WorldWine Reportage

August 2002

Bordeaux Connection

von Dagmar Ehrlich

 
 
Rund 600 Millionen Euro setzten die Bordeaux-Güter, die ihre Weine per Subskription "en primeur" verkaufen, im vergangenen Jahr um. Damit brachte der schon heute legendäre 2000er genau doppelt so viel ein wie frühere Jahrgänge - ein sensationeller Rekord, wie das Fachmagazin "Wein + Markt" zu Recht schreibt. Mit der Subskription des 2001er Jahrgangs fragt sich die Weinwelt deshalb, ob auf den Höhenflug jetzt der Absturz folgt.
 

 

So etwas hatte selbst das erfolgsverwöhnte Bordeaux noch nicht oft erlebt. Sämtliche Tranchen des 2000er Jahrgangs, die im Frühjahr des vergangenen Jahres "en primeur" angeboten wurden, waren im Handumdrehen vom Markt aufgesogen. Und das zu bis dato nicht gesehenen Preisen! Lagen die Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr bei den kleineren Châteaux noch bei vertretbaren fünf  bis dreißig Prozent, so hatten sich die großen Namen offenbar entschlossen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Subskriptionspreise mit bis zu hunderprozentigen Aufschlägen waren die Folge.

Mit ihrem Subskriptions-Umsatz von 600 Millionen Euro erwirtschafteten nur 300 von insgesamt 10.000 Bordelaiser Châteaux über zwanzig Prozent des Jahresumsatzes der gesamten Region - vor allem für sie boomte der Jahrgang 2000 wie kein anderer zuvor.


Château Petrus, einer der Stars des Bordeauxgebiets
und der 2000er Subskription (Foto: Supp)

Das hatte seine Gründe: Der 2000er sei der beste Jahrgang, der je produziert worden sei, hatte der amerikanische Weinpapst Robert Parker erklärt, und "unbedingt kaufen" empfohlen. Die Händler reagierten über Nacht mit Preisaufschlägen von zwanzig und mehr Prozent. Und die Weinfreunde in aller Welt kauften, koste es, was es wolle. Obwohl die Nachfrage nach hochklassigem Bordeaux in Amerika und Europa stagniert hatte - Märkte, die bis dato eher als Nichttrinker-Länder gegolten hatten, orderten alles, was Rang und Namen hatte.

Der Trick

Der entscheidende Trick der Primeur-Subsription ist, dass die Weine in mehreren Tranchen angeboten werden. Mit der ersten dieser Tranchen wird der Markt auf Angebot und Nachfrage hin getestet. Verkauft sich der Jahrgang gut, wird die zweite Tranche of wesentlich teurer. Die letzte Partie eines Jahrgangs vom selben Château kann dann mehr als doppelt so viel kosten wie die erste. Ähnlich wie an der Börse können die Preise für viel gefragte Weine buchstäblich über Nacht explodieren. So erklären sich vor allem die exorbitanten Preise der so genannten Garagenweine - das sind Weine, die es nur in Kleinstauflagen gibt, und in den letzten Jahren zu heiß begehrten Sammler-Objekten avancierten.

Dieses Verfahren, das im Idealfall viel Geld in die Kassen der Weingüter spült, kann auch für den Verbraucher vorteilhaft sein: Er deckt sich beizeiten mit den gewünschten Weinen ein, zahlt gegen Vorkasse und erhält seine Flaschen zwei Jahre später, wenn der Wein definitiv gefüllt ist, zum Fixpreis, auch wenn der Tagespreis in der Zwischenzeit deutlich gestiegen ist.

Aber Achtung! Verlässliche Vorhersagen sind bei dieser Art von Spekulation, die nach der großen Pansch-Affäre des Jahres 1973 kreiert wurde, um den damals danieder liegenden Markt neu zu beleben, kaum möglich. Denn mit den Bordeaux-Preisen, das bestätigt jeder Händler, geht es wie mit den Börsenkursen: Sie sind einem ständigen, unsteten Auf und Ab unterworfen.

Lohnt die Subskription?

Die Primeur-Subskription lohnt bei berühmten Namen fast immer, selbst in schwächeren Jahrgängen, denn mit den Mitteln der modernen Önologie gelingen auch in solchen Jahren hervorragende Resultate, wie man bei Château Latour oder Château Margaux im Jahrgang 1991 sehen konnte.  Auch für den jüngst vorgestellten 2001er Jahrgang gilt diese Regel. Wo die Trauben penibel ausgelesen und behutsam gekeltert wurden, führte die Mühe zu hervorragenden Ergebnissen.

Allerdings hingen die Trauben des Jahrgangs fast noch am Stock, als schon weithin über die mögliche Preisentwicklung spekuliert wurde. Nach dem gigantischen 2000er Preisniveau - so die vorherrschende Meinung - kam eine weitere Preissteigerung nicht mehr in Frage. Nach der spektakulären Hausse erwartete der Handel, der sich die Keller in den Vorjahren mit vielen Kisten unbekannterer Châteaux voll stopfen musste, um überhaupt ein paar Flaschen der berühmten Namen ergattern zu können, eine generelle Baisse.

Einige der einflussreichsten Händler in Bordeaux griffen sogar zu offenen Drohungen. Sie würden bei zu hohen Preisen den Markt zum Erliegen bringen, signalisierten sie den Château-Besitzern. Und noch einen Super-Gau wie 1997 - die Preise für diesen Jahrgang liegen heute unter (!) dem Niveau der Primeur-Verkäufe - wollten sie nicht noch einmal erleben.

Der 2001er braucht Zeit

Entsprechend zurückhaltend wird denn auch seit dem Start der Kampagne des 2001ers geordert, fast wie beim 90er, bei dem sich die Weinfreunde ebenfalls zunächst sehr zurück hielten. Im Unterschied zu den 2000er Schmeichlern im Stil der Neuen Welt mit ihrer Fruchtfülle und ihren reifen Tanninen, wird der 01er seine wahre Größe - ganz wie der 98er - erst mit der Alterung zeigen. 2001 ist endlich wieder ein Klassiker-Jahrgang, der das Terroir, nicht aber in jedem Fall beste Bordelaiser Handwerkskunst widerspiegelt. Wer beispielsweise überextrahierte, holzbetonte Weine zu keltern versuchte, erntete nur unharmonische, bittere Qualitäten. Die gute Weine des Jahrgangs dagegen, vor allem in den Appellationen Margaux und Saint-Julien, sind herrlich rassig und frisch geraten und zeigen eleganten, konzentrierten Fruchtaufbau.


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