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Der Wein - Basiswissen (19)

Wo wächst der Wein? (D)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Grands Crus und Terroirs

Hier werden zu mehr als 90 Prozent Weißweine erzeugt, vor allem aus den Rebsorten Riesling, Weißburgunder alias Pinot blanc oder Klevner, Gewürztraminer und Grauburgunder, hier Tokay Pinot gris genannt. Unter dem Namen Edelzwicker wird aus diesen Sorten sowie aus Silvaner und Gutedel ein früher sehr populärer Verschnitt erzeugt, um den es allerdings in den letzten beiden Jahrzehnten still geworden ist. Als „Vendanges tardives“ – deutsch: Spätlese – oder „Sélection de grains nobles“ – deutsch: Beerenauslese – werden liebliche bis edelsüße Weine vermarktet. Hinsichtlich der erzeugten Weintypen steht das Elsass allerdings im Widerstreit der Anforderungen verschiedener Märkte, von denen ein Teil eher trockene, der andere halbtrockene oder liebliche Weine verlangt. Die daraus resultierenden unterschiedlichen Geschmacksrichtungen der Weine sind leider häufig auf dem Etikett nicht erkennbar.


Wie kaum ein anderes Weinbaugebiet hat das Elsass die Kombination aus Weinbau, Gastronomie und Tourismus zu einer perfekten Einheit entwickelt. Die Weinlese - im Bild die Gemeinde Eguisheim - zieht alljährlich Hunderttausende in die Region.

Das Burgund gilt mit Bordeaux als renommierteste Weinbauregion Frankreichs. In seinem nördlichsten Teil, dem Gebiet um Chablis und Auxerre, werden mineralische, häufig ausgesprochen stahlige Weißweine aus Chardonnay erzeugt, während im Süden, in den Beaujolaisbergen, süffige, weiche Rotweine aus der Gamaytraube entstehen. Das Zentrum des Burgund ist die so genannte „Côte d’Or“ zwischen Dijon und Chalon-sur-Saône, ihrerseits unterteilt in die Côte de Nuits und die Côte de Beaune. Es ist die Heimat herrlicher weißer und roter Grands- und Premiers-Crus-Gewächse aus Chardonnay und Pinot noir, unserem Spätburgunder. Namen wie Chambertin, Vougeot, Romanée, Bonnes Mares, Échezaux, Richebourg, Charlemagne, Meursault, Chassagne oder Puligny lassen die Herzen der Weinkenner aller Welt höher schlagen.

Hier ändert sich die Bodenzusammensetzung praktisch mit jedem Schritt, was trotz des recht einheitlichen Klimas und der gleichförmigen Ausrichtung der Weinberge die unterschiedlichen Weincharaktere erklärt, die auf kleinstem Raum entstehen können. Das Geheimnis dieser unterschiedlichen Weinbergsböden faszinierte schon im Mittelalter Benediktiner und Zisterzienser, die hier das noch heute gültige Konzept des „Terroir“ entwickelten.

Von den Alpen zum Mittelmeer

Im französischen Jura und im Alpenvorland, der Region Savoyen wird eine Reihe von interessanten Weinspezialitäten erzeugt: im Jura ist es der berühmte Vin jaune, ein Wein, der jahrelang unter einer Schicht Florhefe im Barrique reift und dabei einen sherryähnlichen, nussigen Geschmack annimmt. In Savoyen dagegen findet man einfachere, fruchtige Weiß- und Rotweine. Neben den aus dem Burgund bekannten Reben werden hier nur lokal verbreitete Sorten wie Mondeuse und Roussette kultiviert.


Gigondas, die bekannte Cru-Appellation an der südlichen Rhône, bringt herrlich kräftige, aber auch weiche Rotweine mit gutem Alterungspotenzial hervor.

Das im Südosten anschließende Rhônetal ist eine der ältesten, ausgedehntesten und vielfältigsten Weinbauregionen Frankreichs. Das Gebiet zieht sich in fast direkter Nord-Süd-Linie knapp 200 Kilometer weit von Vienne im kühlen Norden bis Avignon im heißen Süden und wird im Osten von den Alpenausläufern, im Westen vom Zentralmassiv flankiert. Von der Gesamtfläche ist etwa die Hälfte, ausschließlich im Südteil der Region gelegen, unter der generischen Herkunftsbezeichnung Côtes-du-Rhône klassifiziert, der Rest verteilt sich auf die Côtes-du-Rhône-Villages – ebenfalls im Süden gelegen – und die 13 so genannten Cru-Appellationen. Letztere bilden die Creme des Rhôneweinbaus: Côte-Rôtie, Condrieu und Hermitage im Norden, Châteauneuf-du-Pape, Gigondas und Tavel im Süden.

Während die Weinberge im Norden an den Granithängen des engen Flusstals liegen, dominieren im Süden schottrig-kiesige Schwemmland- und Sandböden sowie flachere Hügelketten mit Lehmböden: Die Bandbreite der Weine reicht von den finessenreichen, fest strukturierten roten und weißen Gewächsen der Côte-Rôtie über die Schaumweine des Diois, die süßen Likörweine von Rasteau oder Beaumes-de-Venise bis zu den alkoholreichen, generösen Weiß- und Rotweinen von Châteauneuf.

