WorldWine Portrait

Mai 2006

Woman (in) Black

von Eckhard Supp

 
 
Sie sind jung und selbstbewusst, sie arbeiten für die ganz großen Namen des südafrikanischen Weinbaus, Simonsig, Meinert oder Meerlust. Sie sind weiß oder schwarz, Frauen oder Männer und sie fordern die Altvorderen, die Jan Bolands, Beyers Truters oder Johan Malans, auf ihrem eigenen Feld heraus, dem der Erzeugung von Spitzenweinen. Sie sind es, die in die ohnehin nicht schläfrige Weinszene Südafrikas noch einmal frischen Wind bringen. Eine der besten von ihnen ist Allison Adams, ihres Zeichens Assistant Winemaker bei Martin Meinert im Devon Valley bei Stellenbosch.
 
 
Das Devon Valley bei Stellenbosch (Fotos: E. Supp)

 

Es bedurfte gleich mehrerer Zufälle, dass Allison S. Adams - das S in der Namensmitte steht für Samantha -, die 24-jährige Assistentin von Martin Meinert, überhaupt mit Wein in Berührung kam. Im Haus der streng gläubigen Eltern in Atlantis, etwa 50 Kilometer nördlich von Kapstadt - der Vater war Pastor der Gemeinde - waren alkoholische Getränke nämlich streng tabu.

Den einzigen Berührungspunkt mit dem befremdlichen Getränk hatten Bücher hergestellt - in der einen oder anderen Romanze war die Leseratte schon früh auf das Thema gestoßen. Und neugierig geworden! So fiel die Empfehlung ihres Lehrers, sich für ein privates Stipendium an der Weinbauuniversität in Stellenbosch zu bewerben, mit dem jedes Jahr eine kleine, auserwählte Gruppe schwarzer Jugendlicher gefördert wird, immerhin auf nicht gänzlich unfruchtbaren, wenn auch noch immer trockenen Boden - getrunken hatte Allison den Stoff der Träume bis dahin nämlich noch nicht.

Blind date

Richtig begeistert war sie von dem Vorschlag deshalb anfänglich nicht, und so suchte sie sich erst mal ein Buch, in dem sie mehr Informationen fand. Drei Tage dauerte es, und sie war endgültig infiziert, die Entscheidung stand fest: Allison würde Weinbau und Önologie studieren. Das war Anfang 1999, und dann sollte es doch noch bis Mitte desselben Jahres dauern, bis sie das erste Glas Wein verkostete. Mit dem Resultat, dass sie dabei erst einmal nur das Gesicht verzog, wie sie im Rückblick mit Schalk in den Augen verrät.

Schon im darauffolgenden Jahr konnte Allison Adams in den Semesterferien bei einem der renommiertesten Erzeuger Südafrikas, der Rustenberg Winery in Stellenbosch, arbeiten, und 2002 absolvierte sie dort auch ihr obligatorisches Weinbergspraktikum. Was Wunder, dass sie Weine von Rustenberg noch heute auflistet, wenn sie nach ihren Favoriten unter Südafrikas Weinen gefragt wird.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums folgte für Allison ein kurzes Intermezzo beim Weinexporteurverband Wines of South Africa (WOSA). Eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte, weil sie erst hier einen Gutteil ihres Rüstzeugs erlernte, angefangen von so banalen Dingen wie richtigem Telefonieren. Auch eine Adressdatenbank musste sie pflegen, und nutzte gleich ihre Chance. Sie suchte sich die Namen der interessantesten Erzeuger der Umgebung heraus und fing an, Bewerbungsschreiben zu verschicken.

Chance genutzt

Dass sie danach im Weingut von Martin Meinert im malerischen Devon Valley bei Stellenbosch landete, war sicher ein Glücksfall für sie. Nicht nur, dass der sympathische Winzer und Weinmacher - neben seinen eigenen Weinen auch verantwortlich für die Top-Range des Chenin-Spezialisten Ken Forrester, mit dem zusammen er auch ein Restaurant betreibt - als einer der besten in Südafrika gilt. Sein roter Syncronicity, ein Verschnitt aus Cabernet, Merlot und Pinotage, hat das Zeug zum Kultwein, von dem so viele andere Erzeuger des Landes derzeit träumen ... und wahrscheinlich noch lange nur träumen werden. Für Allison ist Meinert darüber hinaus nicht nur ein hervorragender Lehrer, sondern auch ein Genie beim "blending", beim Verschneiden geeigneter Weinpartien, sei es aus verschiedenen Rebsorten oder aus unterschiedlichen Fässern derselben Sorte.

Ihren mangelnden Weinhintergrund sieht Allison heute mitnichten nur als Nachteil, obwohl sie zugibt, dass ihr die Weine der Welt noch weitgehend fremd sind. Nach Europa möchte sie reisen, um ihre Weinkultur zu vervollständigen. Auf der anderen Seite ist sie glücklich, dass sie sich nicht, wie andere ihrer Generation, die aus etablierten Betrieben kamen, mit dem Ballast tradierter, überkommener Vorstellungen von Weinbergs- und Kellerarbeit plagen muss. Offen für Neues, neugierig gegenüber einer Welt, die sie erst noch erobern muss, dabei aber mit so präzisen Vorstellungen von dem, was sie will - Allison Adams bringt alle Voraussetzungen mit, um im Weinbau Südafrikas ihren Weg zu machen. [...]


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