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Der Wein - Basiswissen (17)


[...] Ganz anders Franken, das einzige bayerische Anbaugebiet am Mittellauf des Mains. Hier werden überwiegend Weißweine erzeugt – die besten aus den Spitzenrebsorten Riesling und Silvaner. Fränkische Weine sind – sieht man von den edelsüßen Raritäten ab – meist trockener ausgebaut als im Rest der Republik, und nicht zufällig tragen Weine mit weniger als 4 Gramm/Liter Restsüße hier die Sonderbezeichnung fränkisch trocken. An Bodenformationen ist die Region vergleichsweise arm, nimmt man die Pfalz oder Baden zum Maßstab: Das Mainviereck, der westlichste Bereich, wird von Urgesteinsverwitterungsböden und Buntsandstein geprägt, das Maindreieck weiter östlich von Lehm, Löss und Muschelkalk, und im Steigerwald beherrscht Keuper das Bild – entsprechend findet man hier auch keine so ausgeprägte Weinvielfalt.

Neues im Osten

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 rückten zwei weitere, kleine Anbaugebiete ins Blickfeld: Saale-Unstrut und Sachsen. Saale-Unstrut ist heute das nördlichste Anbaugebiet Deutschlands, und seine Weinberge liegen über drei Bundesländer verstreut: Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Bei den Bodenformationen dominieren mit Lehm überlagerter Muschelkalk, Buntsandstein und Tonschiefer, auf denen vor allem Weißweinsorten kultiviert werden. Müller-Thurgau führt die Liste an, gefolgt von Weißburgunder, Silvaner, dem roten Portugieser, Kerner, Riesling und vielen anderen, darunter auch die Spezialitäten Irsai Olivér und André.

Sachsen ist das kleinste und gleichzeitig östlichste Gebiet. Es erstreckt sich zu beiden Seiten der Elbe zwischen Pirna und Merschwitz und liegt unter dem Einfluss kontinentalen Klimas. Spätfröste sind hier keine Seltenheit und führen zu sehr stark schwankenden Ernteerträgen. Auf den meist terrassierten Hanglagen mit teilweise vulkanischen Böden werden vor allem Müller-Thurgau, Riesling, die weißen Burgundersorten und Gewürztraminer kultiviert. Eine sächsische Spezialität ist der Schieler, ein Rosé, der durch gemeinsames Keltern von Weiß- und Rotweinsorten erzeugt wird.

Was die deutschen Nachbarländer betrifft, so wird mit Ausnahme von Polen, Dänemark und Holland in allen mehr oder weniger intensiv Weinbau betrieben. Kaum bekannt – die Weine werden fast ausschließlich im Land getrunken – aber dennoch qualitativ interessant ist der luxemburgische Wein. Das kleine Land mit seinen knapp 1.000 Hektar Rebfläche bringt aus den Rebsorten Müller-Thurgau – hier Rivaner genannte – Elbling, Riesling, Auxerrois und den Burgundersorten Weine hervor, die zum Teil denen der benachbarten deutschen Obermosel ähneln.

Lebendige Traditionen

Als einziges Land Europas besitzt Luxemburg ein Klassifizierungssystem, bei dem Herkunft oder Mosgewicht keine Rolle spielen. Die Weine werden ausschließlich mit Hilfe einer Verkostung durch eine Expertenkommission als Vin classé, Premier Cru oder Grand Premier Cru eingestuft. Noch weniger bekannt ist der britische Weinbau, der fast ausschließlich in den südlichen und südwestlichen Grafschaften Englands sowie in Wales zu finden ist, obwohl er auf die Zeit der römischen Besatzung zurückgeht. Durch den Einfluss des Golfstroms ist es hier wärmer, als man vermuten würde, und es herrschen klimatische Bedingungen wie in der französischen Champagne. Kultiviert werden überwiegend Weißweinsorten, allen voran Müller-Thurgau, gefolgt von Bacchus, Morio-Muskat und Silvaner. Eine Besonderheit: Weine aus Trauben britischer Weinberge müssen unter den Bezeichnungen English Wine oder Welsh Wine vermarktet werden; Britisch Wine dagegen wird aus importiertem Mostkonzentrat gekeltert.


Die Vielfalt der Rebsorten und Weintypen, die aus österreichischen Weinbergen kommen, ist u. a. dem klimatischen Spannungsbogen zu verdanken, der das Land insgesamt, aber auch jedes einzelne Weinbaugebiet prägt. In Krems an der Donau etwa treffen das kühle kontinentale Klima des Waldviertels und das heiße der pannonischen Tiefebene aufeinander. In der Südsteiermark (im Foto die Lage Hochgraßnitzberg) kontrastieren die warmen Sommer mit eiskalten Wintern.

Das Bild, das sich bei den südlichen Nachbarn Deutschlands bietet, ist da schon deutlich erfreulicher. Österreich und die Schweiz gehören zu den dynamischsten und interessantesten Weinbauländern Europas, wobei sich besonders Österreich seit dem Ende der 1980er-Jahre eine hervorragende internationale Reputation zimmern konnte. Auch hier geht der Weinbau auf die Römerzeit zurück, vielleicht sogar auf die keltische Besiedlung. Entscheidenden Einfluss hatte Kaiser Probus, der in den Provinzen Noricum und Pannonien Weinreben zur Versorgung seiner Legionen auspflanzen ließ. Nach einem Rückgang der Rebkulturen im Gefolge der Völkerwanderung brachten Benediktiner und Zisterzienser den Weinbau Österreichs zu neuer Blüte. Im 14. Jahrhundert gab es bereits eine detaillierte Weinbauordnung, und im 16. Jahrhundert umfasste die Rebfläche fast 100.000 Hektar, von denen etwa 48.000 übrig geblieben sind.

Das Klima des Landes wird von kontinentalen und pannonischen – so genannt nach Pannonien, der ungarischen Tiefebene – Einflüssen bestimmt: Kalten bis sehr kalten Wintern folgen sehr warme Sommer, die aber auch von recht kühlen Nächten geprägt sind, und milde Herbste, in denen ideale Lesebedingungen herrschen. Die Donau und der riesige Neusiedlersee spielen einen entscheidenden, ausgleichenden Einfluss als Klimaregulatoren. Die wichtigsten Bodenformationen der österreichischen Anbaugebiete sind Löss, der im Weinviertel und im Donautal vorherrscht, Urgestein in der Wachau sowie im Bereich der Städte Krems oder Langenlois, Schiefer, Lehm, Mergel und Sand wie im Burgenland und Braunerde oder Vulkanböden, wie sie in der Steiermark zu finden sind.

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