Aufschwung in Okzitanien

Während der Weinbau in der Provence, an der Côte d’Azur und auf Korsika vor allem die lokalen Märkte und den florierenden Tourismus bedient – nur wenige Appellationen wie beispielsweise Bandol besitzen internationale Klasse und Prestige –, hat sich an der westlichen Mittelmeerküste zwischen Nîmes und Perpignan in den letzten Jahren eine echte Qualitätsrevolution vollzogen. In der mit 291.000 Hektar Rebfläche größten Weinbauregion Frankreichs und – nach Kastilien-La Mancha in Spanien – zweitgrößten der Welt, Languedoc-Roussillon, wird zwar der Großteil der Weine als einfacher Landwein, Vin de Pays, vermarktet, aber es gibt auch eine Reihe von Appellationen wie Coteaux du Languedoc, Corbières, Saint-Chinian, Minervois, Côtes du Roussillon, Banyuls, Collioure und Rivesaltes, in denen herrliche Rot- und Likörweine erzeugt werden.

Seit den 1980er-Jahren sind hier – unterstützt durch Investitionen aus Bordeaux und anderen Weinbauregionen –  deutliche Qualitätsanstrengungen sichtbar geworden, wobei der traditionelle Rebbestand aus Carignan, Grenache, Mourvèdre oder Grenache blanc durch noble Rebsorten wie Syrah, Cabernet Sauvignon oder Merlot bereichert wurde. Darüber hinaus entwickelte sich das Gebiet zu einer der Hochburgen des biologischen Weinbaus in Frankreich.


Bordelaiser Kontraste: Die Fassaden von Château Cos d‘Estournel und Margaux, die Gediegenheit des Kellers von Château Gazin und daneben der bizzarr anmutende alljährliche „Marathon du Médoc“, bei dem die Läufer an den Verpflegungsstationen nicht zu Wasser, sondern zum Wein greifen - das Ganze übrigens initiiert und organisiert von Ärzten unter dem Thema Wein und Gesundheit.

Eine ähnliche Entwicklung haben die zahlreichen Anbaugebiete des französischen Südwestens durchgemacht, einer Region, die vom Atlantik bis nach Toulouse und von den Pyrenäen bis zur Charente reicht und die politischen Regionen Midi-Pyrénées und Aquitaine umfasst. Geographisch gehört auch Bordeaux zum Südwesten, weinbaupolitisch aber nicht. Die interessantesten Weine findet man unter den Namen Bergerac, Cahors, Gaillac, Madiran, Jurançon oder Côtes de Saint-Mont, süße Spezialitäten werden als Pacherenc de Vic Bilh vermarktet. Nicht vergessen werden soll, dass auch der berühmte Weinbrand Armagnac aus dieser Region stammt.

 Adel verpflichtet

Die Region um die alte Hafenstadt Bordeaux, das römische Burdigala, gilt als Nabel der französischen Weinwelt. Auf mehr als 100.000 Hektar Weinbaufläche – so viel wie in ganz Deutschland – werden zahlreiche der besten Rebsorten der Welt wie die roten Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet franc und die weißen Sémillon oder Sauvignon blanc kultiviert. Das Gebiet ist in drei Bereiche unterteilt, die sich vor allem durch ihre Böden unterscheiden. Der erste umfasst die Schwemmlandebenen mit tiefem, gut entwässertem Schotter am linken Ufer von Garonne und Gironde, der so genannten Rive gauche. Hier werden die großen Rotweine von Pauillac, Margaux, Saint-Julien, Saint-Estèphe oder Pessac-Léognan, kräftige Weißweine, aber auch die herrlichen Süßweine von Sauternes und Barsac geboren.

Am rechten Ufer von Dordogne und Gironde, der so genannten Rive droite, findet man eine große Bandbreite verschiedener Bodenarten, von den kalkhaltigen Kiesböden des Pomerolgebiets bis zum Tonkalk von Saint-Émilion und Fronsac. Entsprechend unterschiedlich fallen die Weine des Bereichs aus. Die Rotweine der besten Lagen haben dieselbe Klasse wie an der Rive Gauche, wirken aber mit ihrem höheren Merlotanteil etwas fruchtbetonter und sind oft auch schneller trinkreif. Zwischen den beiden liegt das so genannte Entre-deux-Mers – deutsch: „Zwischen zwei Meeren“, gemeint sind die beiden Flüsse Garonne und Dordogne –, dessen schwere, tonhaltige Böden frische Weißweine und weiche, harmonische Rote liefern.

Nördlich des Bordelais, wie die Region Bordeaux auch genannt wird, erstrecken sich riesige Rebgärten, die fast ausschließlich zur Produktion des Weinbrands Cognac dienen. Noch nördlicher, am längsten Fluss Frankreichs, der Loire, findet der Bogen durch die Weinbauregionen seinen Abschluss. Aufgrund ihrer großen geographischen Ausdehnung weist die Region sehr unterschiedliche Klimata auf: vom kontinentalen, sehr kühlen Klima des Zentralmassivs bis zum milden, atlantischen Klima am Unterlauf des Flusses. Auch bezüglich der Böden und der erzeugten Weintypen herrscht die gleiche Vielfalt.

Neben der weit verbreiteten Rebsorte Melon alias Muscadet, aus der knackiger, frischer Weißwein gekeltert wird, herrscht hier vor allem der noch immer verkannte Chenin blanc, der vermutlich bereits im 9. Jahrhundert im Anjou kultiviert wurde. Aus ihm werden trockene und süße Weißweine sowie herrliche Schaumweine gekeltert, die sogar dem Champagner Paroli bieten können. Interessanteste Rotweinsorte ist der Cabernet franc, der in der Touraine reinsortig die vielleicht besten und alterungsfähigsten Resultate weltweit hervorbringt. Eine Sonderstellung nimmt Sauvignon blanc ein, aus dem im Gebiet von Sancerre und Pouilly-Fumé unverwechselbare, nach Feuerstein duftende trockene Weiße erzeugt werden.

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