WorldWine Reportage

September 2002

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika sucht seine Zukunft

von Eckhard Supp

 
 
Südafrika ist im Kommen! Das Land, dessen Weinindustrie unter dem Apartheid-Regime jahrzehntelang von den Märkten der Welt verbannt blieb, hat sich seit dem Ende der Rassentrennung 1993 zurück gemeldet. Mit seinen Rotweinen, die eleganter, fruchtiger daherkommen, als die vieler der so genannten New-World-Länder, mit den immer besser werdenden, frischen, saftigen Weißen, besitzt das Land ein enormes Potenzial für die Zukunft. Einzige Handicaps im Kampf um die Marktanteile sind der mit Billigstmengen ruinierte britische Markt, größter Abnehmer der Südafrikaner, und die weithin spürbare Unsicherheit darüber, welche Sorten und Weintypen wirklich zukunftsträchtig sind. Ein Bericht aus dem Land in Aufbruchstimmung.
 
 
Das Bergpanorama im Osten Kapstadts gehört zu einer der spektakulärsten Weinlandschaften der Welt. Stellenbosch ist das bekannteste und bedeutendste Weinbaugebiet Südafrikas, nicht aber das mit dem größten Zukunftspotenzial. (Fotos: Eckhard Supp)

 

Ein wenig merkwürdig klingt es schon, wenn im Falle Südafrikas, Chiles oder Argentiniens immer von New-World-Weinbau gesprochen wird. Es klingt, als seien die Weinberge dieser Länder nicht älter als zwanzig, dreißig Jahre und ihre Keller gerade dem Rohbaustadium entwachsen. Tatsache ist, dass in Südafrika bereits seit fast 350 Jahren Reben kultiviert und Weine gekeltert werden. 1655 hatte Jan van Riebeeck, der Gründer der Kapkolonie, die der Holländischen Ostindien Gesellschaft als Versorgungs- und Relaisstation auf der Route zu den asiatischen Kolonien dienen sollte, erste europäische Setzlinge in den Gärten der Gesellschaft gepflanzt, und 1659 schon kam der erste südafrikanische Wein ins Fass. Da die Holländer allerdings kaum eigene Weinbau-Erfahrungen besaßen, begann sich die Weinindustrie der Kolonie erst mit der Ansiedlung französischer Hugenotten zwischen 1680 und 1690 wirklich zu entwickeln.


Zevenwacht bei Stellenbosch ist eines der vielen Weingüter, die eine hervorragende Gastronomie und gut ausgestattete Gästezimmer oder gar ganze Hotelanlagen zu bieten haben. Der noch junge Weintourismus ist eine der Stärken des südafrikanischen Weinbaus.

Kapstadts berühmteste Township "Crossroads" im Jahre 1978: Schmerz und Hoffnungslosigkeit gegenüber dem Polizeiterror des Apartheidregimes. Heute gehört eine Fahrt in die Townships zum Besucherprogramm der Weinindustrie - so während der jüngsten Cape Wine Show in Nederburg bei Paarl - und ist ein Beweis dafür, wie erstaunlich gewaltfrei und unverkrampft der Übergang vonstatten ging.

Nach schwierigen Anfängen waren die Weine des Kaps – vor allem der süße Constantia – im späten 18. und beginnenden 19. Jahrhundert in Europa hoch begehrte Spezialitäten. Ursache für diese Karriere war nicht zuletzt die Einverleibung der einst holländischen Kolonie durch das britische Imperium, das in der Folge seines Krieges mit Frankreich nach neuen Weinlieferanten suchte.

Der Frieden zwischen Briten und Franzosen und die Reblauskatastrophe brachten den Weinbau des Landes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch fast wieder zum Erliegen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte der Markt mit der Gründung der KWV, der großen südafrikanischen Winzergenossenschaft, wieder in Ansätzen stabilisiert und saniert werden.

Ideales Klima

Nicht viel später als europäische Weinbauländer gab sich Südafrika im Jahre 1973 ein System von Herkunftsbezeichnungen, das allerdings seine wirkliche Bedeutung erst errang, als das Land wieder anfing, auf den Auslandsmärkten zu agieren. Möglich wurde dies nach Beendigung der Apartheid Anfang der neunziger Jahre, die auch zur Beendigung des Boykotts südafrikanischer Waren durch die USA und Europa führte.

Grundlage für den Erfolg des südafrikanischen Weinbaus ist vor allem das Klima in der Kapregion. Die kühlen Meeresströmungen des Atlantischen und Indischen Ozeans und schützende, hohe Bergketten gegen das Landesinnere führen zu Temperaturen, die wesentlich milder sind, als es die geographische Position auf 35 o südlicher Breite vermuten ließe. Warme, nicht allzu heiße Sommer und milde Winter schaffen ideale Bedingungen für die euroäischen Edelsorten. Schiefer, Granit und Sandstein sind die wesentlichen Elemente der Böden aller südafrikanischen Weinbaugebiete, wobei dem Weinbau entgegenkommt, dass diese nur selten sehr fruchtbar sind.


Das Devon Valley ist einer der schönsten und weinbaumäßig besten Bereiche innnerhalb der Appellation Stellenbosch.
Hier arbeiten Betriebe wie Devon Crest Vineyards von Martin Meinert und Seymour Pritchards Clos Malverne.

Bekanntestes Anbaugebiet des Landes ist ohne Frage Stellenbosch, das knapp ein Sechstel der Rebfläche auf sich vereint. Nach Süden, zum Indischen Ozean hin geöffnet, wird das Gebiet von mächtigen Bergketten geschützt, dem Simonsberg im Nordwesen, den Stellenbosch Mountains im Osten und dem Helderberg im Südosten. Als entwickeltstes Weinbaugebiet der Kapregion ist Stellenbosch bereits heute in eine Reihe von offiziellen und inoffiziellen Bereichen unterteilt, deren bekannteste Simonsberg, Jonkershoek, Devon Valley, Helderberg und das Gebiet um den Kanonkop sind. [...]

Tag(s): Südafrika

Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.