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Der Wein - Basiswissen (12)

 Wie wählt man den richtigen Wein? (B)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Die Qualitätspyramide

Immerhin sehen die europäischen Normen, die auch in den EU-Mitgliedsländern Gesetz sind, vor, dass Weinetiketten ein Mindestmaß standardisierter Angaben enthalten – dazu gehören die Herkunft und Qualitätsstufe des Weins, sein Alkoholgehalt in Volumenprozent, das Fassungsvermögen der Flasche, der Name des Abfüllers (oder Erzeugers, wenn beide identisch sind) sowie der der Gemeinde, in der er seinen Firmensitz hat. Schon bei den Qualitätsstufen aber fängt die Verwirrung an, selbst wenn wir nur die europäischen Weine betrachten. Zwar gilt überall die Dreiteilung in Tafelweine, Landweine und Qualitätsweine – „Vins de qualité produits dans des régions délimitées“ (V. Q. P. R. D.), auf deutsch „Qualitätsweine aus einer bestimmten Region“, heißen Letztere im EU-Amtsjargon –, aber damit sind die Gemeinsamkeiten schon am Ende.

So wird in Deutschland fast die gesamte Produktion unter der Kategorie Qualitätswein – mit oder ohne Prädikat – vermarktet, in einigen italienischen Regionen sind es nur 50 oder 60 Prozent, ohne dass die Weine deshalb automatisch besser oder schlechter wären. Während Portugal mit drei Qualitätsstufen auskommt, sehen die italienischen, österreichischen oder spanischen Weingesetze fünf solcher Stufen vor, in Frankreich plant man derzeit die Einrichtung einer fünften, zieht man die vielen Klassifizierungen wie die des Burgund und des Bordeauxgebiets hinzu, so besitzt das Land in Wahrheit schon heute ein gutes Dutzend solcher Stufen. In Italien wiederum gibt es zahlreiche Tafel- und Igt-Weine, die viele der prestigereichen DOCG-Herkunftsbezeichnungen qualitativ in den Schatten stellen – und häufig sogar deutlich mehr kosten.

Unter der Bezeichnung Tafelwein werden im Prinzip die einfachsten und preiswertesten Weine vermarktet. Sie stammen meist aus Trauben verschiedener EU-Länder – zu den Ausnahmen gehört zum Beispiel der Deutsche Tafelwein, der aus einem der fünf deutschen Tafelweingebiete (Rhein-Mosel, Oberrhein, Neckar, Bayern und Albrechtsburg) stammen muss. Auf den Etiketten von Tafelweinen dürfen keine genaueren Herkunfts-, Sorten- oder Jahrgangsangaben gemacht werden. In krassem Kontrast zu diesen Regeln standen lange Zeit viele italienische Spitzenweine, die nicht in das enge Korsett der Produktionsvorschriften für die Qualitätsweine ihres Gebiets passten und deshalb als Tafelwein vermarktet werden mussten. Natürlich konnte man auf ihren Etiketten Rebsorten- und Jahrgangsangaben finden – ihre Erzeuger und die Behörden nahmen es mit dem Gesetz einfach nicht so genau.

Das historische Siena im Herzen der Toskana - viele Spitzenweine der Region mussten lange Zeit als simple Tafelweine vermarktet werden, weil ihre Rebsortenzusammensetzung und ihre Machart nicht ins enge Korsett des italienischen Weingesetzes passten.

Bezeichnungswirrwarr

ber den Tafelweinen stehen die Landweine, eine in Deutschland unbedeutende, in Frankreich aber zum Beispiel durchaus beachtenswerte Kategorie, deren Qualität allerdings in den einzelnen Regionen stark unterschiedlich ist. Nach den Landweinen folgt eine Gruppe, die es im strengen Raster der europäischen Gesetzgebung eigentlich gar nicht gibt. Es sind Weine, die weder als Land- noch Qualitätsweine gelten können, oder auch Landweine, die bereits für die Höherstufung zum Qualitätswein vorgesehen sind.

   
 
   
 
 
Tafelweine
Landweine
Sonderfälle
D
Tafelwein und Deutscher Tafelwein
Deutscher Landwein
 
A
Tafelwein
Landwein
 
F
Vin de table
Vin de pays
Appellation d’origine vin délimité de qualité supérieure
(A. O. V. D. Q. S.)
I
Vino da Tavola (VdT)
Indicazione geografica tipica (Igt)
 
E
Vino de Mesa
Vino de la Tierra
Vino de Calidad con Indicación Geográfica (V. C. I. G.)
P
Vinho de mesa / Vinho leve
Vinho regional
Indicação de Proveniencia regulamentada (IPR)
 
   
 
   

 

Stand 2008, mit der neuen europäischen Weinordung von 2009 sind die Kategorien Tafel- und Landwein (jetzt Weine ohne bzw. mit geschützter Geografischer Angabe) verschwunden, die Kategorie der Qualitätsweine ist überführt worden in die der Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Die u. g. länderspezifischen Sonderbezeichnungen für bestimmte Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung bleibt jedoch weitgehend bestehen.

   
 
   
 
D
Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA, evtl. ergänzt durch die Bezeichnungen Classic oder Selection)
Qualitätswein mit Prädikat (Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein)
Erstes Gewächs, Großes Gewächs, Erste Lage
A
Qualitätswein
Kabinett
Prädikatswein (Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Stroh- oder Schilfwein, Eiswein), Districtus Austriae Controllatus (DAC)
F
Vin délimité de qualité supérieure (V. D. Q. S.)
Appellation d’origine contrôlée (A. C./A. O. C., mit höherwertigen Weinen unter Bezeichnungen wie Cru Bourgeois, Premier Cru, Grand Cru)
Appellation contrôlée d’excellence (derzeit diskutierte fünfte Qualitätsstufe)
I
Denominazione di origine controllata (DOC)
Denominazione di origine controllata e garantita (DOCG)
Vigna (Wein mit Einzellagenbezeichnung)
E
Denominación de Origen (D. O., mit den Bezeichnungen Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva)
Denominación de Origen Calificada (D. O. Ca, mit den Bezeichnungen Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva)
Vino de Pago (Wein mit Einzellagenbezeichnung)
P
Denominação de origem controlada (DOC)
 
 
 
   
 
   

Wiederum eine Stufe höher schließlich stehen die eigentlichen Qualitätsweine. Für sie gelten strengere Anbaurichtlichnien und Anforderungen, als für Tafel- und Landweine, und sie kommen immer aus einem bestimmten Weinbaugebiet, dessen Namen sie tragen. Mosel-Saar-Ruwer oder Rheingau, Chianti oder Valpolicella, Sancerre oder Ribera del Duero, Saale-Unstrut oder Neusiedlersee sind solche Anbaugebiete. [...]


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