WorldWine Reportage

März 2002

Marketing-Frühling in Südtirol

von André Liebe

 
 
Zur Apfelblüte zeigt Südtirol, Italiens nördlichste und nach wechselvoller Geschichte einzige deutschsprachige Provinz, am besten seine Reize. Während die Berge unter dem Schnee des Winters liegen, hat sich das Etschtal bei Bozen, das so genannte Unterland, in ein einziges Blütenmeer verwandelt - so wie in jedem Frühjahr, und doch ist heuer Einiges ganz anders.
 

 

Sighard Rainer, dem Präsidenten des Kalterer Tourismusvereins, steht der Stolz über sein neues Konzept ins Gesicht geschrieben, wenn er über Erlebnisprofile, Besucher-Analysen, Image, Positionierung und veränderte Marktgewohnheiten referiert. "wein.kaltern" - Wein-Punkt-Kaltern mit einem dicken, roten Punkt nach Dotcom-Art in der Mitte - heißt sein Baby, von dem schon am Ortseingang ein steinern-stählerner Monolith in dezent-moderner Typographie kündete. "Gäste, die nach Kaltern kommen, sollen den Eindruck haben, dass sie ein ganz besonderes Weindorf besuchen," setzt Rainer, der auch als Obmann von "wein.kaltern" fungiert, die Ziele des neuen Vermarktungskonzepts, das mittlerweile von 53 Kooperationspartnern aus Weinwirtschaft, Gastronomie, Beherbergungsgewerbe und der Gemeindeverwaltung getragen und aktiv vorangetrieben wird.


Wo sich das Etschtal hinter Bozen zum sogenannten Unterland weitet, liegt Kaltern: Schauplatz der neuesten Marketing-Initiative Südtirols, in der Weinwirtschaft und Tourismus endlich einmal an einem Strang ziehen. (alle Fotos: Eckhard Supp)

Dass man gerade in Kaltern innovative Wege beschreitet, hat viel mit der Ambivalenz zu tun, die im Namen dieser berühmten Gemeinde mitklingt. "Kalterer See Auslese", der Name des nach Soave, Frascati, Chianti und Asti bekanntesten italienischen Weins, bescherte den Kalterern nämlich zuletzt immer weniger Freude, dafür aber immer mehr Probleme. Mit dem vergleichsweise unkomplizierten Rotwein aus der Vernatsch-(Trollinger)-Traube ließen sich zwar Jahr für Jahr Tausende in schunkelnde Glückseligkeit versetzen, er sorgte aber auch zunehmend dafür, dass dem Ort Kaltern der Stempel eines "Ballermanns" der italienischen Weinszene aufgedrückt wurde.

Dem gegenüber steht die Tatsache, dass die italienischen Wein-Bibeln "Gambero Rosso" und "Veronelli" mit schöner Regelmäßigkeit unter den am höchsten bewerteten Gewächsen nicht nur die Spitzen aus Piemont und Toskana aufführen, sondern auch - als Nachweis bester Weinqualität - Weine aus Kaltern, dem Ort mit dem berühmten See, der der erwähnten Auslese seinen Namen gab.

Schluss mit Lustig

Mit der Schunkelei und dem Ballermann-Image soll jetzt Schluss sein. "Wir wollen den Namen Kalterns mit der Idee höchster Qualität verbinden," doziert Tourismus-Chef Rainer und spricht in diesem Zusammenhang von einer "Image-Korrektur". Dass der Wein dabei als Vehikel dient, um die sonstigen Reize des Dorfes, die wunderschöne Landschaft, die versierte Gastronomie und die vielen historischen Gebäude, die von einer langen, bewegten Geschichte zeugen, wieder ins rechte Licht zu rücken, wird gerne in Kauf genommen. "Der Gast identifiziert Kaltern nun einmal zuallererst mit Wein. Allerdings ist das nur die halbe Formel. Denn hinter dem roten Punkt steht Kaltern, das Dorf in seiner Gesamtheit." [...]


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