 1998: helles Grünstroh, erdig-fruchtige Nase mit leichten Zitrusnoten, viel Saft und Stoff am Gaumen, schöner Wein.

Weingut Sankt Antony, Wörrstadter Strasse 22, 55283 Nierstein, Tel: 06133 / 5482, Fax 06133 / 59139.

Aus unserer Weingutsdatenbank

Familie Eymael
Familie Eymael

@@ Weingut Pfeffingen - Fuhrmann-Eymael - Pfalz (Deutschland)
An der Deutschen Weinstraße - 67098 Bad Dürkheim-Pfeffingen
Tel: 06322-8607, Fax: 06322-8603, E-Mail: info@pfeffingen.de, Homepage: www.pfeffingen.de
Besitzer: Jan & Doris Eymael
Weinberge bewirtschaftet (ha): 15
Weinbergslagen: Ungstein: Nussriegel, Herrenberg, Weilberg
Rebsorten: Riesling, Scheurebe, Spätburgunder, Weißburgunder
jährliche Flaschenfüllung: 100.000
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Begeisterung und Leidenschaft führen Doris Eymael und ihr Sohn Jan das VDP-Weingut Pfeffingen. Ihr unbedingter Qualitätswille macht diesen pfälzischen Traditions- und Familienbetrieb zu etwas ganz Besonderem. Aus den 15 Hektar Weinbergen charaktervolle, mineralisch-fruchtige und individuelle Weine zu gewinnen, ist das Anliegen der beiden Winzer und Önologen. Der Erfolg gibt Ihnen Recht: Vom einfachen Guts-Riesling bis hin zu den Großen Gewächsen versprechen die Pfeffinger Weine Trinkgenuss für höchste Ansprüche. Zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen bestätigen dies.

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