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Der Wein - Basiswissen (16)

Wo wächst der Wein? (A)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Besorgte Klimaforscher sagen schon seit geraumer Zeit voraus, dass sich das Erdklima im Verlauf des 21. Jahrhunderts dramatisch verändern werde – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Weinbau. Wo jetzt delikater Riesling wachse, wie im Rheingau, könnten in wenigen Jahrzehnten Rotweinsorten aus Bordeaux gedeihen, während die südlicheren, heißeren Regionen Europas versteppten und ihre Eignung für Weinbau gänzlich verlören. Noch allerdings ist es nicht so weit, und die Weinwelt präsentiert sich zumindest in klimatischer Hinsicht noch immer weitgehend so, wie wir sie seit dem 18. oder 19., in der Neuen Welt spätesten seit dem 20. Jahrhundert kennen.

Schaut man ein wenig weiter zurück, wird man feststellen, dass bereits in früheren Jahrhunderten wärmere Bedingungen geherrscht haben müssen. Im 16. Jahrhundert zählte Deutschland beispielsweise über 300.000 Hektar Weinbergsflächen – das Dreifache des aktuellen Bestands – und Reben wurden selbst an den Gestaden der Ostsee kultiviert. Heute dagegen verläuft die nördliche Weinbaugrenze in Deutschland in Höhe der Linie Bonn-Dresden, mit wenigen Inseln in nördlicheren Landstrichen wie Brandenburg oder gar Mecklenburg-Vorpommern. Auch der Weinbau in Luxemburg, Belgien oder England liegt übrigens im Wesentlichen südlich dieser Linie und was das norwegische Åsgårdstrand am 60. Breitengrad betrifft, das als nördlichste Weinbaugemeinde der Welt gilt, so wird es wohl noch auf lange Sicht ein ebenso „exotischer“ Ausnahmefall bleiben wie die Denali Winery in Alaska, die sogar knapp am 61. Breitengrad liegt.

Gemeinhin unterscheidet man in der Weinwelt zwischen Ländern der so genannten Alten und der Neuen Welt. Die Alte Welt, das sind im Wesentlichen Europa, Vorderasien und Nordafrika mit ihren bis in die Antike reichenden Weinbautraditionen. Sie vereinen trotz des enormen Aufschwungs in Übersee noch immer 62 Prozent der Weltrebfläche und 59 Prozent der erzeugten Weinmengen auf sich und besitzen vor allem mit Hunderten, wenn nicht Tausenden uralter Rebsorten und ihren Varianten ein schier unerschöpfliches genetisches Reservoir, aus dem der Weltweinbau noch lange schöpfen kann.

Alte und Neue Welt

Unter Neuer Welt verstand man früher ausschließlich den amerikanischen Kontinent, aber auf den Weinbau bezogen, schließt der Begriff in unserer Zeit sämtliche Weinbau treibenden Staaten Nord- und Südamerikas – vor allem Kanada, die USA, Mexiko, Brasilien, Uruguay, Argentinien und Chile – wie auch Südafrika, Australien, Neuseeland und sogar Newcomer wie China und Japan ein.


Der Rheingau liegt zwar sehr weit nördlich, aber die fast perfekte Südausrichtung vieler Weinbergslagen - hier der Rüdesheimer Berg Schlossberg -, die große, wärmespeichernde Wasserfläche des Rheins und die steilen Hänge, die optimales Ausnutzen der Sonnenstrahlen durch die Reben erlauben, sorgen dafür, dass die Trauben voll ausreifen können.

Natürlich findet man auch außerhalb der beiden Klimagürtel der nördlichen und der südlichen Hemisphäre Weinbau, so zum Beispiel inmitten der australischen Wüste bei Alice Springs oder in gut 1.500 m Höhe im Krater eines erloschenen Vulkans der Insel La Réunion im Indischen Ozean. Die dortige Weinproduktion rangiert aber eher unter dem Oberbegriff „Folklore“ als unter dem seriöser Weinerzeugung.

Ganz anders der Weinbau in Deutschland, einem der ältesten und bedeutendsten Weinbauländer Mitteleuropas. Auf knapp 102.300 Hektar Rebfläche werden im Schnitt etwa 10 Mio. Hektoliter Wein im Jahr erzeugt. Damit steht Deutschland zwar in Bezug auf die Rebfläche nur an 17., hinsichtlich der Produktionsmengen aber an sechster und bei den Exportmengen mit 2 bis 2,3 Mio. Hektolitern an siebter Stelle der weinerzeugenden Nationen.

Gleichzeitig ist das Land mit 12 bis 13 Mio. Hektolitern größter Weinimporteur der Welt, wobei diese Position seit Anfang des 21. Jahrhunderts durch die USA gefährdet ist, in denen der Weinkonsum stark zugenommen hat. Die deutsche Weinbergsfläche wird von gut 60.000 Winzerbetrieben bewirtschaftet, von denen allerdings weniger als 10 Prozent eine wirtschaftlich relevante Fläche von mindestens 5 Hektar bearbeiten.

Deutschland, noch ein Weißweinparadies

Mit Ausnahme Badens fallen alle deutschen Anbaugebiete in die in klimatischer Hinsicht kühlste europäische Weinbauzone A, Baden dagegen gehört zur wärmeren Zone B. Die nördliche Lage der meisten deutschen Anbaugebiete hat zur Folge, dass die Rebkulturen vorwiegend an den Steilhängen enger Flusstäler angelegt sind, um den einzelnen Stöcken auch bei tief stehender Sonne größtmögliche Licht- und Wärmeausbeute zu sichern und zusätzlich das Wärmespeicherpotenzial der Wasserflächen zu nutzen. Dies begünstigt vor allem die Erzeugung aromareicher, feiner Weißweine, auch wenn der Anteil der Rotweinsorten in den deutschen Weinbergen in den letzten Jahren wieder auf über ein Drittel gestiegen ist – wieder deshalb, weil der rote Spätburgunder bis ins 17. Jahrhundert hinein deutsche Weinberge dominierte und erst danach vom weißen Riesling verdrängt wurde. Dieser führt die deutsche Rebsortenstatistik heute mit 21.000 Hektar an, gefolgt vom weißen Müller-Thurgau und den beiden Rotweinsorten Spätburgunder und Dornfelder. [...]


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