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Der Wein - Basiswissen (13)

Wie wählt man den richtigen Wein? (C)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Ein Universum mit 14 Typen

Nun ist eine solche, grobe Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man könnte bei den leichten, trockenen Weißweinen zwischen den aromatisch neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft unterscheiden, bei den Edelsüßen darüber streiten, ob nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren, wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, eine erste Orientierung im Ozean der Weintypen und Etiketten zu bieten.

   
 
   
 

Die 14 wichtigsten Geschmackstypen

1   Leichte, trockene Weißweine
2   Kräftige, trockene Weißweine
3   Roséweine
4   Leichte, fruchtbetonte Rotweine
5   Fruchtbetonte, kräftige Rotweine
6   Tanninbetonte, kräftige Rotweine
7   Schwere, alkoholreiche Rotweine
8   Deutlich restsüße bzw. süße Weißweine
9   Liebliche bzw. süße Rotweine
10 Edelsüße und Eis-/Strohweine
11 Trockene Likörweine
12 Süße Likörweine
13 Perlweine
14 Schaumweine
 
   
 
   

 

Zur Gruppe der leichten, trockenen Weißweine gehören viele Produkte des deutschen Weinbaus, sofern sie nicht restsüß oder edelsüß ausgebaut sind, aber auch der Großteil der österreichischen Weißen, der Weine aus den norditalienischen Regionen Südtirol und Friaul, Weine italienischer Herkunftsbezeichnungen wie Orvieto, Frascati oder Soave sowie viele Schweizer und französische Weiße – man denke an Muscadet von der Loire oder Entre-deux-Mers aus dem Bordeauxgebiet sowie die Elsässer Gewächse.

Leicht heißt, dass diese Weine einen eher moderaten Alkoholgehalt aufweisen – meist zwischen 10 und 12,5 Vol.-% –, nicht aber, wie fälschlich oft angenommen, dass sie geschmacksarm oder geschmacksneutral wären. In Deutschland werden solche Weine in fast allen Anbaugebieten aus den Rebsorten Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau gekeltert, die sich allerdings auch alle zum Erzeugen restsüßer und edelsüßer Weine eignen. Hier heißt es also genau hingeschauen, und deutsche Winzer versehen ihre trockenen Weine deshalb häufig mit einer entsprechenden Geschmacksbezeichnung. Erste oder Große Gewächse gehören dagegen häufig schon in die zweite Gruppe.

In Österreich kommen solche Weine vor allem aus den Weinbaugebieten Niederösterreichs, der Wachau, dem Weinviertel, dem Kamp- und dem Kremstal sowie aus der Steiermark. Sie werden meist aus der Paraderebsorte Grüner Veltliner, aber auch aus Riesling, Welschriesling, Müller-Thurgau, Weißburgunder und sogar aus den französischen Reben Sauvignon blanc und Chardonnay gekeltert. Allerdings muss man auch hier beim Kauf aufpassen: Weine beispielsweise, die aus der Wachau stammen und die Bezeichnung Smaragd tragen, gehören in der Regel bereits zur Gruppe der körperreichen Weine mit erhöhtem Alkoholgehalt. Dasselbe gilt für trockene Spät- oder Auslesen anderer Anbaugebiete, die zunehmend auch als „normale“ Qualitätsweine ohne Prädikat verkauft werden.

Kraftvolle Weiße und Rosés

Für die Gruppe der kräftigen, häufig auch alkoholreichen Weißweine steht stellvertretend die Rebsorte Chardonnay oder, wenn man es unter geographischen Gesichtspunkten sehen will, fast die gesamte Weißweinproduktion der Neuen Welt. Natürlich findet man in kühlen Weinbaugebieten wie beispielsweise in Teilen Neuseelands, in Norditalien oder der Steiermark auch leichtere, fruchtige Chardonnays, aber der Großteil der Weine dieser Sorte wird entweder im Barrique vergoren bzw. ausgebaut und erhält dadurch eine kräftige Tanninstruktur, oder ist relativ alkoholreich und gewinnt dadurch an Stoff und Körper.


Auch in Deutschland wachsen Trauben für kräftige Weißweine aus Burgundersorten (Chardonnay, Grau- oder Weißburgunder) wie zum Beispiel am Kaiserstuhl. Im Bild die Gemeinde Oberbergen.

Auch viele spanische und mittel- oder süditalienische Weiße gehören hierhin, es sei denn, sie stammen aus Gebieten – das spanische Galicien ist solch ein Fall –, in denen eher kühles Klima herrscht. Wenn in den letzten Jahren mehr und mehr Weine – darunter z. B. auch Rieslinge aus Österreich und Weiß- oder Grauburgunder aus Baden – aus der ersten in diese zweite Gruppe „rutschten“, dann lag das zum Teil am Klimawandel, dem wir gegenwärtig beiwohnen, bestimmt aber auch am gewandelten Publikumsgeschmack. Begünstigt wurde die Tendenz durch die Entwicklung von neuen Reinzuchthefen, mit Hilfe derer eine höhere Alkoholausbeute erzielt werden konnte. Allerdings ändern sich die Vorlieben der Verbraucher gerade erneut, und leichtere, fruchtbetonte Weine sind wieder „in“. [...]


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