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11. September 2013

Die Welt lernt weiß

von Eckhard Supp - Ich erinnere mich noch gut an die 1980er Jahre, als ich in Italien von vielen Weinmachern und Winzern zu hören bekam, man beneide uns Deutsche ob unserer tollen, langlebigen Weißweine. Und tatsächlich hatten zumindest die Renommierregionen des Landes damals noch kaum etwas auf dem Gebiet der Weißen zu bieten. Nur im äußersten Norden und Nordosten sah das ein wenig anders aus.


Südtirol, hier die Lagen von Sankt Magdalena oberhalb der Provinzhauptstadt Bozen, ist traditionell eine der Weißweinbastionen Italiens. (Foto: E. Supp)

Es war ein Zustand, der nicht nur für Italien, sondern für viele Länder des europäischen Südens wie auch der Neuen Welt charakteristisch war. Ich erinnere mich noch gut an eine der ersten Verkostungen südafrikanischen Weine nach dem Ende der Apartheid: Die Roten waren recht ansprechend, aber die Weißen zum Gutteil schlicht untrinkbar: wenn nicht gänzlich oxidiert oder fehlerhaft vinifiziert, zeigten sie vielleicht Kraft und Alkohol, aber weder Aroma noch Eleganz oder gar Finesse.

Dass sich die Situation in vielen Ländern dramatisch gewandelt hat, bewies nicht zuletzt die kleine Südafrika-Verkostung, über die ich vor wenigen Tagen berichtete, und bei der die Weißen die eigentliche, positive Überraschung darstellten. Auch aus der Toskana erreichte mich vor einiger Zeit ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Weißer, von dem ich in Kürze an dieser Stelle berichten werde.

Und dann bekam ich noch dieses Paket mit Mustern aus Portugal. Auch hier hatten mich in der Vergangenheit vor allem die Rotweine überzeugt, und so war ich umso mehr von der Tatsache angetan, dass in dem Paket gleich drei sehr schöne Weißweine steckten. Offenbar "kann" die Welt auch außerhalb der klassischen Weißweinländer inzwischen "weiß" und nicht mehr nur rot. Ob das den Weißweinspezialisten unter den Erzeugerländern, Deutschland und Österreich allen voran, auf Dauer gefallen kann, sei einmal dahingestellt.

Die Weine des Pakets kamen vom Weingut Quinta do Pinto aus dem Gebiet um die Hauptstadt Lissabon. Am besten gefiel mir dabei der weiße 2012er Estate Collection, ein strohgelber Wein mit verhaltenem, vegetabil-mineralischem Duft, der sich am Gaumen fest und dicht, aber auch sehr lebendig gab, mit viel süßem Extrakt im Finish. Aber auch der Viognier-Chardonnay-Verschnitt 2011 zeigte feine Aromen mit Johannisbeernoten, am vorderen Gaumen die weiche Attacke vom Viognier und im Finish gute Länge mit leichter Mineralik. Dritter im Bunde der weißen Überraschungen war der 2010er Grande Escolha Branco, während ein reinsortiger Sauvignon blanc von 2012 etwas aus der Reihe fiel.

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